Schönebeck/Pömmelte l Für den Salzlandkreis, genauer genommen für die Orte Pömmelte und Schönebeck, ist 2016 ein geschichtsträchtiges Jahr. Denn nach acht Jahren intensiver Arbeit an dem deutschen „Stonehenge“, nämlich dem Ringheiligtum bei Pömmelte, findet dieses Großprojekt nahezu seinen Abschluss. Im Juni wurde die Kreisgrabenanlage eröffnet, jetzt am Sonnabend folgte die ergänzende Dauerausstellung im Salzlandmuseum in Schönebeck.

Kostentechnisch hat die neue Ausstellung (rund 40.000 Euro) ein geringes Gewicht im Gegensatz zu den 2,2 Millionen Euro, die in die Rekonstruktion der Kreisgrabenanlage investiert wurden. Trotzdem steht die Exposition dem Nachbau bei Pömmelte in nichts nach. Vielmehr ist sie selbsterklärend und vor allem für Jung und Alt geeignet. Höhepunkt ist hierbei der virtuelle Steinzeitmensch, mit dem sich der Besucher per Knopfdruck unterhalten kann. Damit wird das historische und für den Laien eher trockene Thema aufgelockert und mit Humor dargestellt.

Zum Ringheiligtum: Die Kreisgrabenanlage diente kalendarischen Zwecken. Anhand der Zeitpunkte, an denen die Sonne durch die vier Tore trat, wussten die Altvorderen, wann es Zeit war für Aussaat oder Ernte – deshalb wird das Ringheiligtum auch als das deutsche „Stonehenge“ gehandelt. Die rekonstruierte Anlage steht am Originalplatz wie vor rund 4200 Jahren. Sie hat einen Durchmesser von 115 Metern und ist von einem Palisadenzaun aus 1800 Robinienstämmen umgeben. Finanziert wurde die Rekonstruktion durch Fördermittel der EU und des Landes sowie Eigenmittel des Salzlandkreises.

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Freundeskreis "Himmelwege"

„Wir haben den Raum so konstruiert, dass wir die Funde von Pömmelte zeigen und eine kleine Einführung in die damalige Zeit geben“, sagt Frank Löbig, Museumsmitarbeiter und Projektleiter, bei der Eröffnung am Sonnabend. So wurde der 44 Quadratmeter große Raum in ein warmes Rot getaucht – „so wollten wir die Stimmung eines Sonnenunterganges an der Kreisgrabenanlage einfangen“. Die für das Ringheiligtum typischen Holzpfähle wurden ebenso aufgegriffen. In den Vitrinen sind Scherben, Töpfe – eben klassische Ausgrabungsfunde – und ein Skelett zu sehen. Mit Grafiken an den Wänden und kurzen, leicht verständlichen Texten wird ein Rundumschlag zu diesem Thema geboten.

Darauf sind Landrat Markus Bauer (SPD) und Kultusstaatssekretär Gunnar Schellenberger (CDU) gleichermaßen stolz. „Das Projekt hat viele Jahre gedauert“, sagt der Landrat. Die Ausstellungseröffnung ist für ihn ein Meilenstein in der Entwicklung dieses Projektes, das neben der Arche Nebra zu der archäologischen Tourismusroute „Himmelswege“ gehört.

Und Gunnar Schellenberger, der sich seit der Entdeckung (damals noch als Landtagsabgeordneter) für die Kreisgrabenanlage eingesetzt hat, hebt den hohen Stellenwert für Pömmelte, Schönebeck, den Salzlandkreis, die Region hervor. „Hiermit sind wir in der Lage, im Rahmen der Kultur positive Schlagzeilen für das Land Sachsen-Anhalt zu machen“, sagt er. So wurde die Kreisgrabenanlage schon mit zwei Konzerten bespielt, Gästeführungen finden regelmäßig und auf Nachfrage statt. Demnächst soll ein Freundeskreis „Himmelswege EU“ gegründet, ein Dokumentarfilm, Kurzclips für das Internet gedreht sowie eine zweite Kreisgrabenanlage bei Schönebeck rekonstruiert werden. „Wir werden die Erfolgsgeschichte weiterschreiben“, kündigt Gunnar Schellenberger mit einem zufriedenen Lächeln an.