Calbe l Poltergeistern wird nachgesagt, dass sie sich in Häusern einnisten, sich dort durch übernatürliche Geschehnisse, wie umherfliegende Möbel, bemerkbar machen und die Bewohner gezielt auf Trab bringen. Von solchem Naturell scheint auch Bürgermeister Sven Hause zu sein. Raunen jedenfalls einige Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand. „Unser Bürgermeister ist wie ein Poltergeist: Wenn ich nur an den Fußweg in der Hospitalstraße denke“, grinst ein langjähriger Verwaltungsmitarbeiter, der seinen Namen freilich nicht in der Zeitung lesen möchte.

Warum?

Weil das Thema des fehlenden Rad- und Fußweges seit Jahren immer mal wieder aufflackert. Generationen von Calbenser Bürgermeistern scheiterten bisher an der Umsetzung. In dieser Zeit kam es zu mehreren Unfällen. Der jüngste ereignete sich erst zu Jahresbeginn, als eine Mitarbeiterin des Grafischen Centrums von einem Auto erfasst und schwer verletzt wurde.

Radwegbau auf gutem Weg

Noch im Frühjahr verkündete Sven Hause stolz, der Radweg-Neubau sei auf gutem Wege. Eingeplant und fest gezurrt waren aus dem städtischen Haushalt 123.532 Euro. Der Ingenieurvertrag mit dem Planungsbüro wurde unterschrieben, Vermessung, das Bodengutachten und die ökologische Bilanz in Auftrag gegeben.

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Doch wie so oft im Leben steckt der Teufel im Detail. Als die „Träger öffentlicher Belange“ einbezogen wurden - das sind überwiegend Behörden, deren Anhörung und Einbeziehung bei Bauvorhaben gesetzlich vorgeschrieben ist - hob die „Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft“ (LMBV) mahnend den Finger.

Im Bereich der Hospitalstraße befinden sich Altbergbau-Strecken des Karl-Schröter-Schachtes. Sie queren die Hospitalstraße mehrfach. Wer den Acker in Richtung Netto-Supermarkt genau betrachtet, wird zum Beispiel Senkungen entdecken, wie man sie auch im Umfeld der neuen Ortsumfahrung findet.

Senkungen mit bloßem Auge zu sehen

Die „8. Sohle“ verläuft in über hundert Metern Tiefe parallel zur Hospitaltraße, und zwar genau dort, wo der Fuß-/Radweg geplant ist. Weder das Gewerbegebiet, noch die Große Mühlenbreite, auch nicht die Hospitalstraßen-Fahrbahn sind davon betroffen. Aber eben fatalerweise der Bereich der geplanten Rad- und Fußwegtrasse. Darauf bauen geht nicht.

Also blieb dem Planer nichts weiter übrig, als den rund 500 Meter langen Weg „zu verschwenken“ und im leichten Bogen um das gefährdete Feld herumzuführen. Wodurch der Weg länger wird und sich die Kosten erhöhen. „Jetzt sprechen wir nicht mehr von 123.532 Euro, sondern von 318.266 Euro“, stöhnt Bürgermeister Hause.

Er räumt ein, dass man den Weg zwar unter „bestimmten Voraussetzungen“ wie ursprünglich geplant parallel zur Straße hätte bauen können. Aber zu welchem Preis! „Dann hätten 240 Meter Geogitter verlegt werden müssen, die die Kosten um ein Vielfaches in die Höhe treiben würden.“ (Durch Verwendung von Geogittern werden statische Lasten großflächig auf den Untergrund verteilt.)

Gebiet bald unter Kontrolle

Laut Hause will die LMBV bis 2020 das gesamte Gebiet des Karl-Schröter-Schachtes unter die Lupe nehmen, weil ja noch andere Flächen Bau-Potenzial haben.

Doch was wird nun aus dem Projekt Fuß-/Radweg Gewerbegebiet-West? „Wir haben dafür Fördermittel beim Bund beantragt. Sollten die bewilligt werden, könnten wird 2018 los legen“, so der Bürgermeister.

Und wenn nicht?

„Dann müssen wir das aus eigener Kraft voraussichtlich 2018 und 2019 in zwei Bauabschnitten schaffen.“