Pretzien/Plötzky l Nein, das wird kein einfaches Projekt werden. Aber Unternehmer Wolfgang Schulle ist fest entschlossen, den Steinhafen im Südosten des Dörfchens Pretzien aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. Die Fläche mit dem kleinen Campingplatz, der inzwischen trockenen Elbeumflut, dem Pretziener Wehr und dem Elbarm haben viel Potenzial. „Deswegen habe ich die Fläche auch gekauft. Wenn alles glatt läuft, kann es zu Saisonbeginn im Mai schon losgehen“, sagt er im Gespräch mit der Volksstimme.

Wer Wolfgang Schulle kennt, der weiß, dass er kein Mann der großen Worte ist, sondern viel mehr der Taten. Der Unternehmer agiert bereits seit 24 Jahren relativ erfolgreich im Ferienpark Plötzky. Im Jahr 1992 hatte er die Anlage übernommen, die damals vorrangig von Dauercampern in Beschlag genommen war. Heute, fast ein viertel Jahrhundert später, ist der Ferienpark eine Anlage für jedermann: Im vergangenen Jahr wurden dort 35.000 Übernachtungen gezählt.

Auch das Umfeld dort hat sich drastisch verändert. Aus einem waldigen Zeltplatz ist ein Areal für Camping und Caravans geworden, es gibt Ferienhäuser, eine Minigolfanlage, ein Restaurant, Spiel- und Sportplätze, Erkundungspfade, Bowlingbahnen, Fahrradverleih und vieles mehr. „Wir konkurrieren nicht mit Anbietern in der Region, sondern mit Ferienparks in anderen Bundesländern“, macht Schulle deutlich.

Nur eines fehlt dem Unternehmer noch im Portfolio – und damit ist dann auch die Motivation zu erklären: „Was gerade hier in Ostelbien noch nicht vorhanden ist, sind attraktive Wassersportangebote. Und mit dem Arm der Alten Elbe und der Elbe ist der Steinhafen eben ein ideales Startgebiet“, macht Wolfgang Schulle deutlich. Ob Kanus zum Ausleihen, Ausflugsboote und anderes mehr: Geht es nach dem umtriebigen Unternehmer, soll der Steinhafen in Zukunft seinen Namen auch zurecht tragen.

Gespräche seit 2014

Schon im Sommer des Jahre 2014 ist Schulle wegen der möglichen Übernahme des Geländes, wo sich jetzt ein kleiner Campingplatz befindet, mit dem Oberbürgermeister der Stadt Schönebeck ins Gespräch gekommen. Jetzt endlich wurden sich die Partner, darunter auch die Naherholung einig.

Wolfgang Schulle sieht in der Anfangsphase einen Investitionsbedarf am Steinhafen von mindestens 500 000 Euro, vielleicht in den nächsten Jahren auch von bis zu einer Million Euro. „Wichtig ist zunächst, dass wir dort eine Infrastruktur schaffen. Ich denke dabei an Strom, Wasser und Abwasser. Das ist das Mindeste“, zählt er auf. Mit den entsprechenden Dienstleistern ist er bereits in Kontakt.

Das Problem: Alles am Steinhafen muss irgendwie hochwassersicher gebaut werden. In diesem Fall bedeutet es: Es muss mobil sein. „Anders ist das in der Nähe des Pretziener Wehres nicht zu lösen. Wenn das geschlossen ist, staut sich alles auf. Dann ist Schluss mit lustig“, erklärt Schulle. Alle Verkaufsstände, so ist unter anderem eine Selbstbedienungsstrecke geplant, sind auf Wagen montiert, die von einem Trecker kurzerhand ins sichere Gebiet gezogen werden können. Das Gleiche betrifft die Kanus und die Boote – nichts wird fest installiert sein. Alles wird Räder haben, Achsen und fahrbereit sein.

Als Platz hat sich der Unternehmer die Ecke zischen Alter Elbe und Umflut ausgewählt. Das bedeutet, dass die dort ansässigen Camper östlich des Steinhafens umziehen müssen. „Und nein, sie werden dort nicht vertrieben, wie ich schon Gerüchte gehört habe. Und nein, das Steinhafenfest kann dort stattfinden. Warum denn auch nicht?“, fragt Wolfgang Schulle, der im Steinhafen das gleiche „offene Konzept“ umsetzen möchte wie im Ferienpark Plötzky.