Biere/Unseburg l „Hast du Hammer, Zange, Draht, fährst du bis nach Leningrad“ – so lautete der Spruch der Trabi-Tüftler zu DDR-Zeiten, die ihre Rennpappe bei jeder kleinen oder vielleicht sogar größeren Panne selbst wieder auf Vordermann gebracht haben. Auch der Unseburger Dirk Kasten repariert immer noch fast alles selbst an seinem Trabant Baujahr 1986, den die Familie seit mehr als 30 Jahren besitzt und mit dem er bis heute täglich nach Schönebeck zur Arbeit fährt. Und als Trabi-Liebhaber und Mitglied der Trabantfreunde organisiert er in diesem Jahr wieder das IFA- und Ostmobile-Treffen in Biere mit, dass am Sonnabend zum elften Mal stattfindet.

„Ein Trabi ist einfach ein uriges Auto, weil man praktisch alles selber machen kann“, sagt der 42-jährige Landschaftsgestalter. „Es gibt nichts, was ich an dem Wagen nicht schon repariert habe.“ Wichtigste Regel: Die Werkzeuge und sogar einige Ersatzteile bewahrt er in einer kleinen Kiste unter der Motorhaube auf. Wichtig ist vor allem eine Drahtbürste, um die Zündkerzen zu reinigen. Denn dreckige Zündkerzen zünden nicht. Außerdem hat Dirk Kasten immer ein paar Ersatzkerzen dabei.

Strumpfhose statt Keilriemen

Mythos Strumpfhose: „Wenn der Keilriemen reißt, kann man ihn tatsächlich mit einer Strumpfhose ersetzen und noch ein paar Kilometer bis zur nächsten Werkstatt fahren.“ Für längere Fahrten allerdings nicht unbedingt zu empfehlen. Dirk Kasten selbst müsste noch nicht auf diese Notlösung zurückgreifen, kennt aber Leute, die damit gute Erfahrungen gemacht haben. Allerdings hat er auch keine Strumpfhosen im Werkzeugkoffer dabei.

Ein zusätzliche Lichtmaschine hat Dirk Kasten hingegen normalerweise immer in seinem Trabant im Kofferraum dabei. Allerdings hat der Unseburger sie gerade ausgetauscht, so dass er derzeit ohne Ersatzteil fährt. Immerhin: Viele Austauschteile werden auch heute noch hergestellt und können daher manchmal sogar leichter beschafft werden als noch zu DDR-Zeiten. Ansonsten hilft der Händler des Vertrauens weiter.

Nicht zu vernachlässigen ist natürlich der Treibstoff, der für den Trabant aus Benzin und Öl im Verhältnis 50:1 gemischt werden muss. „Ich habe das Öl immer dabei und mische das beim Tanken an der Tankstelle“, sagt Dirk Kasten. Doch warum muss überhaupt Öl in den Tank? „Der Zweitakt-Motor beim Trabi muss immer gut geschmiert werden, damit er rund läuft“, sagt Dirk Kasten. Damit schafft sein Trabant immer noch Tempo 130.

Die größte Tüftelei kommt aber erst noch auf ihn zu. So hat der Motor mittlerweile 115 000 Kilometer auf dem Buckel. Irgendwann wird daher wohl ein neuer Motor fällig. Den wird er dann wohl auch gemeinsamen mit einem Freund in einer Werkstatt einbauen.

Hycomat kuppelt automatisch

Besonders ist an dem Trabi von Dirk Kasten übrigens nicht nur die Farbe aquarienblau, die einigermaßen selten war: Der Wagen wurde extra für seinen gehbehinderten Vater in der Hycomat-Variante i produziert. Beim Hycomat handelt es sich um eine elektro-hydraulische Kupplung, die automatisch schaltet. Ein Kupplungspedal ist daher nicht mehr notwendig. Für den Kauf war ein medizinischer Nachweis notwendig.

Seinen Trabant möchte Dirk Kasten noch möglichst lange fahren. „Das ist einfach mein liebstes Alltagsauto. Ich schau mir aber auch immer gern die Hochglanzfahrzeuge beim Ostmobile-Treffen in Biere an“, sagt er. Autos und Zweiräder gucken, Leute treffen, fachsimpeln – das übliche halt. Wobei Dirk Kasten selbst bei der Veranstaltung immer als Ordner mithilft und daher nicht so viel Zeit hat. „Beim Einweisen der Fahrzeuge auf ihre Stellplätze hat man aber immer auch die Möglichkeit zum Gucken“, sagt Dirk Kasten voller Vorfreude.