Biere l Als preisgekrönte Salzlandfrau ist Josefine Radmer vor allem eines: stolz auf ihre Arbeit im Verein. Auf mehr als zwanzig Jahre Karnevals- und Tanzerfahrung kann die 29-Jährige aus Biere zurückblicken. Dabei begann alles im heimischen Kinderzimmer. „Ich habe mit meinen Freundinnen Franzi und Julia damals schon Zuhause Tänze einstudiert, die wir dann Freunden und der Familie präsentiert haben“, erinnert sich Radmer mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht. Die ersten Kostüme stammten damals von der Mama und der Großmutter. Seit sie drei Jahre alt war, besuchte Josefine Radmer eine Tanzschule in Schönebeck und erlernte dort Folkloretanz.

Und dabei hatten sie immer eines in Sicht: die große Bühne. Der Name „Crazy Girls“ war damals schon Programm. „Wir waren drei verrückte Mädels, die die Bühnen Deutschlands erobern wollten“, erzählt Radmer. Deshalb wurde, als sie sechs Jahre alt war, kurzerhand beschlossen bei einer Künstleragentur vorzutanzen. Das war der Startschuss für eine steile Karriere.

Erste Auftritte

Prompt folgten die ersten Auftritte in Schönebeck und Magdeburg. Schnell merkte man aber, dass die Bühnen ein bisschen zu groß für nur drei Tänzerinnen waren und so suchte man sich noch zwei weitere tanzbegeisterte Mädchen. „Einer unserer größten Auftritte fand 2003 im Amo Kultur- und Kongresshaus in Magdeburg vor 3000 Menschen statt“, erzählt Radmer stolz. Zwischenzeitlich hatte sich sogar ein „Crazy Boy“ zu den Mädchen gesellt.

Bilder

Von 1996 bis 2004 sind die Crazy Girls durch ganz Sachsen-Anhalt getanzt. Doch wie das Leben so spielt drifteten die Interessen der einzelnen Mitglieder langsam auseinander. Partnerschaften, die Schule und andere Hobbies gestalteten den Fortbestand der Crazy Girls immer schwieriger. Aber ans Aufgeben war für Josefine Radmer gar nicht zu denken. Die damalige Turnierreiterin setzte alles daran ihre Tanzgruppe wieder aufzubauen. Dank ihres Engagements beim Karnevalverein konnte sie schnell wieder ein paar Mädchen dafür begeistern.

Karneval im Blut

„Ich war damals bereits für die Kindertanzgruppen im Verein verantwortlich und konnte so die zukünftigen Crazy Girls selber fördern und trainieren“, erzählt sie. Sie ist tief im Karneval Club Biere verwurzelt. Ihre Großmutter war nämlich eines der Gründungsmitglieder des Vereins.

Ihr Vater ist der Karnevalspräsident und ihre Mutter hat früher auch mitgetanzt. Das Tanzmariechen und der Jeck liegen ihr also im Blut. „Beim Tanzen fühle ich mich frei und kann den ganzen Alltagsstress vergessen“, schwärmt Radmer von der, ihrer Meinung nach, meist unterschätzten Sportart.

Seit 2010 arrangiert sie das jährliche Programm des Karneval Clubs und leitet die fünf Tanzgruppen. Das freitägliche Training ist für sie also Pflichtprogramm.

Choreografien Marke Eigenbau

Im gleichen Jahr fanden sich dann zehn Mädchen zusammen, die die Crazy Girls-Tanzgruppe wieder zum Leben erweckten. Zusammen konnten sie unter anderem 2014 fünf Wochen lang bei den Jugendweihe-Veranstaltungen in Magdeburg ihr schwungvolles Programm auf die Bühne bringen.

Die Choreografien dafür und für die Show- und Gardetänze des Karnevalvereins denkt sich Josefine Radmer von Anfang an selber aus. „Ich habe meistens schon eine grobe Vorstellung im Kopf. Dann suche ich die passende Musik und Kostüme aus.“ Und das alles in Eigenregie. Mittlerweile bekomme sie aber tatkräftige Unterstützung von ihren Tanzkolleginnen.

Neue Motivation

Eine Frage stellt sich dabei schnell: Wie schafft man das alles neben Beruf und Fami-lienalltag? „Mit viel Disziplin“, antwortet Radmer, die in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag feiert. Ein Geheimrezept habe sie aber nicht. „Man muss sich alles genau eintakten. Ich finde meistens abends die Motivation mich um die Musik und die Kostüme zu kümmern“.

So lange es geht, wolle die Bankangestellte und Mutter eines einjährigen Sohnes auch noch weitermachen. Die Ehrung zur Salzlandfrau gebe ihr auf jeden Fall neue Motivation. „Es ist schon cool für sein jahrelanges Engagement geehrt zu werden“, freut sich Radmer über die Auszeichnung.

Dort wurde jedoch nicht nur ihr Engagement für den Karnevalsverein geehrt, sondern auch ihre Unterstützung des Friedencamps und des Projektes „Demokratie leben“. Für beide Organisationen engagiert sie sich schon seit Jahren und organisiert Ausflüge und Tanzkurse.