Calbe l Wenn Lutz Schmidt Zeit fürs Bestaunen von Bussen nimmt, bedarf es dazu regelmäßig eines unbedingt notwendigen Utensils: einer Lupe. Damit kann der 54-jährige Polsterer die Eigenheiten seiner Modellfahrzeuge nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich ansehen. In Schrankvitrinen stehen die Modelle in Reih und Glied. Mehr als 100 Exemplare. Kleiner, kleiner, am kleinsten.

Rund Dreiviertel seiner Sammlung machen Busse aus. Für solche, welche die heimischen realen Platzkapazitäten sprengen würden, hole man sich nicht das Original, sondern das Miniaturmodell, begründet er die Leidenschaft, die er seit der Wende hegt.

Wie Kurven eines Models

Ein besonderes Schätzchen ist der Ikarus 55. Laute, gurgelnde Motorgeräusche hat das 1955 in Ungarn produzierte Gefährt einst auf den Straßen von sich hören lassen. Deswegen und aufgrund des spitz zulaufenden Hecks wurde das Modell im Volksmund auch „Rakete“, „Zigarre“ oder „Staubsauger“ genannt. Ein solches Modell im Maßstab 1:43 (der Bus war real rund elf Meter lang) hält er als Modell in weißer-ockergrünen Farbgestaltung nach oben. Von den Formen des Busses schwärmt er als wären sie die Kurven eines Models. Hätte er tatsächlich dieses Modell in Originalgröße, dann müsste dieser am liebsten ausschließlich elfenbeinfarbig sein. Zu bunte Gestaltung mag Schmidt weniger. Lieber eher dezent.

Bilder

Noch 1985 fuhr der Calbenser mit der „Rakete“ von Brumby nach Stassfurt zur Arbeit. Deutschland und die Sowjetunion waren damals die größten Abnehmer des Busmodells. Erinnerungen, die nie verblassen.

45 Euro pro Stück

Sogar der englische Doppeldeckerbus, Mercedes- und sogenannte „Schnauzenbusse“ ohne die heute typische vertikale Vorderfront finden sich. Modelle, die Schmidt auf Trödelmärkten oder in Zeitschriften ausfindig macht. „Dort sind auch schweizerische Bergbusse“, zeigt Schmidt auf entsprechende Modelle. Wer einen Blick ins Innere wirft, sieht das Lenkrad rechterhand. „Das ist dort angebracht, damit die Fahrer in der Alpenregion den Abgrund besser einsehen können“, setzt Schmidt erklärend hinzu.

Solch ein Modell kann übrigens auch schon einmal rund 45 Euro pro Stück kosten. Schmidt, der zugleich ein Freund realer Oldtimer ist, begeistert sich dafür. „Das sind die kleinen Wintererinnerungen, die man jeden Tag sieht und sich freut“, lächelt er. Zwei reale Ikarusbusse stehen auf seinem Gelände zur Aufarbeitung bereit. In den Zeiten, in denen er daran nicht werkelt, kann er sich an den makellosen kleinen Modellen erfreuen.

Grund für Leidenschaft

Zu seiner Sammlung gehören allerdings auch rund 15 Lkw und Pkw. Nichtsdestotrotz ist er stolz, dass seine Ansammlung fast alle Busmodelle präsentiert, die zu „Ostzeiten“ gefahren sind.

Auf die Frage nach dem Grund für seine Sammelleidenschaft kann er keine wirkliche Begründung vorbringen. Er sagt: „Liebhaberei hat nichts mit Menschenverstand zu tun.“