Schönebeck l Deutschland wird älter. Das ist auch in Sachsen-Anhalt und dem Salzlandkreis zu spüren. Lebten im Jahr 2014 noch 283.660 Personen im Alter von 75 Jahren und mehr im Bundesland, lag diese Zahl 2018 bei 313.255. Im Salzlandkreis waren 2014 insgesamt 26.231 Personen 75 oder älter. Im Jahr 2018 waren es im Kreis hingegen schon 28.544 Bewohner, die 75 oder älter waren.

Eine Entwicklung, die auch auf dem Wohnungsmarkt eine wichtige Rolle spielt. Denn mit dem Alter verändern sich ebenso die Ansprüche an den eigenen Wohnraum. War es in früheren Jahren kein Problem, dass der Duscheinstieg nicht ebenerdig war, wünschen sich viele, insbesondere ältere Mieter, heute einen ebenerdigen Einstieg – möglichst in eine großzügigen Dusche, in der auch ein Hocker Platz findet. Man weiß ja nie, was das Alter für die Gesundheit bringt.

Förderung für altersgerechte Sanierung

Ein Thema, das auch die Landesregierung beschäftigt. So gibt es seitens des Landes Sachsen-Anhalt in Kooperation mit der Investitionsbank des Landes gleich mehrere Förderprogramme, die sich an private Wohnungseigentümer und Genossenschaften richten.

So wurden im Salzlandkreis im Zeitraum vom 1. Januar 2011 bis 30. Juni 2019 laut des Landesministeriums für Landesentwicklung und Verkehr insgesamt 38.179 877,82 Euro an Wohnraumfördermitteln bewilligt, davon 29.970 287,67 Euro als Darlehen und 8.209 590,15 Euro als Zuschuss. Gefördert wurden mit diesen Geldern 2766 Wohnungen.

Darlehen der Investitionsbank

Rund 40 dieser geförderten Wohnungen gehören der Gemeinnützigen Schönebecker Wohnungsbau-Genossenschaft. Das Förderprogramm, das die Schönebecker Genossenschaft nutzt, nennt sich „Sachsen-Anhalt Modern“ und bietet seit 2011 unbefristet Darlehen der Investitionsbank Sachsen-Anhalt zur energie- effizienten und altersgerech- ten Wohnraummodernisierung.

„Wir haben uns für einige unserer Wohnungen vor zwei Jahren für das Programm entschieden“, erzählt Manuela Preuße vom Vorstand der Gemeinnützigen Schönebecker Wohnungsbau-Genossenschaft und ergänzt: „So günstig wie im Moment kommt man schließlich nicht oft an einen Kredit.“ Für den altersgerechten Umbau und die energetische Sanierung liegt der Zinssatz bei 0,4 Prozent.

Darlehen und Eigenmittel

Die Gesamtkosten der Sanierungen der Gemeinnützigen Schönebecker Wohnungsbau-Genossenschaft belaufen sich für die Sanierung von aktuell elf Wohnungen auf 464.000 Euro. 443.458,83 gab es von der Investitionsbank als Darlehen und 20.541,17 Euro stammen aus Eigenmitteln.

Ziel der Sanierungen in Schönebeck ist die Neuvermietung leer stehender Wohnungen, um diese insbesondere für ältere Mieter wieder attraktiv zu machen. „Wenn die Wohnungen erstmal saniert sind, gehen sie weg wie warme Semmeln“, berichtet Manuela Preuße bei der Besichtigung einer frisch sanierten Wohnung in der Welsleber Straße, die zwar noch nicht bezogen, aber bereits vermietet ist.

Badezimmer im Blick

Diese Wohnung sowie zehn weitere sind Teil der aktuellen Sanierungsrunde der Gemeinnützigen Schönebecker Genossenschaft. Das Hauptaugenmerk der altersgerechten Sanierung legt die Genossenschaft auf die Badezimmer. So wurde auch in der Wohnung an der Welsleber Straße und einer weiteren im selben Haus insbesondere das Badezimmer umgestaltet.

Statt einer Duschwanne mit hohem Einstieg ist an der Stelle der alten Badewanne jetzt eine großzügige ebenerdige Dusche zu finden, in der auch ein Hocker genügend Platz findet.

Aufzüge im Altbau sind Problem

Komplett barrierefrei ist das Mehrfamilienhaus an der Welsleber Straße dennoch nicht. Da das Haus lediglich über ein Erdgeschoss und zwei Obergeschosse verfügt, lohne sich laut Manuela Preuße vom Genossenschaftsvorstand ein Aufzug nicht. „Selbst einen außen liegenden Aufzug an das Haus anzubringen gestaltet sich aufgrund der Altbaucharakteristik als schwierig“, erklärt Preuße.

Grund dafür: Die Treppen sind so angelegt, dass die Wohnungstüren der Miet-objekte nicht an der Außenwand, sondern innen liegen, sodass Mieter selbst mit einem am Treppenhaus im Hinterhof angebrachten Aufzug noch eine halbe Treppe laufen müssten, um ihre Wohnung komplett barrierefrei zu erreichen.

Extra Programm für Aufzüge

Würde sich der Anbau eines Aufzugs beispielsweise an die Wohnungen der Genossenschaft in der Welsleber Straße lohnen, könnte diese, wie es auch Privatpersonen können, auf das Förderprogramm „Sachsen-Anhalt Aufzugsprogramm“ zurückgreifen.

Durch dieses 2017 gestartete Programm erhalten Eigentümer, Vermieter und Genossenschaften wie beim Programm „Sachsen-Anhalt Modern“ günstige Darlehen der Investitionsbank. Die Zuschüsse sind für Maßnahmen zur Barrierereduzierung und Verbesse- rung des Zugangs zu Wohngebäuden und Wohnungen gedacht.

Energetische Sanierung

Zehn der insgesamt elf Wohneinheiten der Gemeinnützigen Schönebecker Wohnungsbau-Genossenschaft, die teils bereits saniert sind, werden beziehungsweise wurden im Rahmen des unbefristet laufenden Förderprogramms „Sachsen-Anhalt Modern“ auch energetisch saniert. Sprich die Heizungsanlage wurde ausgetauscht, sodass Energie gespart und der CO2-Ausstoßes gemindert wird.

Investitionsbank-Sprecherin Ines Gerasch erklärt: „Das Geld der zinsgünstigen Darlehen stammt aus Landesmitteln des ‚Fonds Wohnraumförderung Sachsen-Anhalt‘ und dient der Schließung von Finanzierungslücken für Investoren, denen die Hausbank die Vergabe von Darlehen zur Umsetzung dieser Maßnahmen außerhalb von Bonitätsgründen verwehrt.“