Schönebeck/Hylte l Eine offizielle Mission ist das nicht. Zumindest nicht als Oberbürgermeister, wohl aber als Mitglied des Städtepartnerschaftsvereines Schönebeck (Elbe). Bert Knoblauch, der derzeit Urlaub in Südschweden macht, nutzt „die Gelegenheit und hat ein Motiv“, wie er telefonisch der Volksstimme berichtet: In Unnaryd (Gemeinde Hylte) trifft er mit der stellvertretenden Landrätin, Anna Roos, zusammen. Die dortige Lokalzeitung titelt einen Tag danach in großen Buchstaben: „Deutscher Bürgermeister kam für einen Flirt nach Hylte“.

Das Kennenlernen mit der zweiten Landrätin von Hylte ist kein Zufall. Seit gut einem Jahr schon strecken die Mitglieder des Schönebecker Städtepartnerschaftsvereines ihre Fühler in Richtung Schweden aus. Dass es in die Region Hylte einen Schönebecker Bezug gibt, dürfte sich inzwischen bis zum letzten Einwohner herumgesprochen haben. Fritz Allendorff, ein Nachfahre der bekannten elbischen Unternehmerfamilie Allendorff, ist Ortsbürgermeister des Ortes Unnaryd und hat noch immer sehr enge Beziehungen nach Schönebeck.

Ein bisschen Amtsperson bleibt immer

„Wir hoffen, dass unser Besuch hier zu persönlichen Kontakten und Freundschaften führt und dass wir eine neue Region kennenlernen dürfen. Alle Orte haben ihre Besonderheiten, und wir wollen gern herausfinden, was wir gegenseitig voneinander lernen können“, sagt Bert Knoblauch im Interview mit der schwedischen Zeitung „Hallandsposten“. Ein bisschen Amtsperson bleibt er als Privatmensch in Schweden doch noch.

Der Landkreis Hylte hat seit den 1990er Jahren zwei Partnerschaftsstädte: Lihula in Estland und Piecki in Polen. Wie der Volksstimme berichtet wurde, ist in beiden Fällen die Zusammenarbeit fast eingeschlafen. Aber trotzdem ist Hylte an neuen Partnerstädten interessiert. „Es ist bedeutsam, internationale Kontakte zu pflegen. Zudem ist es wichtig, einen etwas breiteres Blickfeld zu haben und nicht nur immer sich selbst zu sehen“, macht Anna Roos deutlich.

Während des Gespräches zwischen Knoblauch, Roos und Allendorff werden Möglichkeiten einer Freundschaft zwischen beiden Orten diskutiert – angefangen von einem Schüleraustausch bis hin dazu, dass sich Musik- und Sportvereine gegenseitig zu ihren Veranstaltungen einladen können.

Jugendaustausch geplant

In dieser Frage ist der Schönebecker Städtepartnerschaftsverein auf einem guten Weg. Im nächsten Jahr nämlich ist ein Jugendaustausch mit Gruppen aus der Türkei, Litauen und vorausschauend auch mit Schweden geplant. Bert Knoblauch betont, dass es sein Wunsch ist, dass Freund- und Partnerschaften aus dem Rathaus nach draußen zu den Vereinen, den Menschen getragen werden. Dem stimmt Anna Roos zu.

Sowohl sie als auch der Landrat von Hylte, Ronny Löfquist, stehen einer gegenseitigen Freundschaft aufgeschlossen gegenüber. Löfquist sagte dies bereits vor einem Jahr gegenüber der „Volksstimme“ bei einem Treffen. Doch weil die Hylter das Feuer mit Estland und Polen auf einem langen Zeitraum nicht dauerhaft am Brennen halten konnten, soll vorab alles abgewogen werden. „Bevor wir uns entscheiden, wollen wir gern auch die positiven Dinge für uns in Hylte in einer Partnerschaft suchen. Interessant für uns sind Themen wie Kompetenzen im ländlichen Raum, Gleichberechtigung und Integration“, steckt die stellvertretende Landrätin die Ziele ab.

Fest steht, dass die Europäische Union Partnerschaften zwischen europäischen Staaten finanziell unterstützt. Es gibt zahlreiche Programme, die genutzt werden können. Bert Knoblauch kann sich durchaus vorstellen, dass es – ähnlich wie mit Trakai in Litauen – ein „Letter of Intent“ (Absichtserklärung) mit Hylte gibt. Erst eine Freundschaft, die vielleicht später in eine ordentliche Partnerschaft übergeht.

Verein ist starke "Fraktion"

Das Bedarf jedoch einer Zustimmung aus Schweden und eines Beschlusses im Schönebecker Stadtrat. „Der Städtepartnerschaftsverein müsste sein Anliegen über eine Fraktion in den Stadtrat tragen“, erklärt Bert Knoblauch das weitere Vorgehen. Die Chancen für ein positives Votum stehen nicht unbedingt schlecht. Der Grund: Die stärkste Fraktion im Stadtrat ist keine politische. Es ist der Städtepartnerschaftsverein, der in vier Fraktionen mit elf Stadtratsmitgliedern vertreten ist.