Bad Salzelmen l Andrea Silber ist Gold wert. Die Gästeführerin des Soleparks Bad Salzelmen hat bei einem Rundgang vor einigen Monaten – na sagen wir mal – ziemlich deutlich darauf hingewiesen, welche Nöte bestehen. Sie war nicht unbedingt den Tränen nahe, trotzdem waren Andreas Schumann von der Zürich Versicherungen und Norman Renker von der Deutschen Bank in Schönebeck angetan. „Die Uhr funktioniert ja, aber die Glocke schlägt nicht mehr“, sagten Andrea Silber und die beiden anderen Gästeführer bei Touren auf das rund 300 Meter lange Gradierwerk fast unentwegt.

Es war der Blitz, der im Jahr 2015 in der Nähe des Spannungsumfeldes der Uhr einschlug „Seitdem war ein Relais ausgetreten und die gesamte Uhr defekt“, berichtete die Betriebsleiterin des Soleparkes, Sibylle Schulz. Daraufhin konnte ein Uhrmachermeister die Uhr zwar wieder zum Laufen bringen, doch das Geläut blieb seit dem Blitzschlag stumm.

Erneuerung ist kostenaufwendig

Das vernahmen vor allen die Schönebecker. Mehrere Leser, unter ihnen auch Christiane Theuerkauf aus Bad Salzelmen, fragten über die Volksstimme nach – auch nach einer Spendenaktion. So erklärte die Solepark-Betriebsleiterin vor eineinhalb Jahren, dass die Erneuerung des Glockenwerkes nicht nur zu kostenaufwendig sei, sondern auch aus Sicht des Soleparkes nicht leistbar. Außerdem erfüllte die Uhr ja noch ihren eigentlichen Zweck: Sie zeigte die Zeit an – ein schwacher Trost, der nie so richtig glücklich machte.

So leisteten nun Andrea Silber und Co. bei Rundgängen der Kunsthofführung ganze Arbeit. „Immer wieder haben wir dezent darauf hingewiesen, dass das Glockengeläut repariert werden müsste und wir auf der Suche nach finanzieller Unterstützung sind“, berichtete Andrea Silber. Als einmal die Herren Schumann und Renker auf einer Tour dabei waren, drückten sie der Gästeführerin im Anschluss die Visitenkarten in die Hand.

„Ich habe gleich gemerkt, dass die beiden anders ticken. Sie meinten ihre Hilfe ernst“ erinnert sich Andrea Silber. So war es auch: Als der Versicherungsmann und der Banker den Kostenvoranschlag auf dem Tisch hatten, marschierten sie schnurstracks in das Stadtwerkehaus, um Geschäftsführer Friedrich Husemann ebenfalls von der Idee zu überzeugen. Der war sofort Feuer und Flamme.

Schlag auf Schlag

Von da an, es war Weihnachten 2017, ging es Schlag auf Schlag. Die Kostenzusagen lagen vor, der Auftrag wurde ausgelöst, und der Uhrmachermeister machte sich ans Werk. Die Arbeiten waren wirklich aufwendig, weil Ersatzteile nicht mehr so einfach zu besorgen waren. Als alles fertig war, gab es nochmals einen kleinen Rückschlag: „Wir haben festgestellt, dass die Uhr nun richtig zur vollen Stunde schlug, sie aber erheblich nachging“, stellte Sibylle Schulz fest. So musste der Uhrmacher noch mehrmals nach oben klettern. Ihm gelang es, nach Austausch weiterer Teile Uhr und Glocken in Gleichklang zu bringen.

Von nun an gibt es wieder eines auf den Gong. Stündlich. Gestern um 15 Uhr war feierliches „Anläuten“. Die Stimmung auf dem Gradierwerk gemeinsam mit den Sponsoren war entspannt, die Freude groß. „Ich finde es großartig, dass sich Firmen und Institutionen stark machen und sich für eine Tradition interessieren“, so Sibylle Schulz. Das werden von nun an auch die Anwohner und Besucher des Kurparkes zu hören bekommen. Sie werden die zeitliche Orientierung nun nicht mehr ausschließlich visuell wahrnehmen, sondern auch akustisch.

Und was sagt Christiane Theuerkauf, die vor eineinhalb Jahren die Anregung für die Reparatur gab? Die Volksstimme hat die Leserin telefonisch erreicht: „Ich bin hocherfreut. Wenn ich nun im Garten bin, kann ich hören, was die Uhr geschlagen hat. Das ist eine tolle Sache“, so Christiane Theuerkauf.