Schönebeck l Die Projektkosten für die Sanierung des Freibades werden auf 1,5 Millionen Euro geschätzt. Zumindest in einer vermeintlichen Bauabsichtserklärung, die nun auf einer Auftrags-Plattform im Internet aufgetaucht ist. In der Projektinformation heißt es: „Geplant ist die Sanierung eines Freibades.“ Und zwar unter Beteiligung der öffentlichen Hand. Konkrete Aufgaben wie Fliesenarbeiten und Baulogistik werden bereits aufgelistet. Der Baubeginn soll für den Herbst 2021 geplant sein.

Bei so einer Bauabsichtserklärung handelt es sich zwar noch nicht um eine konkrete Ausschreibung für Bauaufträge. Dennoch bekundet hier mutmaßlich ein Bauherr ein starkes Interesse an einem Projekt und potenziellen Auftragnehmern. Und dieser Bauherr soll zumindest laut dieser Projektinformation die Stadtwerke Schönebeck sein. Das Problem: Die Stadtwerke wissen nach eigenen Angaben überhaupt nichts von dieser Bauabsichtserklärung. „Das ist völliger Blödsinn“, sagte Stadtwerkechef Friedrich Husemann, der derzeit im Urlaub weilt. „Wir haben so etwas nicht ins Internet gestellt.“ Auch an der Stadtwerkezentrale in Schönebeck reagierte man verwundert. „Wenn das ein Scherz sein soll, dann kann ich nicht darüber lachen“, sagte Stadtwerkesprecherin Julia Teige. Von so einem Projekt wisse man nichts.

Aufgetaucht war die Projektinformation auf der Internetseite der Deutschen Auftragsdienst AG (DTAD), einem Unternehmen für Auftragsmanagement. Auftraggeber und Auftragnehmer können dort zueinander finden. Die Seite ist für die Nutzer kostenpflichtig.

Juristisches Nachspiel

Nach der Anfrage der Volksstimme wollen die Stadtwerke juristisch gegen das Internetportal vorgehen und einen Unterlassungsanspruch erwirken, damit die Information aus dem Netz genommen wird. Demnach könnte es sich dabei um eine Falschmeldung oder einen Scherz handeln.

Der Vorfall hat nun bei einigen Stadträten die Runde gemacht und für erheblichen Ärger gesorgt. So wurde die Absichtserklärung bereits am 19. Juni 2020 veröffentlicht, also vor der jüngsten Stadtratssitzung am 2. Juli, auf der intensiv über die Bäderlandschaft diskutiert wurde. Einige Stadträte vermuten nun, dass sie bei der Sitzung von der Stadtverwaltung über die Pläne im Unklaren gelassen wurden.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende René Wölfer hatte die Absichtserklärung im Internet gefunden und hält sie für authentisch. „Dass die Stadtwerke nur die Schwimmhalle bauen und das Freibad sanieren, hat eine Legitimation erhalten, die Herrn Knoblauch ein Wahlkampfgeschenk bescheren soll“, teilte René Wölfer mit. Der Sozialdemokrat ärgert sich vor allem darüber, dass die Verwaltung die Stadträte nicht informiert habe. Wenn die Stadt einen Plan habe, solle sie ihn öffentlich machen und das Vorhaben vorziehen. „Ich fordere alle Fraktionen des Stadtrates auf, diesem Zauber ein Ende zu bereiten. Das Freibad soll zum nächsten Sommer wieder geöffnet werden“, forderte Wölfer.

Doch auch im Rathaus weist man das Schreiben zurück. „Der Stadt Schönebeck ist keine Ausschreibung diesbezüglich bekannt. Zuletzt gab es von den Stadtwerken im Stadtrat lediglich den Antrag auf Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens zur Änderung des Bebauungsplans Schnittstelle Altstadt Süd-West“, teilte Stadtsprecher Frank Nahrstedt mit. Dabei ging es um die Schaffung des Baurechtes für das geplante Kombibad am Bahnhof. Von einem Vorhaben an der Barbarastraße, wo sich das Freibad befindet, war nicht die Rede.

Stadtwerke wissen nichts

Auf dem DTAD-Portal im Internet werden nach Angaben der Betreiber Projekte von zählenden Mitgliedern veröffentlich. Stadtwerke-Sprecherin Teige versicherte, dass das Unternehmen noch kein Mitglied war. Aufgrund des Vorfalls habe man ein kostenloses Testkonto eröffnet, um die Projektinformation einsehen zu können. Wie die Betreiber des DTAD-Portals mitteilten, werden die Angaben der Kunden überprüft. Bei den Stadtwerken wird vermutet, dass allerdings auch ungeprüft Informationen übernommen werden.

Die Stadtwerke sollten ursprünglich ein neues Kombibad in Schönebeck bauen und betreiben. Inzwischen hat sich allerdings herausgestellt, dass das von dem kommunalen Unternehmen nicht finanzierbar ist. Im Gespräch ist im Stadtrat daher nun der Bau einer einfachen Schwimmhalle bei gleichzeitiger Sanierung des geschlossenen Freibades.