Theatervertrag: Zu den Hintergründen

Die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie Schönebeck feiert in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen.

Im Jahr 1994 wurde das Orchester – damals noch „Mittelelbisches Konzertorchester Schönebeck“ in eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt.

Seit 1997 führt die Gesellschaft den Namen „Mitteldeutsche Kammerphilharmonie Schönebeck“. Gesellschafter des Orchesters ist der Salzlandkreis.

Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt den Kreis in seinem Bestreben, den Fortbestand des Orchesters zu sichern, indem es ihm finanzielle Mittel zuwendet.

Diese Finanzbeziehungen werden seit dem Jahr 2009 durch den Abschluss eines befristeten öffentlichen Vertrages (Theatervertrag) zwischen dem Land Sachsen-Anhalt und dem Salzlandkreis begründet.

Der Theatervertrag gilt jeweils für fünf Jahre. Ein neuer Vertrag würde ab dem 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2023 gelten.

Schönebeck l Orchester und Kreis haben lange gewartet und gehofft. Doch jetzt sind sie da, die zwei möglichen Entwürfe für einen Theatervertrag, der die Zukunft der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie für die nächsten fünf Jahre absichern würde.

Würde, denn ob der Kreistag einem dieser Entwürfe zustimmt, ist leider noch alles andere als sicher. Oder direkter gesagt: Es ist bisher noch so unsicher, dass im jüngsten Finanzausschuss des Kreises die Beschlussvorlage, in der beide möglichen Vertragsentwürfe vorgestellt werden, zurückverwiesen wurde. Es wurde gefordert, dass die finanziellen Konsequenzen, die eine Ablehnung eines neuen Vertrages mit der Kammerphilharmonie mit sich bringen würde, anhand von Zahlenmaterial dargestellt werden soll. Dazu gehören beispielsweise mögliche Abfindungen für die 23 Orchestermusiker. Diese könnte große finanzielle Konsequenzen für den Landkreis haben, eine genaue Summe steht allerdings laut Orchester-Geschäftsführerin Anita Bader noch nicht fest. Die entsprechenden Zahlen wird Dezernentin Petra Czuratis zum Haushalts- und Finanzausschuss am 3. Dezember in Bernburg vorstellen.

Zwei Entwürfe

Die beiden Vertragsentwürfe als solche unterscheiden sich im Wesentlichen in der Höhe der Zuwendungen, zu deren Bereitstellung sich der Kreistag verpflichten würde. So sieht Vertragsentwurf 1 eine jährliche Verpflichtung von 750.000 Euro vor, Entwurf 2 eine jährlich steigende Verpflichtung von 808.000 Euro im Jahr 2019 und 885.000 Euro im Jahr 2023.In beiden Vertragsentwürfen heißt es jedoch auch, dass der Landkreis die jährliches Ausgeglichenheit des Wirtschaftsplans gewährleisten muss. Sprich: Dass er finanziell einspringt, wenn es knapp wird.

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Aus den Entwürfen wird auch ersichtlich, dass das Land in seiner Förderung höher gegangen ist. 2019 will es noch 423 000 hinzugeben, diese Summe steigt jährlich um fünf Prozent und erreicht so 2023 noch 500.500 Euro.

Doch dass einer weiteren Förderung des Orchesters überhaupt zugestimmt wird, ist derzeit alles andere als sicher. Wenn man nach den Diskussionen im jüngsten Schul-, Kultur- und Sportausschusses des Kreistages geht, wird das bestätigt.

Zukunft unklar

So sagte Siegfried Westphal (CDU): „ Keiner kann sagen, wie viel Geld der Kreis 2019 genau zur Verfügung hat.“ Er spielte dabei auch auf den Nachtragshaushalt an, der einen Fehlbetrag von 5,5 Millionen Euro ausweist. Bisher wurde die entsprechende Beschlussvorlage in allen Ausschüssen (Sozial-, Finanz- und Umweltausschuss) abgelehnt. Dirk Trappe (Wählergemeinschaft Elbe-Saale-Winkel) ließ das nicht als Argument gelten. Er sagte: „Wir retten den Kreishaushalt nicht, wenn wir dem Vertrag nicht zustimmen.“ Trappe betonte, dass man aufpassen müsse, dass man nicht immer mehr in Gefahrenpunkte hereinschlittert. Seine Worte: „Ich bin für den Beschluss und somit auch für die Planungssicherheit für den Kulturbetrieb.“

Thomas Gruschka (CDU) schlug daraufhin vor: „Wenn Geld fehlt, kann das nicht irgendwie eingespielt werden?“ Für ihn fehle zudem ein Vorschlag dafür, wie die Kammerphilharmonie mit weniger Geld fortgeführt werden könne.

Dezernentin Petra Czuratis wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass das Orchester mit 23 Musikern nicht noch kleiner werden könne, als es ist. Zudem betonte sie: „Fast 30 Prozent der Erträge werden eingespielt. Zum Vergleich: Die Magdeburgische Philharmonie liegt bei nur neun Prozent.

Weg bis Jahresende

Fachdienstleiter Bildung und Kultur, Ulf-Peter Freund, appellierte im Kreis-Kulturausschuss: „Neben der Zahl muss man das Herz sprechen lassen. Wir müssen bis zum Jahresende einen Weg finden.“

Anita Bader ist über die Worte von Ulf-Peter Freund sehr dankbar. Sie betont, dass viele der Musiker nicht nur für die kulturelle Bereicherung im gesamten Salzlandkreis sorgen, sondern auch mit dem Unterrichten an Musikschulen im Kreis einen wichtigen Bildungsauftrag erfüllen. „Viele der Musiker sorgen beispielsweise dafür, dass ihre Schüler bei entsprechendem Talent eine Karriere als Profimusiker angehen können.

Das wohl größte Beispiel für den Beginn einer Karriere als Profimusiker sei der Violinist Zsolt-Tihamér Visontay, der jüngst mit dem Landesmusikpreis ausgezeichnet wurde. „Auch er hat in Schönebeck angefangen“, so Anita Bader.

Große Beliebtheit

Wie beliebt das Orchester auch bei Publikum fernab des Kreises ist, zeige außerdem der Schönebecker Operettensommer. Die mehr als 17 000 Besucher kamen zu 40 Prozent nicht aus Schönebeck, dem Landkreis und Magdeburg, sondern aus Niedersachen, Berlin, Brandenburg und der gesamten Bundesrepublik. Insgesamt hat das Orchester knapp 94 Prozent der Karten für den Operettensommer verkaufen können. Anita Bader sagt: „Das ist sensationell.“

Freund spricht eine weitere Konsequenz an: „Wir müssen uns auch mal umschauen und uns fragen, was wir noch in unserer Kulturlandschaft zu bieten haben. Wenn wir das letzte Aushängeschild, den letzten Leuchtturm, abfackeln, wäre das sehr traurig.

Die Mitglieder des Kulturausschusses stimmten dem Beschluss mit einer knappen Mehrheit zu. Doch das Hoffen ist noch nicht vorbei: Die endgültige Entscheidung wird am Mittwoch, 5. Dezember, im Kreistag fallen.