Tornitz l Lange war es ruhig geworden um den sogenannten Schleusenkanal. Doch jetzt meldet sich erneut der Arbeitskreis zu Wort. Das Bauvorhaben wird als „erschreckender Ausdruck der Ignoranz der klaren Fakten und Tatsachen in Sachen Ökonomie, Ökologie und Klimaschutz“ bezeichnet. Der etwa 7500 Meter lange Kanal soll eine garantierte Tiefe von drei Metern haben, während die Elbe nur eine garantierte Tiefe von 1,40 Meter aufweist. „Somit ist der nachfolgende Ausbau der Elbe vorprogrammiert, da ansonsten die 1000- bis 1350-Tonnen-Schiffe diesen Fluss nicht befahren können“, sagt Andreas Liste, Vorsitzender des Vereins. Laut Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg habe zwischen 1990 und 2007 die Elbe durchschnittlich nur an 111 Tagen die erforderliche Fahrrinnentiefe von 2,50 Meter erreicht.

Verringerung der Niederschlagsmengen

Von 1997 bis 2012 seien zwischen der Saalemündung und Magdeburg 135 Tage und zwischen tschechischer Grenze und Saalemündung nur 125 Tage zu verzeichnen gewesen. Darüber hinaus wäre auch die Saale zwischen Halle und Calbe für Schiffsbegegnungen zu schmal, so dass zumindest in gewissen Abständen Ausweichstellen gebaut werden müssten. Andreas Liste verweist darauf, dass in der Bundesrepublik nur noch 2500-Tonnenschiffe gebaut würden, die eine garantierte ganzjährige Tiefe von drei bis vier Metern benötigen. Darüber hinaus gebe es auch ein hydrologisches Problem. Klimaprognosen für den mitteldeutschen Raum ließen eine weitere Verringerung der Niederschlagsmengen erwarten. Somit sei es problematisch, wie die Saale den eigentlichen Lauf und einen Kanal zusätzlich mit Wasser speisen soll.

200 Millionen-Projekt

Daran ändere auch die vom ehemaligen Flussbereichsleiter-Leiter Christian Jung ins Gespräch gebrachte Abkürzung über die Kiesseen zwischen Calbe und Barby nichts. „Hier besteht sogar noch die Gefahr, dass die Kiesseen durch Eintrag von Auenschlick und Nährstoffen zusehend an Wasserqualität verlieren und verlanden könnten“, meint Andreas Liste.

All diese Tatsachen seien schon oft genug begutachtet worden und somit ausreichend bekannt. Sie ließen wenig Umweltverträgliches an der Form des Ausbaus und der Saaleschifffahrt erkennen. Liste verweist auf die Untersuchungen des Halleschen Wirtschaftsprofessors Zabel von 2008 und die vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebene Studie der Planco Consulting. Sie hätten nachgewiesen, dass ein Saaleseitenkanal wirtschaftlich betrachtet völlig überflüssig erscheint.

Wie er sagt, werde das Projekt voraussichtlich 200 Millionen Euro verschlingen.

„Bereits die Prognosen der Planco-Studie von 230 000 bis 560 000 Tonnen Transportgut im Jahr erscheinen, angesichts der bisherigen Flaute im Schifffahrtsverkehr auf Elbe und Saale, sehr hoch gegriffen“, unterstreicht Andreas Liste.

Derweil hat die Deutsche Bahn auf der Strecke Halle-Magdeburg nur eine Transport-auslastung von 30 Prozent.

Ökonomisch unsinniger Kanal

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder sieht es daher als nur folgerichtig, wenn die Bundesregierung am Stopp des Vorhabens Saaleseitenkanal festhält. „Es wäre dringend erforderlich, dass sich Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung mit einer Änderung des Bundesverkehrswegeplans endgültig von den Planungen für den ökologisch unverträglichen und ökonomisch unsinnigen Kanal verabschieden und in dem Zusammenhang auch einer weiteren diesbezüglichen Verschwendung von Steuermitteln einen Riegel vorschieben“, lautet das Fazit von Andreas Liste.