Schönebeck/Staßfurt l Im Dr.-Tolberg-Saal in Schönebeck-Bad Salzelmen ist kein einziger Platz mehr frei, als die Festveranstaltung „Salzlandfrau 2018“ am Mittwochnachmittag beginnt.

Landrat Markus Bauer sorgt gleich zu Anfang für gute Stimmung, indem er Torsten Reinharz, Bürgermeister der Stadt Barby, kurzfristig mit den Worten in den Mittelpunkt rückt: „Er hat heute Geburtstag! Ein bunter Strauß voll Applaus soll ihn ereilen.“ Auch Laudator Hans-Michael Strube sorgte für Lacher, indem er alle Männer im Publikum bat, sich zu erheben und den Salzlandfrauen zu applaudieren. Diesem Wunsch kamen die Männer umgehend nach – auch wenn es vielleicht nur dem heutigen Frauentag geschuldet war.

Die mittlerweile zehnte Festveranstaltung „Salzlandfrau“ wird seit 2009 von den Gleichstellungsbeauftragten der Städte Bernburg, Schönebeck, Staßfurt sowie des Salzlandkreises organisiert. Andrea Blumtritt, Landesbauftragte für Frauen- und Gleichstellungspolitik, fasste ihre Wertschätzung der ehrenamtlichen Arbeit der Salzlandfrauen mit den Worten zusammen: „Was für eine Power die Frauen haben, Hut ab!“

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Sechs Ehrenamts-Kategorien

In sechs Kategorien wurden die Frauen für ihr Engagement geehrt: im Bereich Kultur, Politik, Gesellschaft, Sport, Soziales und für ihr Lebenswerk. Sieben Gewinnerinnen hielten am Ende der Veranstaltung den Preis der „Salzlandfrau 2018“ in den Händen.

In der Kategorie Politik überreichte Sven Wagner, Oberbürgermeister der Stadt Staßfurt, den Preis an Rita Föhse aus Staßfurt. Seiner „langjährigen Parteifreundin“, wie er es selber formulierte, gönne er den Preis in besonderem Maße. Während ihrer 28-jährigen Mitgliedschaft habe sie sich zu einer aktiven Kommunalpolitikerin entwickelt und war auch als Stadträtin in Staßfurt tätig. Dort setzte sie sich insbesondere für Arbeitnehmerrechte und die Gleichstellung der Frau ein und kümmerte sich im Rahmen mehrere Ehrenämter um ihre Mitmenschen.

Preisträgerin in der Kategorie Gesellschaft ist Arnhild Peters. Das ehrenamtliche Engagement der Bernburgerin sei beispielhaft, sagte Laudator Henry Schütze, Oberbürgermeister der Stadt Bernburg (Saale). Als Mitbegründerin des Orgelförderkreises und Vorstandsmitglied habe sie es sich zum Ziel gemacht, die Bernburger Marienkirche wieder mit einer großen „Röver-Orgel“ auszustatten. Auch für Flüchtlinge setze sich Arnhild Peters ein. So half sie dabei, zwei armenisch-jesidische Asylbewerberfamilien in die Gemeinde zu integrieren. Sie hilft bei Behördengängen und gibt den erwachsenen Familienmitgliedern einmal wöchentlich Sprachunterricht.

Für Elbe und Saale engagiert

Die Salzlandfrau in der Kategorie Kultur ging an Jutta Röseler aus Glinde, einem Ortsteil von Barby. Sie ist mit den Flüssen Elbe und Saale aufgewachsen, wie der Bürgermeister der Stadt Barby (Elbe), Torsten Reinharz zu berichten weiß. Mit ihrem Engagement für die Flusslandschaft trug sie dazu bei, das Unesco-Biosphärenreservat „Flusslandschaft Elbe“ und das Unesco-Kulturwelterbe „Dessau-Wörlitzer Gartenreich“ vor der Austrocknung zu bewahren.

Für musikalische Untermalung sorgte die Kreismusikschule „Béla Bartók“ des Salzlandkreises. Unter der Leitung von Sandra Preuß präsentierte etwa das Percussion-Quartett das Stück „Bürozeit“ von Stefan G. Schmid. Weitere Musikschüler bewiesen ihr Können am Klavier sowie am Cello.

In der Kategorie Soziales wurden zwei Siegerinnen gekürt. Zum einen Hella Richter aus Schönebeck, zum anderen Christel Görmer aus Atzendorf, einem Ortsteil von Staßfurt.

Engagiert für Parkinson-Erkrankte

Wie Laudatorin Gisela Schröder , stellvertretende Oberbürgermeisterin der Stadt Schönebeck erklärte, gehöre Hella Richter seit 1994 zu den Mitgliedern der Regionalgruppe Schönebeck der Deutschen Parkinsonvereinigung, die sie seit 2004 als Vorsitzende leitet. „Obwohl sie selbst von dieser unheilbaren Krankheit betroffen ist, versucht sie, den Gruppenmitgliedern neuen Lebensmut zu vermitteln“, sagte Schröder zum Publikum gewandt. Hell Richter organisiere Veranstaltungen, führe Beratungs- und Informationsgespräche durch und sorge für gesellige Stunden – etwa bei gemeinsamen Ausflügen.

Christel Görmer wird von ihren Freunden, die sie für diesen Preis vorgeschlagen haben, als „Wirbelwind des Ortes“ beschrieben. Laudator Sven Wagner erklärte dazu, dass sie etwa die Veranstaltungen und Aktivitäten der Volkssolidarität Atzendorf, deren stellvertretende Vorsitzende sie ist, seit 25 Jahren mitgestalte. Seit fünf Jahren arbeite sie aktiv im Seniorenbeirat der Stadt Staßfurt mit und setze sich für die Belange der älteren Einwohner ein.

Sportliche Ehrenamtler

Preisträgerin in der Kategorie Sport wurde Brigitte Brock aus Schönebeck. Die Auszeichnung überreichte Hans-Michael Strube, Vorstandsvorsitzender der Salzlandsparkasse. Seit 36 Jahren sei sie als Trainerin ehrenamtlich tätig. Drei Mal pro Woche komme sie in den Verein, um bis zu 76 Kindern und Jugendlichen zu betreuen. Eine weitere etwas ältere Gruppe werde einmal wöchentlich von ihr trainiert und auf Wettkämpfe vorbereitet. Ihre Schützlinge erzielten dank ihrer Hilfe große Erfolge, zum Beispiel bei den Landesmeisterschaften.

Für ihr Lebenswerk wurde schließlich Hilde Johann ausgezeichnet. Die Calbenserin ist 83 Jahre alt und seit Jahrzehnten für das Wohl anderer und der evangelischen Kirchengemeinde in Calbe ehrenamtlich tätig. Jährliche Organisation der Jubelkonfirmationen. Laudator Sven Hause, Bürgermeister der Stadt Calbe, sagte: „Einige hier im Saale werden es eventuell erahnen, wie hoch der damit verbundene vorbereitende Aufwand sein mag. Das aufwändige Heraussuchen und Recherchieren aktueller Adressen der Jubilare, die fünfzig, sechzig oder mehr Jahre konfirmiert sind.“

Zudem statte sie kleine Hausbesuche ab, um eine Karte zum Geburtstag sowie eine Blume zu überbringen. Für diesen Gruß im Namen der Kirchengemeinde nehm sie täglich Wege in Kauf – und das mit stolzen 83 Jahren. Mit ihrem Einsatz „trägt sie erheblich zu Stärkung der Gemeinschaft bei“, so Sven Hause. Die mittlerweile elfte Festveranstaltung der „Salzlandfrau“, bei der Ehrenamtlerinnen mit besonderem Engagement ausgezeichnet werden, soll im kommenden Jahr in Staßfurt stattfinden.