Calbe l In dieser Woche hat die AfD-Stadtratsfraktion von Calbe mit einer Postkartenaktion für den Bau einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Saale nach Gottesgnaden geworben. Die Reaktionen der beiden großen Stadtratsfraktionen fallen gemischt aus.

„Ich kenne diese Brücke zufällig“, sagt Alexander Sieche. Auch er hat von der Postkarten- aktion der AfD-Fraktion des Stadtrates in der Saalestadt gehört und kennt die Postkarte. Die auf der Postkarte abgebildete Brücke stehe am Neckar, sagt Alexander Sieche. Die Brücke überspanne längst nicht die zwischen der Saaleinsel und der Stadt nötige Breite, fügt er hinzu.

Bauplaner schätzt Kosten doppelt so hoch

„Ich halte das für sehr populistisch“, erklärt er. Der Bauplaner kennt sich beruflich mit Bauvorhaben aus. Die in der Aktion beschriebenen Kosten halte er für unrealistisch, fährt er fort. Die Kostenschätzung von rund 1,35 Millionen Euro, die die AfD verbreitete, hält der Fachmann für abwägig. Das seien die Kosten der Neckarbrücke gewesen, weiß er. Die stehe allerdings schon einige Jahre. Berücksichtigen müsse man zudem die Preissteigerung. Das größte Problem sei aber, dass die Brücke nach Gottesgnaden sehr viel größer werden müsse. „Ich halte einen Betrag von 2,5 bis 3 Millionen Euro für sehr realistischer“, erklärt er.

Er müsse sich als Stadtrat aber fragen, ob die Kommune mit so viel Geld nicht andere Dinge machen könne? Mit der Summe könnte die Außenanlage der Grundschule fertiggestellt werden. Außerdem gebe es eine Reihe von Straßen in der Stadt, die gemacht werden müssten, fallen ihm gleich einige Namen ein. Sicherlich gebe es die Diskussion um die Fähre und die damit verbundenen Kosten bereits seit einiger Zeit, räumt er ein. Doch in Calbe sei eine fehlende Brücke nach Gottesgnaden bestimmt nicht das größte Problem, schätzt er ein.

Die Fußgänger- und Radfahrerbrücke will auch Torsten Göhr bei der nächsten Sitzung der ALC/SPD-Fraktion ansprechen. Der Fraktionschef wundert sich, dass die AfD keinen Antrag zu ihrer Aktion im Stadtrat oder im Bauausschuss formuliert hat. Das wäre eigentlich der Weg, damit sich der Stadtrat mit dem Thema befassen könne, erklärt er. Die Postkartenaktion könne er nicht als einen Ersatz dazu verstehen. Vielmehr habe er viele Fragezeichen zu dem Projekt. Ein Konzept sei dies für ihn nicht. Denn dann müsste auch gesagt werden, wie es aus dem Haushalt der Stadt finanziert werden solle. „Wir warten ab, was es dazu in der Zukunft noch zu hören gibt“, will er in seiner Fraktion vorschlagen. In der Stadt werde der Vorstoß jedenfalls von den Bürger diskutiert. Vielen sei aufgefallen, dass die Postkartenaktion von den Bürgern auch wegen der vielen Rechtschreibfehler auf den Postkarte belächelt werde. Für die Stadtrats- kollegen sei dies sicherlich kein Ruhmesblatt, ist er überzeugt.

Das Thema ist noch nicht zu Ende

Für Alexander Sieche ist das Thema Fähre auch noch nicht zu Ende. Erst kürzlich, erinnert er sich, hätten die Mitarbeiter im Bauausschuss noch einmal über die Thematik gesprochen. Vor allem die Frage, ob der Fährbetrieb nicht auch von den Nutzern selbst erbracht werden kann, ist dabei die Frage. Wenn es gelinge, dass die Nutzer der Fähre das Schiff selbst von einem zu anderen Ufer steuern könnten, weil der Prozess automatisiert ablaufe, dann könnte die Stadt die Personalkosten sparen.

Die Personalkosten lassen die Gesamtkosten der Fähre in die Höhe schnellen. Für das Schiff selbst gibt es jährlich nur einen kleinen, übersichtlichen Betrag. Denn die Fähre verfügt über keinen eigenen Antrieb. Für die Bewegung des Schwimmkörpers sorgt die Kraft des vorbei strömenden Wassers. Die Fähre wird dabei so in den Strom gedreht, dass das strömende Wasser einen Druck ausübt und das Schiff auf eine Seite drückt.

Knapp 67.000 Euro kostet die Fähre voraussichtlich in diesem Jahr die Stadt nach Abzug der Einnahmen von den Benutzern. Im kommenden Jahr sollen die Kosten noch einmal um 7000 Euro höher liegen. 2021 steht die Landrevision des Fährschiffes an. Dann rechnet die Stadt noch einmal mit mehr als 55.000 Euro Werftkosten. Seit Jahren werben die und fordern die Kommunen im Land, die Fähren betreiben, eine stärkere Förderung der Kosten vom Land. Die Kommunen könnten mit den Fähren und den damit oftmals verbundenen Defiziten nicht immer allein gelassen werden.

Bauausschuss berät wieder

Am 23. Oktober tagt der Bauausschuss wieder. Auf der von der Stadtverwaltung veröffentlichten Tagungsordnung steht ein Brückenbau nicht. Aber der Haushalt für die Stadt wird an dem Tag beraten.