Schönebeck/Bernburg l Eine 84 Jahre alte Schönebeckerin hatte vor kurzem dem unbekannten Mann an ihrer Haustür ihr ganzes Erspartes anvertraut. Angeblich wollte er es in Sicherheit bringen. Ein vermeintlicher Polizist hatte ihr telefonisch eine entsprechende Anweisung gegeben. Als Grund hatte er korrupte Bankmitarbeiter und die Corona-Krise angegeben. „Die Betrüger passen den alten Enkeltrick immer wieder der aktuellen Situation an“, warnt Marko Kopitz, Sprecher im Polizeirevier Salzlandkreis in Bernburg. Und das sei zur Zeit der Coronavirus. „Das ärgert mich persönlich furchtbar, dass dabei immer wieder die Gutgläubigkeit der älteren Leute ausgenutzt wird“, sagt der Beamte.

Aus dem Salzlandkreis sei zwar bisher erst eine Betrügerei im Zusammenhang mit Corona zur Anzeige gebracht worden. Aber das werde sich wohl noch ändern. Zumal in anderen Bundesländern bereits mehrere Fälle bekannt geworden sind. „Manche Betrüger verteilen Schutzmasken an der Haustür, verlangen dafür dann aber plötzlich eine Spende. Oder sie kundschaften die Wohnung aus, um zu sehen, was es zu holen gibt“ sagt Kopitz.

Wohnung desinfizieren

In Frankfurt am Main haben sich etwa Betrüger an der Haustür als Mitarbeiter vom Gesundheitsamt ausgegeben, die Corona-Tests anbieten oder die Bestände an Infektionsmitteln überprüfen wollen. Und wenn die Kriminellen erst einmal im Haus sind, entwenden sie gleich unbemerkt die Handtasche. Dabei steht fest, dass die Gesundheitsämter nicht zu Tests oder Überprüfungen nach Hause kommen würden.

In einer anderen Variante geben sich Anrufer als angebliche Verwandte aus, die mit dem Corona-Virus infiziert wurden und nun dringend Geld bräuchten. Das Geld lassen sie dann von einem Bekannten abholen. Dabei werden die oftmals älteren Leute auch noch gebeten, das Geld vor die Tür zu legen, um eine mögliche Ansteckung zu vermeiden. Im rheinland-pfälzischen Bitburg haben falsche Ärzte einen angeblichen Corona-Test für 200 Euro an der Haustür angeboten. In Bayern wollten vermeintliche Mitarbeiter des Gesundheitsamtes in Schutzanzügen gleich die ganze Wohnung desinfizieren.

Polizeisprecher Marko Kopitz kann daher nur immer wieder den Rat geben: „Lassen Sie keine Unbekannten in ihre Wohnung! Die Polizei kommt nicht vorbei, um Geld oder Wertsachen abzuholen“, warnt der Beamte. Bei Zweifeln sollten die Bürger lieber selbst sofort die Polizei oder die Verbraucherzentrale anrufen.

Der Fokus der Polizeiarbeit fängt in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen auch langsam an, sich zu verändern. „Wir haben noch keine Zahlen, aber zumindest gefühlt geht die Kriminalität zurück“, so Polizeisprecher Kopitz. So werden offenbar weniger Einbrüche angezeigt, weil die Bürger öfters zu Hause sind, was die Arbeit der Langfinger erschwert. Ohne große Veranstaltungen und Nachtleben gibt es weniger Körperverletzungen. Dafür mehr Anzeigen wegen Ruhestörungen und häuslicher Gewalt. Verlässliche Zahlen gebe es dafür aber noch nicht. „Im Großen und Ganzen halten sich die Leute an die Ausgangsbeschränkungen. Nur einige Unbelehrbare müssen noch ermahnt werden“, so Kopitz.

Positiver Nebeneffekt: Die Zahl der Autounfälle im Salzlandkreis ist deutlich zurückgegangen. Werden sonst bis zu 20 Unfälle am Tag gemeldet, sind es zurzeit teilweise sogar unter fünf. „Wenn die Leute zu Hause bleiben müssen und weniger Auto fahren, passiert natürlich auch weniger“, sagt Kopitz. Verkehrskontrollen gibt es aber immer noch. „Niemand soll denken, dass er jetzt betrunken Auto fahren kann“, warnt Kopitz. Je weniger Autofahrer unterwegs sind, desto mehr falle das auf. „Wir hatten in den vergangenen Tagen einige Fahrten unter Einfluss von Alkohol und Drogen.“

Erhöht hat sich inzwischen auch die Zahl der Anzeigen, die über das Internet im so genannte eRevier getätigt werden. Das ist auf der Internet-Seite der Polizei Sachsen-Anhalt möglich. „In der derzeitigen Situation ist es natürlich auch nicht unbedingt sinnvoll, wenn die Bürger wegen einer Anzeige auf das Polizeirevier kommen, wenn es sich vermeiden lässt“, sagt der Polizeisprecher. Das sei aber nur bei Fällen möglich, die ein, zwei Tage warten können. „Bei einer akuten Gefahr sollen die Bürger natürlich immer noch die 110 wählen“, rät Marko Kopitz.

Ein besonders skurriler Einbruch hat sich zuletzt in Aschersleben ereignet, der sogar einen privaten Fernsehsender auf den Plan gerufen hat. Unbekannte waren in einen Keller eingedrungen und hatten Klopapier und Konserven gestohlen. Wertgegenstände wurden hingegen nicht vermisst.