Eggersdorf/Großmühlingen l Der Wind weht durch die Blätter der Bäume. Ab und an raschelt etwas im Unterholz. Plötzlich bricht der Damm und Wasser rauscht den Mortzgraben hinab. Das ablaufende Gewässer stinkt gewaltig. Günter Dübecke und Denis Duderstadt rümpfen die Nase. „Abgestanden“, kommentieren sie.

„Wir könnten hier jeden Tag hinkommen. Es gäbe immer was zu tun. Wäre jeder nur so fleißig wie der Biber“, grinst Dübecke. Das Tier hat er schon gesehen. „Einmal. Von Angesicht zu Angesicht sind zwei Biber knapp zwei Meter von mir entfernt gewesen“, ergänzt er. Währenddessen wuchten sie weiter die schweren Schlammmassen aus dem Mortzraben nahe der „Weißen Brücke“ zwischen Eggersdorf und Großmühlingen. 40 Zentimeter vom Biberstaudamm dürfen entfernt werden. „Mehr ist gesetzlich nicht erlaubt“, erläutert Duderstadt. Circa alle 20 Meter kommt ein Neuer. Ein Damm massiver als der Andere. Immer näher kommt der Biber der „Weißen Brücke“.

Kein neues Problem

Das Problem ist kein Neues. Marko Jeschor, Pressesprecher des Salzlandkreises, der gleichzeitig die untere Naturschutzbehörde darstellt, kommentiert: „Erstmals ist der ehemalige Landkreis Schönebeck über den Mortzgraben als Lebensraum des Bibers bereits 2006 informiert worde.“ Weiter ergänzt er: „Nach regelmäßigen Gewässerschauen wurden verschiedene Einzelmaßnahmen durchgeführt.“

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Im Jahr 2012 wurden Rohre in die Bieberdämme verlegt, um den Wasserfluss zugewährleisten. Auch eine Reduzierung von Biberdämmen, welche für die Biberburg nicht erforderlich sind, wurde durchgeführt. An der „Weißen Brücke“ wurde ein Gitter am Durchlass installiert. Dieses musste aber aufgrund der verstärkten Tätigkeit des Bibers wieder entfernt werden. „Um den Biber vom Brückenbauwerk fern zu halten, hat die untere Naturschutzbehörde einen Elektrozaun eingebaut“, ergänzt Jeschor.

Der Zustand der Brücke, welche mittlerweile über 80 Jahre alt ist, ist von außen betrachtet bedenklich. Auch Günter Dübecke und Denis Duderstadt machen sich Sorgen. „Durch den massiven Damm am Anfang der Brücke wird das Wasser fast komplett gestaut. Dadurch wird das umliegende Grün überflutet und das Mauerwerk könnte unterspült werden“, erklären beide. Die Untere Naturschutzbehörde sieht dies anders. „Aufgrund der Mängel wurde 2016 geprüft, ob durch das Wirken des Bibers eine Gefahr für das Brückenbauwerk besteht. Der Gutachter sah darin keine Gefahr.“

Idee der Umsiedlung

Die beiden Gemeindemitarbeiter können dies nicht verstehen. „Vielleicht wäre eine Umsiedlung eine Idee“, fragen sich beide.

Die Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe argumentiert: „Der Biber ist besonders streng geschützt. Durch Entnahme freigewordene Reviere werden innerhalb kürzester Zeit wieder neu besetzt, zeigt die Vergangenheit.“

Dennoch hat das Tier sicherlich auch seine guten Seiten. „Für uns Mitarbeiter der Gemeinde ist der Biber eine Arbeits-Lebensvericherung“, scherzt Dübecke. Und irgendwo in der Ferne hört man den Biber leise kichern.