Schönebeck l Hella Richter macht den Eindruck, als wäre sie tiefenentspannt. „Also, aufgeregt war ich gestern. Jetzt nicht mehr“, sagt die langjährige Leiterin der Regionalgruppe Parkinson gegenüber der Volksstimme. Was vorzubereiten war, hat sie vorbereitet zum Geburtstag der Selbsthilfegruppe. Jetzt muss nur noch alles laufen – wie am Schnürchen am besten. Und eigentlich passiert genau das an diesem Dienstag im April 2017, 25 Jahre nach Gründung der Regionalgruppe. Dass einige Gäste absagen mussten, steht dem feierlichen Moment nicht entgegen.

In ihrer Rede geht Hella Richter auf Menschen ein, die von ihrem Arzt die Diagnose Parkinson bekommen. „Für so manchen ist es ein Schock. Und nicht jeder bekommt von seinem Arzt das Krankheitsbild erklärt.“

Heimat beim SV Pädagogik

Die Schönebecker Regionalgruppe Parkinson ist Mitglied im Allgemeinen Behindertenverband Sachsen-Anhalt (ABiSA) sowie im SV Pädagogik. Hermann Kulka, der Vorsitzende des Sportvereins, erinnert in seinem Grußwort an die Anfänge der Selbsthilfegruppe, die vor 25 Jahren unter dem Dach des SV Pädagogik ihr Zuhause fand. Der Sportverein stellt Sporthalle und Übungsleiter – und – nach Möglichkeit – auch einen Bus zum Transport der Gruppenmitglieder zu Veranstaltungen. Kulkas Worte beeindrucken: „Die Parkinsongruppe ist eine wunderbare Gruppe. Man findet selbst im sportlichen Bereich keine Gruppe, die so sehr zusammenhält“, schätzt er ein. Die Gruppenmitglieder würden sehr an ihrem Leben hängen. „Eine wichtige Voraussetzung für Lebensqualität und Lebenserwartung.“ Hermann Kulka hat die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die gesund sind, oft mehr klagen als Menschen, die mit einer Krankheit zurecht kommen müssen. Beim SV Pädagogik, räumt der Vorsitzende ein, müsse – wie bei vielen anderen Vereinen auch – an allen Ecken und Enden gespart werden. Deshalb sei es wichtig, Sponsoren zu finden.

Sponsoren sind wichtige Helfer

Auf die kann auch die Parkinsongruppe bauen. Ein ausdrücklicher Dank geht an Frank Sieweck vom Energieversorger EMS, der als Vertreter der Sponsoren zur Geburtstagsfeier gekommen ist. „Ihre Unterstützung ist für uns eine große Hilfe“, würdigt Hella Richter alle Unterstützer. Die Gelder seien zwar insgesamt knapp – „doch wir geben nicht auf“, versichert die engagierte Frau, die seit 23 Jahren mit Parkinson lebt. Bei ihr nehme die Krankheit einen langsamen Verlauf. „Ich bin glücklich, dass es so ist – aber ansonsten könnte ich die Arbeit gar nicht machen“, verweist Hella Richter auf ihr Ehrenamt als Gruppenleiterin.

"Das kriegen wir mit."

Beate Bröcker vertritt als Staatssekretärin im Landessozialministerium die verhinderte Ministerin Petra Grimm-Benne (beide SPD). „Diese 25 Jahre zeigen: Der Bedarf ist da und die Menschen sind da, die als Motoren das Gruppenleben antreiben“, bilanziert die Staatssekretärin. Ein Austausch in der Gruppe erleichtere es für den Einzelnen, mit Parkinson zurecht zu kommen. Selbsthilfegruppen seien unverzichtbarer Bestandteil für die Bewältigung von kritischen Lebenslagen. „Das kriegen wir in Magdeburg sehr wohl mit – und auch, dass Ihnen das so gut gelingt“, richtet sich Beate Bröcker an die Schönebecker.

Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) meint, dass die Selbsthilfegruppe gut für die Stadt ist. Für die Betroffenen biete die Gruppe die Chance, sich nicht zu verschließen, sondern das Leben weiter zu meistern.

Grußworte sprechen auch der ehrenamtliche Vorsitzende des ABiSA, Jürgen Hildebrand und die Ärztin Dr. Christiane Bertram. Die Neurologin argumentiert, dass die Arbeit, die in einer Selbsthilfegruppe geleistet wird, gut Dreiviertel zur Bewältigung der Krankheit beiträgt.

Zum Abschluss des offiziellen Teils stimmt Übungsleiterin Ingrid Frank das Rolf-Zuckowski-Lied an „Es geht immer noch ein bisschen weiter.“

49 Mitglieder in der Gruppe

Von den 49 Mitgliedern der Selbsthilfegruppe nehmen noch elf aktiv am Gruppenleben teil, die anderen sind aus körperlichen Gründen dazu nicht mehr in der Lage. Das älteste Mitglied ist über 90, das jüngste Ende 50. Das Durchschnittsalter in der Gruppe beträgt 74 Jahre.