Schönebeck/Calbe l Es war ein beeindruckendes Bild, als Dutzende von maskierten Polizeibeamten am Mittwochnachmittag zwei Shisha-Bars in der Salzer Straße in Schönebeck stürmten. Viele Anwohner und Händler beobachteten ungläubig des Sondereinsatzkommandos, das gleichzeitig 20 Bars und Wohnungen in Schönebeck, Calbe, Aschersleben und Magdeburg durchsuchte. Bei der Razzia gegen einen mutmaßlichen Drogenring haben die Beamten insgesamt 1,8 Kilogramm an Betäubungsmitteln sichergestellt, darunter Amphetamine, Cannabis und Kokain. Die Salzer Straße war während des Einsatzes stundenland für den Straßenverkehr gesperrt.

Auch noch am nächsten Tag reden die Anwohner in der Salzer Straße über den Großeinsatz der Polizei, sei es beim Händler nebenan, beim Bäcker oder auf der Straße. In einem Bekleidungsgeschäft berichtet eine Nachbarin über die Razzia, die sie von ihrer Wohnung aus beobachtet hat, die direkt gegenüber der Shisha-Bar liegt. „Es hat laut geknallt und dann sind die Polizisten alle Mann hinten rein in das Haus“, erzählt die Frau, die wie alle anderen Zeugen in der Salzer Straße ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Und hinten im Hof lebt ja auch noch eine Familie mit Kindern.“

Spielautomaten in Schönebeck sichergestellt

Die Polizei sei mehrere Stunden vor Ort gewesen und habe die Bar „auseinander genommen“. Und: „Sogar die Spielautomaten haben die Polizisten mitgenommen.“ Verwundert ist die Frau nicht über die Razzia: „Es wird ja immer gesagt, dass dort mit Drogen gehandelt wird. Und es war auch nicht die erste Razzia.“

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Die Frau traut sich mittlerweile in Schönebeck in der Nacht auch nicht mehr auf die Straße. „Ich gehe nach Sonnenuntergang nicht mehr vor die Tür. Da fühlt man sich schon bedroht, wenn hier so etwas passiert“, sagte sie.

Großrazzia in Magdeburg und Schönebeck

Magdeburg/Schönebeck (tn) l Im Großraum Magdeburg haben Polizei und SEK 20 Wohn- und Geschäftsräume gestürmt. Ein harter Schlag gegen das organisierte Verbrechen.

  • Spezialkräfte beraten sich vor einer Shisha-Bar in Schönebeck. Foto: Tom Wunderlich

    Spezialkräfte beraten sich vor einer Shisha-Bar in Schönebeck. Foto: Tom Wunderlich

  • Insgesamt 20 Wohn- und Geschäftsobjekte wurden durchsucht. Foto: Tom Wunderlich

    Insgesamt 20 Wohn- und Geschäftsobjekte wurden durchsucht. Foto: Tom Wunderlich

  • Mehrere Hundert Polizisten sind im Salzlandkreis und Magdeburg im Einsatz. Foto: Tom Wunderlich

    Mehrere Hundert Polizisten sind im Salzlandkreis und Magdeburg im Einsatz. Foto: Tom Wunderlich

  • Großrazzia in Schönebeck und Magdeburg. Foto: Tom Wunderlich

    Großrazzia in Schönebeck und Magdeburg. Foto: Tom Wunderlich

  • Großrazzia in Schönebeck und Magdeburg. Foto: Tom Wunderlich

    Großrazzia in Schönebeck und Magdeburg. Foto: Tom Wunderlich

Viele Händler in der Salzer Straße möchten sich nicht offen zu dem Polizeieinsatz äußern. Eine Händlerin sagt: „Ich hatte Angst und habe überlegt, ob ich den Laden abschließen oder gleich nach Hause gehen soll.“ Viele Kunden seien sowieso nicht mehr gekommen. Sie wollte sich aber nicht vertreiben lassen. „Ich habe gesehen, dass einige Passanten in die Geschäfte geflohen sind, als die Polizei gekommen ist“, erzählt sie. Und dann hätten alle in den Schaufenstern gestanden und der Polizei zugeschaut.

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Schönebecker Shisha-Bar geschlossen

Am Tag nach dem Polizeieinsatz bleiben die beiden Shisha-Bars in der Salzer Straße vorerst geschlossen. Das Tor zum Hinterhof steht allerdings sperrangelweit offen. Im Eingang liegt rund ein halbes Dutzend an alten Spielautomaten. Ob sie auch bei der Razzia ausgeräumt wurden oder schon vorher dort lagen, ist unklar.

Die Behörden halten sich mit Informationen zurück. Die Polizei teilt mit, dass in Schönebeck eine 40-jährige Frau und ein 39 Jahre alter Mann festgenommen wurden. „Außerdem beschlagnahmten die Beamten mehrere tausend Euro Bargeld, Handys, Speichermedien und verschiedene Waffen wie eine Schreckschusspistole, eine Machete und mehrere Messer“, so ein Sprecher der Polizeiinspektion Magdeburg. Bei dem Knall in der Salzer Straße soll es demnach um den Einsatz von Blendgranaten handeln, mit denen die Zielpersonen handlungsunfähig gemacht wurden. Zudem bestätigte die Polizei, dass der Schwerpunkt der Razzia mit 18 von 20 Bars und Wohnungen im Salzlandkreis lag. In Magdeburg wurden zwei Objekte durchsucht. Die Beamten hätten drei Spielautomaten in einer Bar in der Salzer Straße sichergestellt. Dabei soll es sich um mutmaßlich nicht angemeldete Geräte handeln, die ein Fall für das Gewerbeamt der Stadt wären. Seitens der Stadt heißt es zu der Razzia allerdings nur: „Dabei handelt es sich um einen rein polizeilichen Einsatz.“ Bereits im August 2018 hatte es eine Razzia in der Shisha-Bar in der Salzer Straße gegeben.

Eine Bar in der Garbsener Straße war Donnerstag wieder geöffnet. Wie ein Mitarbeiter sagte, hätte die Polizei eine Drogenkontrolle gemacht, aber nichts gefunden.

Auch Calbe wurden im Rahmen der Razzia ein Shisha-Bar in der Schlossstraße sowie die Wohnung durchsucht. Wie Bürgermeister Sven Hause (parteilos) mitteilte, wurde die Stadt vorab über die Polizeieinsatz informiert, aber nicht über Details. Mitarbeiter der Stadt seien jedoch als Zeugen dabei gewesen.