Pretzien l Wenn Maren Ballerstedt beginnt, über ihr Buch zu berichten, weiß sie gar nicht, wo sie anfangen soll. Ihr 460 Seiten starkes Werk unter dem Titel „Pretzien. Ein Gang durch die Geschichte von den Ursprüngen bis zur Gegenwart“ behandelt die bewegte Geschichte des ostelbischen Dorfes. Das Buch, das im Dr. Ziethen-Verlag (Oschersleben) erscheint, beeindruckt selbst den erfahrenen Verleger.

Identität wächst

„Wer sich in Zukunft über Pretzien informieren will oder weiterforscht, kann ganz klar nachvollziehen, welche Quellen Maren Ballerstedt verwendet hat“, sagt Harry Ziethen. Der Verleger sieht in dem 460-Seiten-Werk Ballerstedts ein Musterbeispiel für Ortschroniken. Frithjof Meussling ist ebenfalls glücklich, dass es über „sein“ Pretzien endlich eine so ummfassende Chronik gibt. „Das kann dazu beitragen, dass ein großes Stück Identität im Dorf wächst“, freut sich der Ortsbürgermeister.

Und die Autorin? Die vertieft die bewegende Geschichte Pretziens immer tiefer, während sie in einem Pressegespräch den Inhalt ihres Buches vorstellt. „Dieses Buch habe ich geschrieben, weil Pretzien mein Heimatdorf ist. Hier lebten viele meiner väterlichen Vorfahren über Jahrhunderte“, so die Historikerin, die sich die Erforschung der Ortsgeschichte für ihren Ruhestand vorgenommen hatte. „Es war an der Zeit, dass eine quasi alle Lebensbereiche umfassende Ortsgeschichte gedruckt vorliegt – und zwar von den Anfängen bis zur Gegenwart.“

400 Fotos und Karten

Das Buch beginnt mit überlieferten gegenständlichen Spuren von Menschen, die schon vor tausenden Jahren in Pretzien lebten. Erstmals sind archäologische Funde aus der Zeit vor Christus farbig im Bild abgedruckt. Einige Fotografien und Erkenntnisse aus ihrer vierjährigen Recherarbeit wurden erstmals veröffentlicht. Insgesamt umfasst das Buch 400 Fotografien sowie Karten. Es vermittelt Einsichten in den Mikrokosmos Dorf über Jahrhunderte hinweg. Der Leser efährt vieles über die Entstehungsgeschichte Pretziens, wer einst Herrschaft über das Dorf ausübte, über Werte, Normen und Zusammenleben. Darüber, welche Ernährungsgrundlagen das Zuammenlebten prägte und davon, welche Auswirkungen Zauberei und Hexerei in Pretzien hatte.

Recherche in Archiven

Dabei fand Maren Ballerstedt Materialien, die noch niemals zuvor veröffentlich wurden. „Das aufwendige, stundenlange, manchmal ermündende Recherchieren in den Archiven wurde durch das Auffinden vieler bisher unbekannter und interessanter Fakten belohnt“, so die Autorin. „Solche Überraschungen sind dann echte Sternstunden.“ Als Beispiele nennt sie unter anderem ein Schreiben von drei Pretziener Haushalten nach dem 30-Jährigen Krieg, die die Obrigkeit baten, von hohen Abgaben abzusehen. Das belege die Umstände über den Neuaufbau der Häuser nach den geschichtsträchtigen Kämpfen. Dass 1715 erfolglos eine Schiffsmühle bei Pretzien gebaut werden sollte, ist ein ebenfalls bisher unbekannter Fakt. Die Liste über neue Fakten, sie ließe sich fast beliebtig fortsetzen.

Zeitzeugen helfen mit

Besondere Freude hatte die Autorin auch an vielen Begegnungen mit Pretziener Zeitzeugen. Diese berichteten ihr unter anderem über die Zeit nach dem Kriegsende. „Sie haben maßgeblich zum Gelingen beigetragen“, so Ballerstedt.

Die Autorin stellt ihr Buch persönlich vor. Am 22. November 2020 signiert sie zwischen 14 und 18 Uhr, entweder in den der Feuerwehr oder im Steinmetzbetrieb Meussling.