Barby l Wenn Sven Pritzkoleit an die schwarze Johannisbeere denkt, dann hat das für ihn etwas von Beschütztsein. Denn dann erinnert er sich an die Johannisbeerbonbons, die seine Uroma ihm in seiner Kindheit zu Weihnachten geschenkt hat. Und dann hat der Parfümeur aus Barby sofort einen Geruch im Sinne. Die Johannisbeere. Die duftet nicht nur nach einer frischen, leicht säuerlichen Beere. Sondern, wenn sie vom Busch kommt, auch ein bisschen herbal, krautig, holzig.

Um eines vorweg zu nehmen: Die Fähigkeit, Düfte so klar benennen zu können, ist bei Sven Pritzkoleit aus Barby gewissermaßen genetisch bedingt. Denn die olfaktorische Wahrnehmung, die Kunst, komplexe Gerüche besonders gut identifizieren zu können, die ist bei Sven Pritzkoleit besonders ausgeprägt. Egal, ob der Parfümeur über seine Kindheit, über Kunst, Literatur oder Tanz spricht – ihm fallen neben Bildern und Worten auch immer die passenden Düfte dazu ein.

Wohliges Licht

Sven Pritzkoleit sitzt in seinem Labor in Barby. Auf dem Tisch stehen zahlreiche Parfümfläschchen – und da liegt eine Postkarte mit einem Gemälde von Carlo Maratti – die Heilige Nacht. Es zeigt Maria mit dem Jesuskind, über ihre Schultern schauen Engel. Das Gemälde hat durch das wohlige Licht, in dem die Mutter mit ihrem Neugeborenen erstrahlt, etwas besonders warmes, etwas wohlbehütetes. Sven Pritzkoleit hat dieses Kunstwerk einst in der Gemäldegalerie in Dresden gesehen. „Für mich hat dieses Bild gleichzeitig etwas wunderbar Zeitloses“, sagt er. Wenn er es betrachtet, dann fühlt er sich angekommen, geerdet

Bilder

Und der Künstler, der Parfümeur in ihm, ist inspiriert, einen Duft zu dem Bild zu kreieren. „Ich brauchte etwas, das die Mystik, die hinter Jesus Geburt steckt, mit dem Ursprünglichen vereint. Schließlich zeigt das Bild letztendlich nichts als eine Mutter mit einem Kind“, erklärt Sven Pritzkoleit. In der Bibel – der Parfümeur sieht diese unabhängig von der Religion als wichtiges zeitgeschichtliches Dokument – werden im Zusammenhang mit Jesus Geburt verschiedene Harze genannt.

Medizinische Eigenschaften

Sven Pritzkoleit kommt sofort die Narde in den Sinn. Ein dem Baldrian ähnelndes Gewächs aus dem Himalaya, das seit Jahrtausenden aufgrund seiner spirituellen aber auch medizinischen Eigenschaften als Heilpflanze gilt. Sven Pritzkoleit nimmt die Pflanze als Inspiration für seinen ersten Weihnachtsduft: Nardus.

Spricht der Parfümeur über seine Düfte, dann erzählt er nicht nur im Detail von den Dufteigenschaften („Die Narde riecht grün, aber auch ein wenig dumpf, animalisch, hölzern“). Als ehemaliger Apotheker weiß der Barbyer auch von den Einflüssen, die gewisse Kräuter und Öle auf den Körper haben können. So habe die Narde zum Beispiel durch die Ähnlichkeit zum Baldrian auch eine beruhigende Wirkung.

Als Heiler bekannt

Ein weiterer Aspekt, den Sven Pritzkoleit in die Kreation seiner Düfte mit einfließen lässt, ist sein Verständnis von Kunst, Kultur und Literatur. „Man kann ebenfalls in der Bibel nachlesen, dass Maria Magdalena die Narde als Salböl für Jesus vor der Kreuzigung verwendete“, so Sven Pritzkoleit.

Inwiefern das zu Weihnachten passt? „Jesus wurde sein Schicksal in die Wiege gelegt“, so der Parfümeur. Gleichzeitig passe der Duft zu Jesus als mystische Figur. „Jesus war als Heiler bekannt, da passen Narde, Beifuß aber auch Weihrauch sehr gut“, findet er.

Stimmungsduft

Eine weitere Besonderheit: „Er enthält keine synthetischen Duftstoffe, es handelt sich ausschließlich um eine Komposition aus ätherischen Ölen“, so der Parfümeur. Sven Pritzkoleit beschreibt ihn als kraftgebend, als ausgleichend. Man könne ihn nicht nur auf dem Körper tragen, sondern auch als sogenannten „Mood Scent“ (Stimmungsduft) verwenden.

Das spirituellste Parfüm seiner Weihnachts-Trilogie ist der Duft „Palo Santo“. Ein Parfüm, das Sven Pritzkoleit als sehr holzig bezeichnet, mit Anklängen an Sandelholz. Kein Wunder, denn „Palo Santo“ ist nicht nur der Name des Parfüms, sondern so heißt auch ein Baum aus den Waldregionen von Peru und Ecuador. Dem Palo Santo, das auch als „Heiliges Holz“ bezeichnet wird, werden Heilkräfte und die Umwandlung negativer Energien in positive nachgesagt.

Internationaler Erfolg

„Hierbei handelt es sich wohl um den wohl spirituellsten unter meinen Weihnachtsdüften“, so Sven Pritzkoleit. Er soll zum Nachdenken, zum Meditieren anregen. Dadurch, dass er sehr naturalistisch sei und nicht zu süß, sei es einer der Düfte, die sich gleichermaßen als Damen- sowie als Herrenparfüm eignen.

Seit nun schon ein bisschen über zwei Jahren sind Sven Pritzkoleits Düfte auf dem Markt. Er verkauft über seinen Online Shop, doch die Produkte sind auch in den USA, Kanada und England und Deutschland in exklusiven Parfümläden erhältlich.

Sein Parfüm „Liquorice Vetiver“ wurde sogar als Finalist für den „Art and Olfaction Award 2017“ – eine Art Oscar für Parfümeure – nominiert.

Erinnerungen an Kindheit

Zudem hat er jüngst für das kanadische Parfüm-Label „Zoologist“ den Duft „Hyrax“ entwickelt. Benannt nach einem kaninchengroßen Nagetier, das vom Erscheinungsbild am ehesten an ein Murmeltier erinnert.

Doch zurück zum Thema Weihnachten. Denn ein drittes Parfüm fehlt noch in Sven Pritzkoleits Trilogie. Hier handelt es sich um einen Duft, der viel mit der eigenen Kindheit des Parfümeurs zu tun hat. Der Duft heißt „Cassis“. Die französische Bezeichnung von Johannisbeere. Ebenfalls ein Unisex-Duft, also ein Parfüm, das von Damen sowie Herren gleichermaßen getragen werden kann. Wie Sven Pritzkoleit den Geruch dieses Parfüms beschreibt? „Es riecht ein bisschen nach Holz, nach Gewürzen, nach Frucht.“

Mindestens genauso wichtig ist das Gefühl, das der Duft bei ihm – und wie er hofft auch bei den Trägern – auslöst. So nennt er ihn: „The Scent of Happiness“. Das heißt aus dem Englischen übersetzt. „Der Geruch des Glücks.“