Schönebeck l Der natürliche Lebensraum von Pferden ist die Steppe. Auf der Suche nach Nahrung lassen die Tiere auf den riesigen Flächen so manchen Kilometer hinter sich. Sie fressen und ziehen weiter, bis sie wieder Nahrung finden. Dieses natürliche Verhalten wollen Anna und Andre Laue mit einem ausgeklügelten Konzept auf ihren Pferdehof „Elbaue“ übertragen, der derzeit am Graseweg in Schönebeck entsteht. Das ganze nennt sich Aktivstall und ist laut dem Ehepaar aus Elbenau eine besonders artgerechte Variante der Pferdehaltung. In Sachsen-Anhalt gebe es bislang nur einen weiteren Hof, der ebenfalls dieses Konzept umsetzt.

Insgesamt wird der Hof in Schönebeck 36 Pensionspferden Platz bieten, 25 davon im Aktivstall. „Im Aktivstall werden die Pferde auf rund 4400 Quadratmetern in einer Gruppe, einer Herde, gehalten. Sie sind Tag und Nacht unter Artgenossen und ständig in Bewegung“, sagt Andre Laue. Ziel ist es, dass die Tiere bis zu 16 Kilometer am Tag zurücklegen und dabei etwa 20 kleine Futterrationen aufnehmen. Doch wie funktioniert das?

Computergesteuerte Stationen

Die Antwort: Mithilfe computergesteuerter Futterstationen und kleinen Sendern. Anna Laue erklärt: „Raufutter bekommen die Tiere an den zentralen Heuhaufen. Diese sind zeitgesteuert und öffnen und schließen sich mehrmals täglich. Auf diese Weise wird eine Dauerfressen verhindert. Der Grundbedarf aller Pferde ist damit aber gedeckt.“ Ist der Heuhaufen geschlossen, ziehen die Pferde weiter, um Futter zu suchen: zum Beispiel an der Kraftfutterstation.

Bilder

Diese ist wie eine Schleuse aufgebaut. Das bedeutet, dass immer nur ein Pferd hineingelangt und fressen kann. Hier kommen auch die Sender ins Spiel. Jedes Pferd im Aktivstall ist mit einem individuellen Transponder ausgestattet. Auf diesem ist vermerkt, wie oft und welches Kraftfutter die Tiere an der Station erhalten. Nährt sich ein Tier also der Station, so öffnet sich ein Tor und das Pferd kriegt eine Ration des eingestellten Futters. Ist diese vertilgt, ziehen die Tiere weiter. „So werden die Tiere immer wieder motiviert zu wandern. Sie fressen über den Tag verteilt viele kleine Portionen und bewegen sich dabei – genauso, wie sie es in der Steppe tun würden“, sagt Andre Laue.

Gruppe ohne Hengste

Ein Manko hat das Aktivstall-Prinzip aber auch. Hengste müssen nämlich draußen bleiben. „Die Tiere sind rund um die Uhr zusammen und bewegen sich frei. Wäre ein Hengst unter ihnen, hätten wir wahrscheinlich ganz schnell viele kleine Pferde“, erklärt Anna Laue.

Die Arbeiten am Pferdehof „Elbaue“ laufen seit März. Den bereits bestehenden Pferdehof hat das Ehepaar gepachtet und baut ihn nun um. So haben sie in den vergangenen Wochen bereits die dazugehörige Reithalle auf Vordermann gebracht. Den alten Boden haben sie mit neuem Quarzsand ausgetauscht. Zudem wurden dem Sand Fliesschnipsel beigefügt. Das Gemisch biete ideale Trittbedingungen für die Tiere, so Anna Laue.

Stall mit Gummimatten

Stichwort: Trittbedingungen. Da sich die Pferde im Aktivstall viel bewegen, ist hier ein geeigneter Untergrund natürlich das A und O. Dafür legen die Laues die 4400 Quadratmeter Aktivstall mit speziellen Gummimatten aus, welche die Hufe der Pferde besonders schonen. Die ersten Matten wurden in der vergangenen Woche bereits angeliefert.

Das Ziel der beiden ist es, gegen Ende des Jahres mit der Errichtung des Aktivstalls und dem Umbau der dazugehörigen Anlagen fertig zu werden. Einen Meilenstein, auf den sie besonders stolz sind, haben sie dabei erst kürzlich erreicht: das eigene Logo. Darauf ist der Kopf eines Pferdes mit flatternder Mähne zu sehen. Doch nicht irgendeinen Pferdes. „Das ist unsere Uschi. Sie ziert unser Logo“, berichtet das Paar stolz.