Barby l „Ich habe nach der Veröffentlichung sogar einen Brief aus Egeln bekommen“, wundert sich Marlies Wolf noch heute. Eine 80 Jahre alte Dame hatte zu Hause „Ordnung“ gemacht und ihre geliebte Autogrammsammlung nach Barby geschickt. „Wenn ich mal nicht mehr bin, schmeißen meine Kinder die Karten sowieso weg, hat sie dann später am Telefon gesagt“, erinnert sich Marlies Wolf. Auch eine Dame aus Schönebecks Moskauer Straße hatte sich gemeldet, deren kleine Sammlung dann abgeholt wurde. Dritte im Bunde war Heliane Götze aus Barby, die sich ebenfalls von ihren Autogrammen trennte. Sie ist die Jüngste der drei Frauen, deren Sammlung von DDR-Chefindianer Gojko Mitić und dem Teenageridol Dean Reed geprägt sind.

„Ich habe mich sehr über die Schenkungen gefreut“, lächelt Marlies Wolf. Und sie gesteht, dass sie dadurch wieder einen Sammel-Schub bekommen habe. Lagen ihre Autogramme bis dahin in einem 45 mal 30 Zentimeter großen Papp-Koffer, legte sie sich jetzt wieder ein paar ordentliche Alben zu.

Eigenhändige Unterschrift

Darin befinden sich einige hundert Autogrammkarten. Ein Teil davon trägt die eigenhändige Unterschrift der Künstler, die fast ausschließlich Schauspieler und Sänger sind.

Mann muss schon ein bisschen älter sein, um Stars wie Gina Lollobrigdia, Liselotte Pulver oder Caterina Valente zu kennen. Allesamt schöne Frauen, die Straßenfeger-Qualitäten hatten, wenn deren Filme im Kino flimmerten. Was Oma Anni in den 50er Jahren noch gelang, war in den 1960ern schwieriger geworden. West-Künstler und Fans im Osten trennten eine Mauer und ein rigider Post-Kontrolldienst. Soll heißen: Die von Hand unterschriebenen Karten wurden weniger. Dafür kamen ein paar ostdeutsche dazu. Sänger Frank Schöbel schrieb in dicker Füllerschrift seinen Namen auf eine Autogrammkarte.

„Aber eine ganz besondere habe ich wohl verbummelt“, grübelt Marlies. Würde sie die finden, könnte sie mächtig auf den Putz hauen. Ein unterschriebenes Porträtfoto von Elvis Presley ist schlappe 4.000 Euro wert.