Gottesgnaden l Sieben Wochen lang war mit der alten Schleusenbrücke die einzig feste Zufahrt auf die Saaleinsel für Kraftfahrzeuge voll gesperrt. Während dieser Zeit konnten lediglich Autos Gottesgnaden über die Fähre erreichen. Der Grund: Die „alte Dame“ war gebrechlich und lediglich für eine Tragfähigkeit von 16 Tonnen herabgestuft worden.

Nun musste sie für ihren letzten und womöglich schwersten Einsatz ihres Bestehens fit gemacht werden, denn schon ab kommender Woche sollen die Maßnahmen zum Neubau des Schöpfwerkes, zum Deichneubau, der Sanierung der bestehenden Hochwasserschutzanlagen sowie zum kommunalen Straßenbau in der Ortslage mit einem Gesamtvolumen in einer Größenordnung von 15 Millionen Euro beginnen.

Neue Tragfähigkeit bis 50 Tonnen

Dafür ließ der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) die Schleusenbrücke von Experten verstärken, Fachleute sprechen dabei von „ertüchtigen“. Dafür entlasteten Mitarbeiter einer Osterburger Firma die alten Widerlager der Brücke. Neue Auflager wurden errichtet. Der Überbau der Brücke wurde mit einer mehr als 50 Tonnen schweren Stahlkonstruktion verstärkt und an zwei querliegende Stahlträger darunter fest vergurtet. „Damit werden die Lastenkräfte nach oben abgeleitet“, erklärt Ulf Reimherr vom LHW-Flussbereich Schönebeck. Durch die Ertüchtigung können nun Lasten bis zu 50 Tonnen über die Brücke rollen.

Gestern Vormittag erfolgte die gemeinsame Bauabnahme vor Ort mit Vertretern der Stadt, des LHW und des zuständigen Baubetriebs.

Fährzeit wird bis 10. August erneut angepasst

Ab 12 Uhr wurde die alte Schleusenbrücke wieder komplett für den Verkehr freigegeben. Vor allem die Gottesgnadener können angesichts zahlreicher weiterer Sperrungen in der Region nun zumindest etwas aufatmen. Denn mehr als einen Monat waren sie verkehrstechnisch zu einem echten Inseldasein verbannt.

Fähre pendelt wieder

„Aufgrund der Freigabe der Brücke ist ein nächtlicher Bereitschaftsdienst der Stadtverwaltung nicht mehr erforderlich“, sagte Bürgermeister Sven Hause kurz nach der Bauabnahme. Das LHW wird auch den schmalen Behelfsweg neben der Schleusenbrücke wieder entfernen lassen, kündigt Ulf Reimherr an.

Die Stadtverwaltung verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass ab sofort die Fähre wieder zu folgenden Fährzeiten über die Saale pendelt:

• Montag bis Freitag: 5 bis 20 Uhr

• Sonnabend: 7 bis 19 Uhr

• Sonntag: 8 bis 19 Uhr.

Diese Zeiten gelten bis zur geplanten Freigabe der Brückenstraße (Fertigstellung des Kreisverkehrs für Ortsumfahrung Süd) am 11. August. Danach werde die Stadt erneut zu den künftig dauerhaft geltenden Fährzeiten informieren.

Nach ihrer letzten großen Beanspruchung wird die alte Schleusenbrücke abgerissen werden. Der Grund: Nach Abschluss der Bautätigkeiten im Bereich der bestehenden Schleusenbrücke wird die Wasserstraßen- und Schifffahrtsvserwaltung des Bundes (WSV) ein neues Bauwerk stromabwärts errichten. Dieser Neubau wird bereits parallel zu den genannten Bautätigkeiten in der Ortslage erfolgen.