Schönebeck l Sieben Wochen lang konnte Bruno Rogall seine Ehefrau Christa nicht sehen. „Das war schon eine ziemlich lange Zeit“, sagt der 79-jährige Schönebecker. Seine ein Jahr jüngere Ehefrau lebt im Alten- und Pflegeheim Burghof der Diakonie in Schönebeck und ist auf den Rollstuhl angewiesen. Wegen der Corona-Pandemie hatte es in den vergangenen Wochen ein Besuchsverbot in Altenheimen gegeben. Denn gerade viele ältere und kranke Menschen gehören schließlich zur besonders gefährdeten Risikogruppe. Doch nun wurde das Besuchsverbot wieder aufgehoben und durch strenge Hygieneauflagen ersetzt. Bruno Rogall kann jetzt endlich wieder fast täglich seine Frau sehen, mit ihr reden und sie in ihrem Rollstuhl durch den Burghof schieben, damit sie die Sonne genießen kann. „Das wurde aber auch Zeit“, sagt sie.

Denn die Zeit der Trennung war nicht einfach für die beiden. Zwar ist Bruno Rogall jede Woche im Burghof vorbeigekommen. „Aber nur, um die saubere Wäsche zu bringen. Die Schwestern haben sie dann entgegengenommen. Die Mitarbeiterinnen sind immer sehr hilfsbereit“, erzählt er. Und dann haben die Pflegekräfte Christa Rogall auch immer in ihrem Rollstuhl auf den Balkon geschoben. „Da konnten wir uns wenigstens zuwinken und etwas zurufen. Zum Glück höre ich noch ganz gut“, sagt sie.

Besuche sind erwünscht

Auch die Mitarbeiterinnen im Burghof sind froh, dass die Bewohner wieder Besuch von den Verwandten und Bekannten bekommen können. Die Besuche sind sogar ausdrücklich erwünscht – wenn auch unter Auflagen. Und das sogar sieben Tage in der Woche. „Gerade in der letzten Lebensphase haben Menschen ein Recht auf Begleitung und das wollen wir auch möglich machen“, erklärt Diakonie-Vorsteherin Annett Lazay. Zwar würden die Bewohner im Burghof nicht vereinsamen, da sie viel Umgang mit dem Pflegepersonal hätten. „Aber natürlich können die Menschen mit Familie und Freunden ganz anders über private Dinge sprechen“, so Annett Lazay.

Inzwischen können die Bewohner am Burghof jeden Tag besucht werden: täglich von 15 bis 18 Uhr, am Mittwoch nur von 9.30 bis 11.30 Uhr. Und das Angebot werde auch eifrig genutzt. „Eine Voranmeldung ist nicht notwendig. Die Besucher können sich einfach an den Eingängen unserer drei Häuser melden“, meint die Diakonie-Vorsteherin.

Allerdings gelten die üblichen Auflagen und Hygienevorschriften. Besucher müssen sich die Hände desinfizieren und ihre Adressen hinterlassen. „Wir stellen den Besuchern sterile Gesichtsmasken, damit wir sicher sind, dass sie sauber sind“, verspricht Annett Lazay. Denn inzwischen würde es auch ausreichend Masken für alle geben. Die Besuche würden dann ganz normal in den Zimmern der Bewohner stattfinden. Bei einer Doppelbelegung würden die Mitarbeiterinnen dafür sorgen, dass der Mitbewohner für den Besuchszeitraum anderweitig betreut wird. Nach Möglichkeit können die Bewohner mit ihrem Besucher auch im Burghof spazieren gehen. „Die meisten Besucher haben auch Verständnis für die Maßnahmen“, so empfindet Annett Lazay.

Wiedereröffnung ist verantwortbar

Eine Wiedereröffnung der Pflegeeinrichtungen für Angehörige und Freunde hält sie zumindest für Sachsen-Anhalt für richtig und verantwortbar. „Gerade hier in der Region sprechen die Zahlen dafür, dass es kaum noch Corona-Kranke gibt“, sagt sie. Es sei aus ihrer Sicht richtig gewesen, dass die Bundesregierung zu Beginn der Krise flächendeckend für den Schutz der Bevölkerung gesorgt habe. „Genauso richtig ist es, die Verantwortung nun wieder zurück in die Regionen zu geben“, so Annett Lazay. Im Salzlandkreis seien Lockerungen auch eher möglich als etwa in schwerer betroffenen Regionen wie Bayern.

Neben den Besuchsregelungen hat es für die Einrichtung am Burghof auch weitere Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie gegeben. „Gemeinsame Aktivitäten wie Singen oder Spielen können wir jetzt nur noch in ganz kleinen Gruppen anbieten“, sagte Annett Lazay. Und auch das große Sommerfest, das sonst immer im Juni im Burghof gefeiert wird, kann in diesem Jahr so nicht stattfinden. „Wir werden stattdessen viele kleine Feste in unseren Häusern feiern.“ Für die kommenden Monate wünscht sich Annett Lazay, dass sich die Situation so weit verbessert, dass Vorschriften weiter gelockert werden können. „Menschen brauchen nun mal nicht nur Worte, sondern auch mal eine Umarmung“, meint sie.

Doch auch Berührungen sind derzeit noch nicht so richtig möglich. So kommt etwa eine 75-jährige Schönebeckerin jeden Tag in den Burghof, um ihren Sohn zu besuchen. Seit zwei Jahren liegt der 50-Jährige im Wachkoma, in das er urplötzlich gefallen ist. Die Ursache ist unbekannt. „Ich muss jeden Tag kommen, um ihn zu sehen. Sonst bin ich so unruhig, dass ich kaum schlafen kann“, erzählt sie. Das Besuchsverbot sei deswegen sehr hart für sie gewesen. Zumindest konnte sie jeden Tag im Burghof anrufen, um zu hören, dass alles in Ordnung ist. „Die Mitarbeiter kümmern sich sehr fürsorglich um ihn“, sagt die Seniorin.

Sehen mit Abstand

Jetzt kann sie ihren Sohn zwar sehen, muss aber noch 1,5 Meter Abstand von seinem Bett halten. Einfach mal seine Hand halten und sie streicheln, ist derzeit noch nicht möglich. Doch wenn sie da ist, spricht sie mit ihrem Sohn. Ob er sie hören kann, weiß sie nicht.