Schönebeck l Die Stimme war sanft, die Bilder schnell geschnitten. Auf dem Werbevideo, das zur Eröffnung der neue Produktionshalle am Mittwochnachmittag dem geladenen Publikum gezeigt wurde, fragte eine Frauenstimme säuselnd: „Wie wird sie aussehen, die Welt von morgen?“ Es war sicherlich nur eine rhetorische Frage. Denn was ThyssenKrupp am Standort in Schönebeck bereits macht, ist der Schritt in die Welt von morgen.

Wenn der Geschäftsführer von ThyssenKrupp Presta Schönebeck, Sascha Singer, sagt, dass er und seine Mitarbeiter „an der Oberfläche einer neuen Technologie kratzen“, ist das sicherlich noch bescheiden zurückhaltend formuliert. Der gesamte Konzern forscht an Technologien weltweit, die wohl in den nächsten Jahren Einzug in die Autos nehmen werden, an Lenkungssystemen für autonomes Fahren, an Steer-by-wire – also an elektronischen Lenkbefehlen, die von einem Sensor über ein Steuergerät zu einem elektromechanischen Gerät geleitet werden, das den Lenkbefehl ausführt. Was im Flugzeug funktioniert, kann auch im Auto laufen.

Industrieproduktion 4.0

Bis dahin ist noch ein gewisser Weg zu beschreiten. Anzunehmen ist aber, dass Schönebeck mit seinem Werk in der ersten Liga dieses Komponentenbaus mitspielen wird. Am Mittwoch wurde eine Hallenerweiterung gefeiert, die dafür ausgerichtet ist. Über Industrieproduktion 4.0 wird bei ThyssenKrupp in Schönebeck nicht nur gesprochen, dort wird danach gearbeitet. Die Maschinen sind vernetzt, viele Produktionsteile mit einer eigenen Signatur versehen. „Vom ersten Prozess in der Produktion bis zur Auslieferung an den Kunden können wir alles nachvollziehen“, so Sascha Singer. Alle Daten werden zusammengetragen und analysiert.

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Zudem werden die Lenkungskomponenten in einem Maßstab produziert, der die Machbarkeit der heutigen Technik voll ausreizt. Wenn die Arbeiter von ThyssenKrupp von Haaresbreite sprechen, ist das noch fünfmal so groß. Im Mü-Bereich (µ) wird produziert, millionenfach, teilweise in staubfreien Hallen.

Vor diesem Hintergrund mussten die Verantwortlichen von ThyssenKrupp nicht betonen, welchen Anspruch sie an die neue 3000 Quadratmeter große Halle haben, die von einer regionalen Industriebaufirma aus Wernigerode gebaut wurde. Das Modernste an Maschinen wird in den nächsten Wochen dort aufgestellt. „Wir wollen auch in Zukunft unseren Mitbewerbern eine Nasenlänge voraus sein“, so Sascha Singer.

Einst verseuchter Boden

Dass zur Eröffnung auch Umweltstaatssekretär Klaus Rehda nach Schönebeck kam, ist ungewöhnlich, aber nachvollziehbar. Denn der Boden, auf der die neue Produktionshalle entstand, war stark kontaminiert. Dort stand früher die alte Lackfabrik. Als während des Bodenaushubs – im Übrigen bis zu fünf Meter Tiefe – das alte Erdreich nach langer Zeit wieder ans Tageslicht kam, setzten sich belastende Stoffe in die Umwelt ab. Anwohner klagten oftmals von üblen Gerüchen. „Rund 1,7 Millionen Euro hat die Beseitigung dieser Altlasten gekostet“, verkündete Klaus Rehda.

Sein Kollege Thomas Wünsch, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, freute sich ebenfalls: „Mit millionenschweren Investitionen lenkt ThyssenKrupp das Werk in Schönebeck in eine gute wirtschaftliche Zukunft. Der Hallenneubau und die noch geplanten Erweiterungen sind ein klares Bekenntnis zum Standort und zum Land Sachsen-Anhalt. Unsere Fördermittel sind gut angelegt – für die Region, für die Beschäftigten und für neue Arbeitsplätze.“ Insgesamt entstehen 65 neue Dauerarbeitsplätze vorrangig im Metallbereich.

Wie soll sie nun aussehen, die Welt von morgen? ThyssenKrupp wird es demnächst zeigen. Mit Produkten „Made in Schoenebeck“.