Schönebeck l „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ So rufen es am Mittwochnachmittag die rund 150 Schüler bei ihrer Demonstration für den Erhalt ihrer Jugendclubs in Schönebeck. Sie trillern, singen und tanzen auf der Wilhelm-Hellge-Straße, denn wegen der unklaren Finanzierung und ausbleibenden Fördergeldern droht nun die Arbeiterwohlfahrt mit der Schließung eines ihrer Jugendclubs in Schönebeck oder Calbe. Selbst im besten Fall müssten immer noch die Öffnungszeiten halbiert werden.

„Wir demonstrieren, weil es um unsere Zukunft geht“, sagt der 16-jährige Pascal Bör, der fast täglich den Awo-Jugendclub Rainbow in der Otto-Kohl-Straße besucht. „Ich bin in dem Club groß geworden, das ist mein zweites Zuhause“, sagt der Schönebecker, der die Maxim-Gorki-Schule besucht.

Freiwillige Aufgabe

Die Awo-Jugendclubs bekommen bei der Demo Verstärkung von anderen Jugendeinrichtungen wie dem Verein Rückenwind, der Volkssolidarität und dem CVJM. „So lange die Jugendarbeit eine freiwillige Aufgabe bleibt, wird sich nichts ändern“, befürchtet die Geschäftsführerin der Awo Salzlandkreis, Ines Grimm-Hübner. Wobei die aktuelle Misere daher rührt, dass ein neues Förderprogramm der EU noch nicht freigegeben wurde. Damit fehlt einigen Vereinen für das laufende Jahr noch das Geld für die Hälfte ihrer Personalkosten.

Eine Podiumsdiskussion im Anschluss an die Demonstration im Soziokulturellen Zentrum Treff mit Teilnehmern aus Jugendarbeit, Politik und Wissenschaft findet erwartungsgemäß auch keine Lösung. Es gibt zwar viel Lob für die jungen Demonstranten von den Stadträten bis hin zur Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD), die am Dienstag zu Besuch in Schönebeck war. Konzepte oder gar ausreichend Geld gibt es jedoch nicht.

Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) macht sich immerhin ehrlich. „Die Finanzierungs- und Personalprobleme waren alle absehbar. Und die Stadt gibt für unseren Bereich mehr Geld für die Jugendarbeit aus als der Salzlandkreis.“ Das sind mehr als 200.000 Euro. Trotzdem reiche es für die Jugendclubs weder zum Leben noch zum Sterben. Tatsächlich werde man sich immer wieder die Frage stellen, ob das wenige Geld nicht doch auf weniger Jugendclubs konzentriert werden sollte, so Knoblauch, der auch Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses des Salzlandkreises ist.

Schlechte Bezahlung

Dozent Peter-Ulrich Wendt von der Hochschule Magdeburg-Stendal kritisiert, dass der Jugendarbeit keine Bedeutung mehr zugemessen wird. „Es findet eine Verwahrlosung der Jugendarbeit statt“, so der Professor für Soziale Arbeit. Wobei er nicht die Sozialarbeiter meint, sondern der gesellschaftliche Umgang mit dem Thema. „Von meinen Studenten will kaum noch jemand Jugendarbeit machen. Dafür muss man schon verrückt sein“, sagt er. Zu unsicher seien die immer nur auf ein Jahr angelegten Arbeitsverträge, zu schlecht die Bezahlung. Jugendarbeit werde häufig nur als Bespaßung von Jugendlichen verstanden. Völlig verkannt werde, dass dabei auch viel notwendige Präventionsarbeit gegen zahlreiche gesellschaftliche Probleme geleistet werde. Notwendig sei daher auch die moralische und finanzielle Unterstützung von der regionalen Wirtschaft. „Die Unternehmen sollten ihren Einfluss geltend machen, um ihre zukünftigen Auszubildenden zu unterstützen“, empfiehlt Wendt.

Von den Politikern bekommen die Jugendlichen dann noch vage zu hören, dass sie das Problem noch einmal mitnehmen wollen, um verschiedene Möglichkeiten zu prüfen. Wobei die jungen Leute dringenden Handlungsbedarf sehen. Für den Fall der Schließung des Jugendclub Rainbow befürchtet etwa die 15-jährige Leyla Wetteborn aus Schönebeck: „Dann wundern sich wieder alle, dass die Jugendlichen im Block rumhängen und laute Musik hören.“