Vorerst nur in Ausnahmen Besuche im Krankenhaus / Kein Lichterfest, keine Osterfeuer

Auf Grund der aktuellen Verbreitung des Corona-Virus sind Patientenbesuche im Ameos-Klinikum Schönebeck nur noch in Ausnahmefällen und nach vorheriger Absprache mit der Station möglich.

Die Sprechzeiten der Stadtverwaltung bleiben bis auf Weiteres bestehen, direkte Besuche sollten jedoch nur bei dringender Notwendigkeit nach telefonischer Anmeldung erfolgen. Dies gilt auch für die Wohngeldstelle.

Ab Dienstag, 17. März, werden Stadtbibliothek, Soziokulturelle Zentrum TREFF und die städtischen Sporteinrichtungen wie die Vollbring-Sporthalle für zunächst 14 Tage geschlossen.

Geschlossen wurden in Abstimmung mit dem Verein Rückenwind sämtliche Jugendclubs und –einrichtungen dieses Vereins bis zunächst 13. April: Young Generation, Piranha, Future, Plötzky, Pretzien. Es werden Notfall-Rufnummern für Kinder und Jugendliche ausgehängt, die ein dringendes Anliegen haben.

Die für den 26. März geplante Stadtratssitzung entfällt und wird in den Mai verschoben.

Der Kunsthof im Kurpark (Solepark) wird ebenfalls umgehend geschlossen. Ebenso finden weder Kurkonzerte noch das Lichterfest statt.

Osterfeuer, die bei der Stadt Schönebeck beantragt werden müssen, werden nicht genehmigt.

Der Heimattiergarten auf dem Bierer Berg bleibt zunächst weiter geöffnet, jedoch ist bei Berührungen wie im Eingangsbereich oder bei Geländern auf Hygiene zu achten.

Die Wochenmärkte werden im Rahmen der notwendigen Versorgung der Bevölkerung weiterhin durchgeführt werden können. (vs)

Schönebeck/Barby/Biere/Calbe l 161 Kindertageseinrichtungen, darunter Kindertagesstätten, Kindergärten und Horte gibt es im Salzlandkreis. Betreut werden allein dort rund 12.700 Kinder. Zudem gibt es im Salzland 85 Schulen aller Schulformen mit insgesamt 17.854 Schülern.

Seit Montag, 16. April, sollten all diese Kindereinrichtungen und sämtliche Schulen nicht nur im Salzlandkreis, sondern in ganz Sachsen-Anhalt, geschlossen sein – um die Infektionsketten des Corona-Virus zu unterbrechen. Gänzlich geschlossen waren die Kindereinrichtungen und Schulen im Kreis am ersten Tag der bis einschließlich Ostermontag, 13. April, geltenden Anweisung durch das Land Sachsen-Anhalt aber noch nicht. Schließlich gibt es eine zweitägige Übergangsphase, um zu klären, welchen Kindern eine Notfallbetreuung zusteht.

Erzieher teils freigestellt

„Die Situation gestaltet sich hervorragend“, berichtet Cornelia Kurowski, Geschäftsführerin des Volkssolidarität Kinder-, Jugend- und Familienwerks Sachsen-Anhalt. Die Volkssolidarität betreibt im Salzlandkreis acht Kindertagesstätten und zwei Horte, hat Erzieher mit eigenen Kindern bis zwölf Jahren freigestellt. In vielen der Volkssolidarität-Einrichtungen sei ohnehin nur ein Kind zu betreuen.

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So (Stand Montagmorgen), unter anderem im Hort „Ratzefummel“ an der Grundschule „Ludwig Schneider“ Schönebeck und in der Kita „Bördegeißlein“ Zens. Im Schönebecker Hort „Tintenklecks“ an der Grundschule „Karl Liebknecht“ seien am Montag sechs Kinder betreut worden und in den Kindertageseinrichtungen „Pusteblume“ und „Montessori Kinderhaus“„Montessori Kinderhaus“ (beide Schönebeck) acht beziehungsweise zwölf Kinder von eigentlich 121 beziehungsweise 93.

„Ich bin selber etwas überrascht, dass das so gut klappt“, gesteht Cornelia Kurowski: „Die Kinder, die jetzt da sind, werden wohl auch bleiben, weil ihre Eltern in den Bereichen arbeiten, in denen Kindern eine Notbetreuung zusteht.“

Notbetreuung für wenige Kinder

Die gibt es für Kinder bis zum 12. Lebensjahr, wenn beide Erziehungsberechtigten, oder der Alleinerziehende zur Gruppe der unentbehrlichen Schlüsselpersonen gehören und sich eine Betreuung anders nicht organisieren lässt. „Unentbehrliche Schlüsselpersonen“ sind Arbeitnehmer der Bereiche Gesundheit (Kliniken, Pflege, Unternehmen für Medizinprodukte), Energie- und Wasserversorgung, Lebensmittelherstellung, Arznei, Justiz, Polizei, Feuerwehr, Lehrer und Erzieher und die öffentliche Verwaltung. Bis Mittwoch, 18. März, müssen berechtigte Eltern einen schriftlichen Nachweis des Arbeitgebers oder des Dienstherren den Kindertagesstätten vorlegen.

Was die Betreuung von Kindern in Einrichtungen in Trägerschaft der Stadt Schönebeck angeht, berichtet Martin Pasewald, Leiter der Kita „Haus der kleinen Stifte“ in Plötzky, dass von den eigentlich 50 Kindern am Montag acht gebracht wurden und „alles sehr geordnet“ ablief. Eltern hätten Verständnis gezeigt, einige der acht Kinder würden nach der Übergangsphase aber wohl nicht mehr kommen dürfen.

Kitagebühren müssen gezahlt werden

Die städtische Kindertageseinrichtung „Benjamin Blümchen“ im Pretzien hätten am Montag vier der eigentlich 46 Kinder besucht. Diese wenigen Kinder müssen weiterhin ihre eigene Kita besuchen, dürfen nicht wechseln, hieß es am Montag seitens der Stadt.

Zudem teilte die Stadt Schönebeck mit, dass die „Zwerge“ der Kitas in Plötzky und Pretzien seit Montag nicht mehr durch den Anbieter mit Essen versorgt werden. Was die Kitagebühren angeht, so müssten diese „nach jetzigem Stand und Satzungsrecht weiter erbracht werden.“

Kaum Betreuung an Schulen nötig

In den Schönebecker Grundschulen hielt sich der Betreuungsbedarf insgesamt in Grenzen. „Wir hatten heute Vormittag nur einige wenige Kinder hier. Alle anderen Familien haben offenbar andere Möglichkeiten gefunden“, sagte Elvira Ludwig-Bauer, Schulleiterin der Grundschule Karl Liebknecht in der Pestalozzistraße. Allerdings hätten viele Eltern angerufen, um sich über Betreuungsangebote zu informieren. „Wir müssen daher noch die Woche abwarten, wie es sich weiter entwickelt“, sagte die Schulleiterin.

An der Montessori-Schule an der Otto-Kohl-Straße war die Nachfrage noch überschaubarer. Gerade einmal ein Kind mussten die Lehrer betreuen. Derzeit werden Briefe mit Hausaufgaben vorbereitet, die die Schüler per Post zugeschickt bekommen. Und an der Grundschule Plötzky können Eltern am heutigen Dienstag von 17 bis 18 Uhr Arbeitsaufträge die Kinder abholen.

Hausaufgaben für Schüler

Auch in den weiterführenden Schulen in Schönebeck wurden zwar Betreuungsangebote vorgehalten, allerdings nicht in Anspruch genommen. Die älteren Schüler wollten offenbar lieber zu Hause bleiben. So auch am Gymnasium Schönebeck. „Wir hatten eine Notbetreuung bis zum Mittag vorgesehen. Es ist aber niemand gekommen. Deswegen habe ich die drei eingeplanten Lehrer wieder nach Hause geschickt“, sagte Schulleiter Ulrich Plaga. Überrascht hat ihn das allerdings nicht: „Wir haben nicht wirklich mit Schülern gerechnet. Wir wollten aber trotzdem vorbereitet sein.“

Damit die Schüler auch zuhause lernen können, werden teilweise Aufgaben über das Internet verteilt. „Das ist aber nicht für alle Fächer möglich“, sagte Schulleiter Plaga.

Die Schulen in Sachsen-Anhalt sollen vorerst bis nach dem Ende der Osterferien Mitte April geschlossen bleiben. Das wird auch Auswirkungen auf die Abiturprüfungen haben, die eigenen am 27. April beginnen sollten. „Wir gehen davon aus, dass das Abitur nach hinten verschoben wird. Es gibt aber noch keinen Termin“, so Plaga.

Schulfahrten sind gestrichen

Die Pandemie könnte allerdings noch Auswirkungen auf verschiedene Studien- und Klassenreisen haben. So sind für die kommenden Monate verschiedene Fahrten geplant, etwa nach Italien, Israel und in die Niederlanden. Ob die Reisen so stattfinden können, ist allerdings noch ungewiss.

An der Sekundarschule am Lerchenfeld gab es ebenfalls keinen Bedarf für eine Schülerbetreuung. „Es ist niemand gekommen“, sagte die stellvertretende Schulleiterin Gabriele Priske. „Eine Notbetreuung wäre aber kein Problem gewesen, weil genügend Lehrer da sind.“ Derzeit werden Arbeitsblätter vorbereitet, damit die Schüler zu Hause Aufgaben bearbeiten können. „Die Schüler werden genug zu tun haben“, sagte Priske.

Auch die Berufsbildenden Schulen in Schönebeck an der Magdeburger Straße haben den Unterricht ausgesetzt. Für die älteren Berufsschüler sei allerdings keine Betreuung notwendig, hieß es aus dem Sekretariat.

Eltern organisieren gut

Die Evangelische Kindertagesstätte Gnadau betreut von 58 derzeit neun Kinder. Deren Eltern sind in der Pflege oder als Ärzte tätig. „Es ist erstaunlich und gut, wie die anderen Eltern die Betreuung ihrer Kinder organisieren“, lobt die stellvertretende Leiterin Marita Schmidt. Aktuell sind sieben Kita-Betreuerinnen im Einsatz. Sie versuchen, den Alltag so normal wie möglich zu gestalten. „Bei uns werden nicht nur die Möbel desinfiziert. Wir bereiten ein Frühlingsprojekt vor oder die üblichen Entwicklungsgespräche mit den Eltern“, so Schmidt. Und wundern sich die Kinder über die ungewöhnlich leere Kita? Der fünfjährige Arved dazu: „Kommt hier eigentlich noch wer?“ Die benachbarte Grundschule Gnadau ist komplett leer.

Die Barbyer Kindertagesstätte läuft ebenfalls auf Notbetrieb. Hier wurden gestern von 118 Mädchen und Jungen zehn betreut. Diese Zahl könne allerdings in den kommenden Tagen leicht steigen, wenn Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen tätig sind. Dort wurde den Knirpsen schon in der vergangenen Woche kindgerecht erläutert, was es mit dem Virus auf sich hat und wie wichtig Händewaschen ist. Dazu diente ein Schüssel mit Wasser, auf dessen Oberfläche Pfefferkörner schwammen. Die mit Seife gewaschenen Hände trieben sie zur Seite, ungewaschene nicht.

In den beiden Grundschulen, die sich in Trägerschaft der Stadt Barby befinden, sieht es ähnlich aus. In Barby werden sechs, in Sachsendorf keine Schüler betreut. Die Pädagogen bereiten Aufgaben vor, die den Grundschülern zum überwiegenden Teil per Mail übergeben werden sollen. Die Adressen der meisten Eltern sind bekannt.

Die Nachfrage in der Elbe-Saale Klinik Barby bliebt ergebnislos. Dort war die Mailbox auf allen Rufnummern „voll“ und konnte keine Nachrichten entgegen nehmen.

Andere Betreuungsoptionen

Die Grundschule „Friedrich Loose“ in Großmühlingen ist in die neue Woche ohne Schüler gestartet. „Die Eltern waren sehr nachsichtig und haben für ihre Kinder andere Betreuungsoptionen gefunden“, erzählt Schulleiterin Helga Frenzel. Es wäre aber zu schauen, wie sich die Situation in den kommenden Tagen entwickelt. Derweil erstellen die Lehrer einige Hausaufgaben für die Schüler. Diese werden über eine Whats-App-Gruppe der Elternvertreter an die Schüler verteilt. Damit sollen sie sich weiterhin mit schulischen Aufgaben beschäftigen können, so Frenzel.

Da die Schulleiterin der Grundschule „Juri Gagarin“ in Eickendorf momentan im Krankenstand ist, könne man keine Aussagen zu der Notfallbetreuung tätigen. Der Schulbetrieb laufe aber in geregelten Bahnen ab, teilte eine Lehrerin mit.

Kita-Frühjahrsputz in Eggersdorf

Die Kindertagesstätten, die durch die Gemeinde Bördeland verwaltet werden, gewährleisten eine Notfallbetreuung für die Kinder. Ab Mittwoch werde man nur noch die Kinder betreut, deren Eltern eine Unabkömmlichkeitsbescheinigung vorlegen können, teilte Ordnungsamtsleiter Andreas Pluntke mit. In den meisten Kitas wurden am Montag nur ein bis zwei Kinder betreut.

„Wir nutzen die Zeit, um mit dem Frühjahrsputz zu beginnen und alle Dinge zu erledigen, für die wir ansonsten keine Zeit haben“, erzählt Cornelia Naumann, Kita-Leiterin in Eggersdorf. Bei Fragen können sich die Eltern an die jeweilige Leitung der Kita oder direkt an das Ordnungs- und Sozialamt der Gemeinde wenden.

Anrufe bei Fragen

Ein Kind zur Notbetreuung hatte Kerstin Wehmann gestern in der Kindertagesstätte Regenbogen. Die Eltern hätten keine andere Lösung in der Kürze der Zeit gefunden, sagte die Leiterin der Kindertagesstätte Regenbogen. Die Betreuung des Kindes sei wichtig, damit die Eltern in der Altenpflege arbeiten können. Menschen, die in den sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten und keine Möglichkeiten sehen, ihre Kinder zu betreuen, können auf die Notbetreuungen zurückgreifen.

Die Mehrheit der Eltern der 80 betreuten Kinder in der Einrichtung der Volkssolidarität haben die Betreuung ihrer Kinder ganz ohne eine Hilfe der Einrichtung organisiert. Nur gut zehn Anrufe von Eltern habe es gegeben, schildert sie.

Der Mittagsversorger der Einrichtung hatte bereits am Freitag auf die zu erwartende Schließung reagiert und die Behälter für den Transport des Mittagessens abgeholt, erzählte sie weiter. Für diese und kommende Woche habe sie die Versorgung nun abbestellt. Für das eine betreute Kind werde die Einrichtung nun täglich ein Mittagessen im Haus zubereiten und die Lebensmittel dafür frisch einkaufen.

Wie sich die nächsten Tagen entwickeln, bleibe abzuwarten, schätzte sie ein. Ihre Kollegen seien verpflichtet in der Einrichtung zu erscheinen. Dabei bleibe auch mal Zeit für andere Dinge.