Plötzky l Nach fünf Jahren als Ortsbürgermeister von Plötzky hat Martin Kütz (SPD) nicht erneut für den Ortschaftsrat kandidiert. Im Gespräche erklärt der 65-Jährige seinen Wechsel in den Stadtrat und erzählt, warum er den Plötzkyern nie zum Geburtstag gratuliert hat.

Bei der Ortschaftsratssitzung in Plötzky haben Sie als Bürger fleißig Anfragen gestellt. Bereuen Sie es schon, dass Sie sich nicht wieder für das Gremium zu Wahl gestellt haben?
Martin Kütz: Nein. Es war eine spannende Zeit als Ortsbürgermeister, und ich habe viel über Politik und Verwaltung gelernt. Das Problem ist, dass der Ortschaftsrat keine echten Kompetenzen hat. Der Schönebecker Stadtrat hat unsere Entscheidungen höflich zur Kenntnis genommen, und das war es auch schon. Ich konnte als Ortsbürgermeister den Plötzkyern nicht einmal zum runden Geburtstag oder zur goldenen Hochzeit gratulieren, weil die Verwaltung mich nicht informiert hat. Ich habe erst hinterher in der Zeitung gelesen, dass der Oberbürgermeister zum Gratulieren da war. Anfragen zu Plötzky stelle ich lieber im Ortschaftsrat als im Stadtrat, weil das dort vielleicht mehr Leute interessiert.

Der Ortschaftsrat von Plötzky wäre fast aufgelöst worden, weil sich im ersten Wahlgang nicht ausreichend Kandidaten gefunden haben. Das hätte Sie auch als Stadtrat geschwächt. Wollten Sie auch auf eine Kandidatur im zweiten Wahlgang verzichten, wenn sich bis dahin nicht ausreichend Bewerber gemeldet hätten?
Das hätte ich in Kauf genommen. Ich habe klar gesagt, dass ich nicht noch mal für den Ortschaftsrat kandidiere, und daran sollte man sich auch halten. Ich denke nicht, dass ich ohne den Ortschaftsrat ein schwächerer Stadtrat wäre.

Wie lautet denn Ihr Fazit nach fünf Jahren als Ortsbürgermeister?
Wie gesagt, die Möglichkeiten sind begrenzt. Ich würde mir wünschen, dass die Ortschaftsräte über ein gewisses Budget verfügen, mit dem sie eigene Entscheidungen treffen können. Etwa, wo der Bauhof eingesetzt wird. Ich habe mich in der Vergangenheit zwar auch für die Zentralisierung des Bauhofs ausgesprochen. Aber das sehe ich heute anders.

Welche Themen haben Sie beschäftigt?
Der Durchgangsverkehr durch Plötzky war immer ein Thema, auch wenn die Umgehungsstraße aus dem Bedarfsplan entfernt wurde. Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis. Zumindest gibt es jetzt positive Signale für einen Tempo-Smiley am Ortseingang aus Richtung Gommern, der die Geschwindigkeit anzeigt. Auch am anderen Ortseingang leiden die Anwohner, wenn die Lastwagen nach der Kurve wieder anfahren. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse der nächsten Verkehrszählung in diesem Jahr. Der Verkehr hat sicher zugenommen. Auch der Fahrradweg zwischen Plötzky und Pretzien könnte bald Realität werden, aber das hängt vom Kreis ab. Bedauerlich war die Schließung der Feuerwehr von Plötzky. Es ist traurig, wenn sich unter 1000 Einwohnern nicht ausreichend freiwillige Feuerwehrleute finden.

Wie unterscheidet sich die Arbeit im Stadtrat vom Ortschaftsrat? Haben Sie jetzt mehr Einfluss?
Wir entscheiden jetzt über den Haushalt der Stadt Schönebeck. Da können wir sagen: hopp oder top. Immerhin können Fördermittel beantragt werden. Im Stadtrat macht sich auch die Parteizugehörigkeit stärker bemerkbar. Da wird öfter nach Partei gestimmt oder argumentiert. Es gibt eine Art moralischen Fraktionszwang. Im Ortschaftsrat spielt die Partei eigentlich keine Rolle. Da wird nur pragmatisch diskutiert. Aber wir hatten ja auch nichts zu entscheiden.

Sie sind in Rente gegangen. Haben Sie jetzt mehr Freizeit?
Ich habe jetzt andere Aufgaben. Ich gebe noch Vorlesungen als Privatdozent, so lange es mir Spaß macht. Und ich sitze im Stadtrat und habe den Vorsitz des Heimatvereins übernommen. Außerdem bin ich im Sport- und Kulturverein aktiv. Ich hoffe, dass die Vereine in Zukunft wieder mehr in Plötzky bewegen können.