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Rallye: Verchromte Autos und schicke Oldtimer auf Tour durch Schönebeck, Bernburg und Loburg

Seit Jahren bringt Helmut Marx aus Barby alte Autos in Schwung. Am Sonnabend hatte er zusammen mit Helfern und Sponsoren die diesjährige Stadtwerke-Rallye auf die Beine gestellt.

Von Thomas Linßner 11.07.2021, 14:00 • Aktualisiert: 12.07.2021, 17:39
Torsten Parschat (rechts) und Beifahrer Jörg Siegmund am blitzsauber rekonstruierten Cadillac deVille bei der Rast auf dem malerischen Loburger Marktplatz.
Torsten Parschat (rechts) und Beifahrer Jörg Siegmund am blitzsauber rekonstruierten Cadillac deVille bei der Rast auf dem malerischen Loburger Marktplatz. Foto: Thomas Linßner

Schönebeck/Bernburg/Loburg - „Warum hat der denn so einen riesigen Motorraum?“, will ein Zuschauer, der nicht allzu viel Ahnung von amerikanischen Oldtimer-Geschossen hat, von Jörg Lustinetz wissen. Objekt seiner Neugier ist ein schneeweißer Lincoln Continental. „Weißt’e nicht?“, verzieht der Schönebecker Rallyefahrer keine Miene, „das ist ein Elektroauto. Für die riesige Batterie braucht man schließlich ’ne Menge Platz.“ Es folgt der schelmische Zusatz, dass das Auto während der Ölpreiskrise Anfang der 70er Jahre „gute Dienste“ leistete. Herr Lustinetz von Münchhausen hat sich natürlich einen Rallye-Spaß gemacht, denn sein „Ami“ hat einen 7,6-Liter-Motor, der ordentlich Benzin weg säuft.

Apropos, Münchhausen: Nach Schönebeck und Gommern liegt das Schloss Leitzkau auf dem Rallye-Tourenplan, auf dem die Vorfahren des Lügenbarons Hieronymus von M. residierten.

Goldener Cadillac

Darüber weiß Torsten Parschat (53) Bescheid, dessen goldener Cadillac deVille auch eine „Batterie“ unter der Haube vermuten lässt. Hierbei handelt es sich aber um genauso einen röhrenden Spritschlucker, wie es der Lincoln ist.

„Ich hatte jahrelang ein 68er Auto gesucht“, erzählt der Magdeburger, der mal Bäcker, Profi-Taucher, VW-Mitarbeiter und Mechatroniker war und heute in Barleben als Haustechniker eines großen Zeitungsverlages seine Brötchen verdient.

Warum ausgerechnet 1968? „Das ist auch mein Baujahr“, grinst der Oldiefan aus „Magdeburg-Texas“.

Auto mit Geschichte

Wie so oft bei Oldtimern hat auch Torsten Parschats Auto seine Geschichte. Über ein Anzeigenportal fand er den Straßenkreuzer 2002 in Berlin. Der Besitzer war im „Milieu“ unterwegs. (Wer so eine Karre fährt, ist selten Tischler oder Klempner.)

Zusammen mit seinem Kumpel Axel Lingner holte er den heruntergekommenen Ami über die A2 nach Magdeburg, nahm ihn auseinander und baute ihn über Jahre wieder auf. Sogar die Karosse wurde sandgestrahlt.

Die Ersatzteile orderte Parschat durchweg in den USA. Was sich nicht direkt im Internet finden ließ, wurde über einen speziellen US-Suchdienst besorgt. Darauf haben sich Firmen spezialisiert, die landesweit Ersatzteile auftreiben und sich diesen Dienst anteilmäßig bezahlen lassen.

„Auf meine Chromleiste habe ich sieben Jahre gewartet“, erzählt Torsten Parschat. Das Stück habe umgerechnet 250 Euro gekostet.

Eine Chromleiste ...

Wobei die Versandkosten auch nicht von Pappe sind. Ein Beispiel: Für eine Lenkstange musste der 53-Jährige 158 Euro berappen, für die Versandkosten inklusive Zollgebühr 106 Euro. „Ich war pappesatt. Und ich verstehe nicht, wieso man auch für Versandkosten Zoll bezahlen muss“, grollt der Oldiefan.

Aber sein Auto ist ein Traum. „Der hat Kurvenlicht, automatische Abblendung und eine Servolenkung, die man mit einem Finger bedienen kann“, sagt Torsten Parschat stolz. Man hat den Eindruck, dass er sich auf der Rallye absichtlich ein bisschen zurückfallen lässt, um dann mit röhrendem Motor aufzuholen, dass es einen in die Sitze presst.

Die Tour führte über Loburg, Aken, Bernburg zurück nach Schönebeck. Abends wurde dann noch zur Party im Barbyer Bootshaus eingeladen.