Sachsendorf/Schönebeck/Staßfurt l Die Pilzsaison hat begonnen. Wenngleich es relativ trocken war, so können aufmerksame Sammler dennoch schon Pilze entdecken. Doch oftmals herrscht Ungewissheit, ob dieser oder jener Pilz überhaupt essbar ist. Die zentrale Frage: Giftig oder nicht? Die Antwort darauf kann Volker Lerch geben. Der 57-Jährige aus Sachsendorf ist einer von sieben Pilzsachverständigen im Salzlandkreis. „Unsere Hauptaufgabe ist es, die Menschen vor Vergiftungen zu bewahren“, sagt der Sachsendorfer.

Überwiegend nachmittags an den Wochenenden klingelt Lerchs Telefon – oder die Pilzsammler stehen mit ihrer Ausbeute direkt vor der Tür. Der Pilzsachverständige kann dann die Besucher darüber aufklären, was sie da erbeutet haben und ob sie die Pilze essen können oder lieber entsorgen. „Eine Ferndiagnose am Telefon mache ich nicht. Das ist zu unsicher. Ich muss die Pilze sehen“, sagt Lerch.

Der Geruch ist entscheidend

In seinen 35 Jahren als Pilzexperte hat er auch schon allerhand erlebt. Es kam schon vor, dass die eifrigen Pilzsammler eimerweise giftige Exemplare angeschleppt haben. „Gern verwechselt wird der Champignon mit dem Giftchampignon, der Verdauungsbeschwerden verursachen kann“, weiß Volker Lerch. Beide Pilzsorten kommen im Salzlandkreis vor. Eine Möglichkeit, die beiden Pilze zu unterscheiden, ist der Geruch. „Giftchampignons riechen nach Karbol – in etwa wie Tinte“, erklärt Lerch. Außerdem kann man die Stielknolle ankratzen. Ist das Fleisch darunter gelblich, ist es sehr wahrscheinlich ein Giftchampignon.

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Darüber hinaus werden Lerch und die anderen Pilzsachverständigen bei Notfällen kontaktiert, in denen eine Pilzvergiftung möglich ist. „Bei mit hat auch schon mal nachts um eins das Telefon geklingelt. Ein Mädchen mit Verdacht auf Pilzvergiftung lag im Schönebecker Krankenhaus.“ Lerch hat sich daraufhin von der Familie den Pilz beschreiben lassen und konnte anhand der Angaben beratend zur Seite stehen. Glücklicherweise konnte damals eine Vergiftung ausgeschlossen werden.

Grundsätzlich gibt Lerch den Rat: „Beim Verdacht auf eine Pilzvergiftung sollte man sofort zum Arzt gehen. Wenn möglich sollte auch der Pilz oder wenigstens ein Stück davon mitgenommen werden. Wenn sich die betroffene Person übergeben hat, sollte man auch davon etwas mitnehmen.“ So könne im Nachhinein besser identifiziert werden, ob es sich um eine Vergiftung durch einen Pilz handelt.

Im Kühlschrank durchaus haltbar

Außerdem weist Lerch daraufhin, dass nicht nur Giftpilze zum Problem werden können. „Man unterscheidet echte und unechte Pilzvergiftungen. Letzteres kann vorkommen, wenn verdorbene Pilze konsumiert werden“, so Lerch. Daher rät er, Pilze so frisch wie möglich zuzubereiten und zu essen. Sollten sie matschig oder glasig werden, sollten sie lieber entsorgt werden. Im Kühlschrank würden sich Pilze aber durchaus zwei bis drei Tage gut halten – vorausgesetzt, dass sie nicht mit Maden befallen sind.

Neben den Beratungen der Pilzsammler kontrollieren Lerch und die anderen Sachverständigen auch stichprobenartig das Sortiment in den Supermärkten. „Wir achten darauf, dass nur frische Pilze angeboten werden. Manchmal ist das nämlich schon etwas grenzwertig, was da so angeboten wird“, berichtet der Sachsendorfer.

Ein Problem, worauf Lerch noch aufmerksam macht, ist die Überalterung im Kreise der Pilzsachverständigen. Der Nachwuchs sprießt nämlich leider nicht wie Pilze aus dem Boden. Mit seinen 57 Jahren zähle er zu den jüngsten Mitgliedern im Landesverband der Pilzsachverständigen (LVPS) in Sachsen-Anhalt. Es bleibt also zu hoffen, dass sich auch in einigen Jahren noch weiterhin Menschen dafür finden, ihre Mitmenschen vor Vergiftungen zu bewahren. Dann auf eine leckere Pilzpfanne will doch eigentlich niemand verzichten.