Trabitz l In ihrem ursprünglichen Bett fließt die Saale hinter Calbe in Richtung Elbe. Dass der ruhige Fluss mitunter gefährlich werden kann, wissen die Trabitzer aus eigener Erfahrung. Sie wohnen direkt an der Saale. Mit großer Aufmerksamkeit verfolgen sie die Arbeiten an den Deichen im Rahmen der Sanierung. Nach dem verheerenden Hochwasser 2013 hat der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) der Deichertüchtigung an der Saale eine besondere Priorität gegeben.

Im Bürgerhaus des Ortes, vor der Ortschaftsratssitzung kommt gut ein Dutzend Bürger zusammen, um sich über die Arbeiten zu informieren. Mit Ronald Günther ist der zuständige Fachmann in dem kleinen Ort gekommen. Zahlreiche Karten und Querschnitte über den Deichaufbau hat er mitgebracht.

30 Zentimeter reichen aus

Vor gut 170 Jahren haben die Menschen an der Saale die ersten Deiche errichtet, um sich gegen die unregelmäßig kommenden Hochwasser zu schützen. Mit Deichen, die dem aktuellen Stand der Technik entsprechen, soll dies noch besser gelingen. Allerdings fiel den Trabitzern auf, dass die Deichhöhe verringert wurde. Ronald Günther bestätigt dies am Donnerstagabend in einer emotionalen Veranstaltung. Im Schnitt würde der Deich gut 30 Zentimeter tiefer liegen als der bisherige Deich, sagt er. Das reiche vollkommen aus, weil der Schutz berechnet sei. Das höchste Hochwasser der vergangenen hundert Jahre plus einem Meter Sicherheit, schildert er die Herangehensweise seiner Behörde. Die heutigen Deiche werden breiter aufgestellt, um dem Wasserdruck standzuhalten. Die Trabitzer glauben nicht, dass der abgetragene Deich für die nächsten Hochwasser ausreichen wird. 2013 habe das Wasser bereits dicht unter der Deichkrone gestanden, schildert ein Einwohner. Eine Bestätigung gibt es dafür von Ronald Günther nicht. Das Wasser sei rund eineinhalb Meter von der Deichkrone entfernt gewesen, erinnert er sich. Alle möglichen Einflüsse und auch einen Wellenschlag bei ungünstigen Windverhältnissen hätten die Fachleute einberechnet, erzählt er.

Aus logischer Sicht mache es außerdem überhaupt keinen Sinn, bei Trabitz den Deich höher zu bauen als an den angrenzenden Deichabschnitten, sagt er. Dann laufe das Wasser über die angrenzenden Abschnitte über den Deich nach Trabitz und der Ort wäre auch bedroht.

Der neue Deich habe eine völlig neue Qualität. Der Deich habe eine Straße auf der Deichkrone. Sollte das Wasser doch einmal drohen über den Deich zu laufen, könnten dort Sandsäcke aufgebaut werden. Außerdem ist der Deich nun befahrbar. Ausgelegt sei die Straße bis zu einer Last von 60 Tonnen. Aus fachlicher Sicht müssten die Bürger nichts befürchten, bestätigt er immer wieder. Natürlich könne er nicht in die Glaskugel schauen und sicher vorhersagen, wie hoch die kommenden Hochwasser seien. Die Bemessung der Deichhöhe sei aber ausreichend. Nach den Vorschriften hätte das Land den Deich sogar noch niedriger bauen können, macht er deutlich. Das LHW baue die Deiche bewusst höher, um in Zukunft vor den nächsten Hochwassern gewappnet zu sein.

Es gibt noch viel zu tun

Noch sind die Arbeiten bis zur Elbmündung der Saale nicht abgeschlossen. Es gibt für den Landesbetrieb noch jede Menge zu tun, bestätigt er. In den Fokus rückt dabei auch die Bahnlinie, die die Saale kreuzt, wobei der Bahndamm ebenfalls als Deich fungiert. Nur ist diese Konstruktion im Ernstfall so gut wie nicht zu verteidigen, schildert er. Das LHW will deshalb vor dem Bahndamm eine Sperre für das Wasser bauen. Mit Spundwänden soll der Bahndamm geschützt werden. Allerdings brauche hier alles seine Zeit, versichert er. Die Planungen seien ebenso langwierig wie die Absprachen zu den Bauarbeiten. Denn zum Teil müsse während der Bauarbeiten der Bahnbetrieb eingestellt werden. Schon allein das erfordere lange Vorlaufzeiten, damit die Bahn sich entsprechend vorbereiten könne. Ziel des LHW sei es aber, den Hochwasserschutz an der Saale auf einen einheitlichen Stand zu bringen, sagt er mehrfach. Der neue Deich sei sicher und die Bürger müssten sich keine Sorgen machen, erklärt er. Gern gebe der Landesbetrieb Auskunft über die Arbeiten in dem Bereich, fügte er hinzu.