Schönebeck l Nein, wehmütig wegen seines Abschiedes von der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie und seinem Ruhestand im Sommer sei Gerard Oskamp nicht. „Dafür habe ich gar keine Zeit. Wir spielen 130 Konzerte im Jahr. Wir haben immer viel zu tun“, sagt der 68-jährige Dirigent des Orchesters am Sonnabend am Rande des Balls im Festsaal im Kurpark Bad Salzelmen. Dort leitete Gerard Oskamp das Konzert im Rahmen der „Philharmonischen Phreundes Pheier“, also der Philharmonischen Freundes Feier. Ein festlicher Ball im schmucken Festsaal des Auditorium des Innovations- und Gründerzentrum Inno-Life im Kurpark Bad Salzelmen.

Bei dem die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie neben italienischen Klassikern wie Rossinis „Die diebische Elster“ für die Gäste auch Walzer oder Tango zum Tanz aufspielt. „Das ist doch mal etwas anderes. Ich mag auch Unterhaltungsmusik gern“, sagt der Niederländer Gerard Oskamp. Dabei würden die Besucher des Balls viel lachen und tanzen. Aber er bemühe sich, auch bei seinen klassischen Konzerten immer viel in Kontakt mit dem Publikum zu kommen.

Turniertänzer eröffnen Ball

Und es wurde getanzt auf dem Ball des Freundeskreises der Kammerphilharmonie zu den Klängen des Orchesters. Die beiden erfolgreichen Magdeburger Turniertänzer Christian und Nicole Held eröffneten den Tanz und führten danach auch Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) und die Vorsitzende des Förderkreises und Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) über das Parkett. Wobei beide Politiker eine ordentliche Figur machten. Die beiden Magdeburger Turniertänzer hatten vor dem Ball noch einen kleinen Auffrischungskurs für den einen oder anderen Besucher angeboten. Zumindest für jene, die daran Interesse hatten.

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Als Vorgeschmack auf den Operettensommer am Bierer Berg, bei dem die komische Oper „Boccaccio“ von Franz von Suppé gegeben wird, stand auch bereits der Ball des Förderkreises mitsamt dem Buffet und den Weinen unter dem Motto Italien. Die Regisseurin des Operettensommers, Katharina Kutil, brachte einen Tag nach ihrem 49. Geburtstag als Moderatorin des Abends mit ihren Anekdoten und Lidern auch noch etwa Wiener Schmäh in die Veranstaltung. „In Wien gibt es 450 Bälle im Jahr. Dort werden die Mädchen im Ballkleid geboren“, erzählte Katharina Kutil. Vor allem ihr Lied über „Die Reblaus“ sorgte beim Publikum für Erheiterung. Beim Chianti-Lied brauchte das Publikum noch ein bisschen Ermunterung zum Mitsingen.

Versteigerung war Höhepunkt

Heimlicher Höhepunkt der Veranstaltung war die Versteigerung des Förderkreises der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie zu Gunsten des Klangkörpers. Dabei kamen verschiedene Dienstleistungen und Requisiten der Kammerphilharmonie unter den Hammer. Geboten wurde etwa für einen privaten Abend mit einem Quartett der Musiker. Ein weiterer Gast kann das Orchester nun bald eine halbe Stunde lang dirigieren. Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch unterlag in einem Bieterkampf um den privaten Auftritt des Tenors Alexander Klinger nur knapp. Auktionator Thomas Wünsch vom Förderkreis sorgte dabei mit seiner Moderation immer wieder für neue Höchstgebote. Insgesamt kamen auf der Auktion zugunsten der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie mehr als 2500 Euro zusammen.

Die Organisatoren des Balls freuten sich nicht nur aufgrund dieses Erlöses über den Zuspruch der Gäste zur fünften Auflage der Veranstaltung. „Es sind mehr als 100 Besucher gekommen und wir sind komplett ausverkauft“, sagte die Vorsitzende des Förderkreises, Petra Grimm-Benne.

Der Region treu

Dirigent Gerard Oskamp hat in seinen verbleibenden Monaten bei der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie noch einige Konzerte zu spielen. „Es ist sehr schön mit der Kammerphilharmonie. Aber es ist auch ganz schön Tropen“, sagt Gerard Oskamp und bezieht sich dabei auf eine niederländische Redewendung, die an die anstrengende Arbeit in den ehemaligen tropischen Kolonien erinnert. „Aber ich arbeite gern“, sagt der Dirigent.

Große Pläne für seinen Ruhestand nach diesem Sommer habe er bisher noch nicht. „Allerdings steht schon fest, dass ich in Eggersdorf wohnen bleibe“, sagt Gerard Ostkamp, der sich auch mehr Zeit für seinen Sohn nehmen und ihn öfter zur Schule bringen möchte.