Schönebeck/Staßfurt l Auf die Polizei im Salzlandkreis und im Rest Sachsen-Anhalts kommen Veränderungen zu. Bereits Anfang des nächsten Jahres werden nämlich erste Umgestaltungen, die mit der Polizeistrukturreform des Landes einhergehen, umgesetzt. „Ab Januar 2019 wird das Polizeirevier Salzlandkreis der Polizeiinspektion Magdeburg angegliedert, die in der in der neuen Struktur an die Stelle der dann nicht mehr existenten Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord tritt“, teilt Nancy Eggeling, stellvertretende Pressesprecherin des Innenministeriums Sachsen-Anhalt, mit.

Darüber hinaus sollen in Sachsen-Anhalt, und somit auch im Salzlandkreis, die Reviere mit Personal aufgestockt werden. Momentan verfügt das Polizeirevier Salzlandkreis über 243 Polizeibeamte. Bis Anfang 2021 sollen es 254 Polizisten werden. „Die Personalzuführungen werden sowohl durch die Versetzung von Absolventen der Fachhochschule der Polizei als auch durch bedarfsbezogenen Umsetzungen beziehungsweise Versetzungen innerhalb der Landespolizei realisiert“, sagt Nancy Eggeling.

Personalaufstockung sei realitätsfremd

Dass der Salzlandkreis elf neue Beamte bekommen soll, bezeichnet Maik Schikora, Kreisvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft im Salzlandkreis, als realitätsfremd. „Das bedeutet, jede Dienststelle im Salzlandkreis bekommt zwischen zwei bis drei neue Kollegen – Augenwischerei. Und die Umsetzung erfolgt in zwei Jahren. Bis dahin haben wir einen Personalabgang, der die Anzahl von elf Beamten bei weitem übersteigt“, so Schikora. Laut Innenministerium wird es hinsichtlich der Regionalbereichsbeamten im Kreis keine Änderungen geben. Somit wird es weiterhin je zwei Beamte in den insgesamt 13 Einheits- und Verbandsgemeinden geben. Auch die Standorte der Regional- bereichsbeamten und der Revierkommissariate in Schönebeck, Staßfurt und Aschersleben bleiben unverändert.

Generell zielen die Veränderungen insbesondere auf die innere Struktur der Revierkriminaldienste ab und sollen bis zum Jahr 2020 umgesetzt werden. Laut Eggeling soll beispielsweise auch ein Sachgebiet für täterorientierte Ermittlungen geschaffen werden.

Jugendliche im Fokus des Sachgebietes

Innerhalb dieses Sachgebietes sollen vor allem Fälle bearbeitet werden, an denen Minderjährige, Jugendliche oder Heranwachsende beteiligt sind. „Dem Sachgebiet wird auch die Koordination der Zusammenarbeit mit der Jugendberatung bei der Polizei (JUBP) obliegen. Ferner werden in dem Sachgebiet künftig deliktsübergreifende, altersunabhängige und täterorientierte Ermittlungen zu Mehrfach- und Intensivtätern geführt“, teilt Stefan Brodtrück, stellvertretender Pressesprecher des Innenministeriums, mit.

Außerdem sind bei der Bearbeitung von Verkehrsunfällen mit schwersten Folgen, also Tote oder Schwerverletzte, Änderungen vorgesehen. „Perspektivisch ist geplant, dass diese Unfälle grundsätzlich nicht mehr von den Polizeirevieren, sondern von den in der neuen Struktur neu zu schaffenden Zentralen Verkehrs- und Autobahndiensten der Polizeiinspektionen aufgenommen und bearbeitet werden“, erklärt die Ministeriumssprecherin.

Potenzial wurde vernachlässigt

Doch auch in diesem Punkt sieht Schikora ein Problem: „Woher sollen die Kollegen kommen? Die Verkehrs- und Autobahndienste bestanden bereits in den neunziger Jahren bis etwa 2010, welche mit diensterfahrenen und qualifizierten Beamten besetzt waren. Dieses Potenzial wurde jedoch vernachlässigt“, so der Kreisvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Sachsen-Anhalt. Generell ist Schikora der Meinung, dass bei der Strukturreform Punkte vergessen wurden. Als Beispiel nennt Schikora anfallende Überstunden und die Vielzahl der Sondereinsätze.

Inwieweit sich die Polizeistrukturreform letztlich umsetzen lässt und welche Herausforderungen dabei auf die Beamten zukommen, wird sich im nächsten Jahr zeigen.