Elbenau l Wenn der siebenjährige Loris heute zu der Glocke neben der Eingangstür der Waldschule Elbenau geht und sie zum Läuten bringt, beginnt für ihn eine neue Zeit. Denn dann ist er offiziell eingeschult. Von diesem Ritual des „Einläutens der Schulzeit“ konnten ihm bereits im Vorfeld seine Geschwister Maxi (15) und Norik (13) erzählen. Denn sie alle haben die Waldschule besucht. Maxi, die 2008 bei der Wiedereröffnung der Waldschule in die erste Klasse kam, erinnert sich: „Damals war es eine sehr familiäre Atmosphäre. Wir waren zu neunt in einer Klasse.“

Ihr Klassenlehrer war kein geringerer, als Schulleiter Frank Faust persönlich. „Wenn ich den Zeitungsartikel von damals lese, kann ich mich nur zu gut an den ersten Schultag in Elbenau erinnern“, sagt dieser. Er denkt dann auch daran zurück, wie spartanisch damals alles noch eingerichtet war.

Wagnis: Elbenau

Frank Faust hatte bereits Erfahrung als Schulleiter – vor seiner Zeit in Elbenau war er als Leiter der heutigen internationalen Grundschule „Pierre Trudeau“ in Barleben tätig. Dann bekam er das Angebot, Schulleiter der Waldschule Elbenau zu werden, die damals dem Verein Nestwärme angehörte. Seit 2009 ist die Oscar-Kämmer-Schule Träger der Waldschule.

„Es war ein Wagnis, nach Elbenau zu gehen. Schließlich galt es, einen Ruf zu erarbeiten“, so Faust. Doch schon damals sprach ihn das gesundheitlich-ökologische Konzept der Schule an. „Anfänglich war ich der einzige Festangestellte und habe für die Obstpause die Früchte geschnippelt, während die Kinder gespielt haben“, erinnert er sich. Heute macht das eine Kollegin in der Küche.

Auch in der Schule sowie auf dem Schulhof hat sich vieles verändert: Es gibt neue Möbel, ein Amphitheater, an dem die Eltern mitgebaut haben, einen Schul-Gemüsegarten und sogar einen Stall mit Kaninchen, die die Schüler versorgen.

Firma baut Seilgarten auf

Vater Swen Kubbe macht noch auf eine weitere Attraktion auf dem Schulgelände aufmerksam: den Seilgarten. „Den habe ich mit meiner Firma hier vor ein paar Jahren gebaut“, erzählt er. Der Seilgarten steht mitten auf dem Schulhof, der umgeben von Wald ist.

Fragt man die Kinder der Familie Kubbe, ist das viele Grün eine der Sachen, die sie an ihrer Grundschulzeit so schätzen gelernt haben. „Ich habe hier in den Pausen viel draußen gespielt“, sagt Norik. Maxi fügt hinzu: „Mit einigen meiner damaligen Mitschüler bin ich bis heute befreundet.“ So gehen vier ihrer damaligen Mitschüler ebenfalls aufs Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium in Schönebeck. Das Gymnasium besucht jetzt auch Norik. Mutter Bianca Kubbe erzählt: „Auch wir Eltern kennen uns in Elbenau untereinander.“

Doch nicht nur die Kinder und Eltern sind vom „Lernen am Wald“ begeistert. Auch Frank Faust sagt: „Andere fahren am Wochenende ins Grüne, ich jeden Tag.“ Dass die Schule gut ankommt, zeigen die Anmeldezahlen. Faust erzählt, dass es dieses Jahr 41 Anmeldungen gab – auf nur 18 Plätze. Denn zum Konzept der Schule gehören auch kleine Klassen. Faust: „Daran halten wir uns. Auch wenn es weh tut, mehr Ab- als Zusagen zu schreiben.“ Bei der Auswahl haben Geschwisterkinder Vorrang.

Die Gloche läuten

Für Familie Kubbe stellte sich nach Maxi und Norik nie die Frage, ob Loris in Elbenau eingeschult wird. „Er hat die Schule schon als Kleinkind mitbekommen und kennt hier schon viele – auch durch die Vorschule“, so Bianca Kubbe. Dort habe er bereits seine Mitschüler kennengelernt, mit denen eram Sonnabend eingeschult wird.

In vier Jahren wird Loris übrigens wieder zu der Glocke neben der Schultür gehen. Wenn sie dann erklingt, bedeutet das jedoch dieses Mal das Ende seiner Grundschulzeit an der Waldschule. Für Bianca und Swen Kubbe heißt das noch längst nicht, dass auch ihre Zeit mit der Waldschule vorbei ist. „Zum einen werden wir ab und zu auf Schulfesten vorbeischauen“, so Bianca Kubbe.

Und ihr Mann Swen hat noch einen weiteren Grund dafür, der Schule im Grünen regelmäßig einen Besuch abzustatten. Swen Kubbe erzählt: „Mit dem Bau des Seilgartens haben wir uns auch für die Wartung und Reparatur verpflichtet. Und zwar lebenslänglich.“