Zuchau l „Zum Dorf gehören die drei Ks - Konsum, Kneipe, Kirche“, sagt Ortsbürgermeister Jörn Weinert mit ein bisschen Wehmut, „die ersten beiden haben wir nicht mehr - da bleibt nur noch die Kirche.“ Nachdem die Kneipe schon vor Jahren aufgegeben hatte, folgt am Sonnabend der Konsum. Obwohl dort schon lange keine Rabatt-Marken mehr geklebt werden, der Laden privatwirtschaftlich betrieben wird, hielten die Zuchauer an diesem Begriff fest.

Rosemarie Fuchs, zu deren Einkauf vier schwere Saftflaschen, Eier und Zucker gehören, winkt ab. „Da bin ich jetzt auf meinen Enkel angewiesen, um zum Supermarkt zu kommen“, erklärt die 76-Jährige. So wie ihr geht es vielen älteren Menschen in Zuchau.

Zur Verabschiedung ist auch die ehemalige Bürgermeisterin Waltraud Sülzle gekommen. Sie kann sich noch gut erinnern, wie es 1975 war, als die Stelle der Verkaufsleiterin neu besetzt werden musste: „Wir saßen beim Feuerwehrball im ‚Roseneck‘, als wir uns Monika ausgeguckt haben.“ Die zierte sich nicht lange und schulte von der Gummiwerk-Kollegin zur Verkaufsstellenleiterin um. Damals - Zuchau hatte über 500 Einwohner - arbeiteten außer ihr sechs Halbtagskräfte im Konsum. Nach der Wende kamen durchschnittlich täglich 30 Kunden in den Laden. Mehr waren es, wenn es Rente gab.

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Einen Umsatzschub verursachte kurzzeitig der Deichbruch 2013, als nach Zuchau rund 300 Menschen aus Breitenhagen, Rosenburg oder Lödderitz evakuiert wurden. „Es war schlimm, man durfte die Leute anfangs kaum darauf ansprechen“, erinnert sich die 63-Jährige, die in den 41 Jahren von ihrem Ehemann „als Hausmeister“ unterstützt wurde. Die letzten Kisten Bier werden heute für das Erntedankfest verkauft. Und zwar in Kommission, wie es schon immer war.