Schönebeck l Es ist grau. Regen ist angesagt. Die lauen Frühlingstemperaturen sind verflogen. Trotzdem sieht man bunte Banner und Plakate auf dem Domplatz in Magdeburg. Die internationale Bewegung Fridays for Future ist in Sachsen-Anhalt angekommen und hat die Schüler diesen Freitag wieder dazu bewegt, ihre Zeit lieber draußen, statt im Klassenzimmer zu verbringen. Auch einige Schüler aus Schönebeck sind dabei.

Nicht alle sehen die Bewegung positiv und wollen mit der Volksstimme über die Klimademonstrationen reden. So auch eine Schule in Schönebeck. Der Grund: Es gäbe kein Problem und das solle auch so bleiben. Namentlich wolle man nicht genannt werden. Die politische Debatte scheint großen Druck auf die Schulen auszuüben.

Zu wenig politisch engagieren?

Das Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium in Schönebeck geht offener mit der Thematik um. „Unser Problem ist eher, dass sich die Schüler zu wenig politisch engagieren. Man sollte ihr Engagement unterstützen“, erzählt Dr. Ulrich Plaga, der Schulleiter des Gymnasiums. Trotzdem sieht er es skeptisch, dass dieses Engagment in der Schulzeit stattfinden muss. „Man kann sich auch außerhalb der Schulzeit einbringen, das mache ich ja auch, wenn ich sonnabends gegen die AfD demonstriere“, sagt der Schulchef. Sanktionen für das Demonstrieren gibt es nicht. Normalerweise würde man bei Schülern, die regelmäßig oder dauerhaft unentschuldigt fehlen, Ordnungsmaßnahmen durchsetzen. Wenn Schüler aber demonstrieren gingen, würde man darauf verzichten. Überraschend ist es nicht, dass sich der Schulleiter des Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums für das politische Engagement seiner Schüler ausspricht. Die Schule positioniert sich offen gegen Rassismus und für Courage.

Die Zahl der Demonstranten ist trotzdem gering. „Es fehlen vielleicht eine Hand voll Schüler“, so Plaga. Das bestätigen auch die Schüler des Gymnasiums. Teil der Freitagsdemonstrationen waren bisher die wenigsten. Die Meinungen zu dem Thema sind gespalten. „Ich finde das ja gut, wenn man sich für Klimaschutz einsetzt, aber jetzt hat man einfach eine Ausrede zum Schwänzen“, sagt die 15-Jährige Alex.

Für Jenny sieht das anders aus. „Es geht um unsere Zukunft. Würden wir es nicht in der Schulzeit machen, würden wir doch gar keine Aufmerksamkeit bekommen“, beharrt die 14-Jährige. Die Schüler organisieren aber auch andere Projekte zum Thema Klimaschutz. Sie veranstalten beispielsweise AGs, halten Vorträge und schreiben Artikel.

Zwei Grundrechte

Das Problem der Debatte über die Schülerstreiks: Es stehen sich zwei Grundrechte gegenüber. Das Demonstrationsrecht und die Schulpflicht. Welches der beiden mehr Gewicht hat, ist nicht endgültig geklärt.

Angela Merkel positionierte sich positiv zu der Schülerbewegung. In ihrem wöchentlichen Videopodcast sagt sie: „Ich unterstütze sehr, dass Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen.“ Doch es gibt auch viele negative Stimmen. In München möchte ein Schulleiter etwa Bußgelder verhängen.

Bis es eine klare Antwort auf die Frage gibt, ob in der Schulzeit demonstriert werden darf oder nicht, werden freitags wohl weiter bunte Schilder den Domplatz zieren.