Schönebeck/Staßfurt l Noch ist sie nicht auf deutschem Staatsgebiet nachgewiesen worden, doch hinsichtlich der Afrikanischen Schweinepest schlagen die Behörden Alarm. So auch das Landratsamt in Bernburg: „Wir wollen uns präventiv auf die Situation einstellen“, erklärt Landrat Markus Bauer (SPD). Das heißt was konkret? Um die verstärkte Bejagung von Schwarzwild zu befördern, verzichtet der Salzlandkreis auf die sonst übliche Gebühr für eine Trichinenuntersuchung und übernimmt die Kosten. Dies gilt für die Jäger im Salzlandkreis vorerst bis März 2019. Zudem sollen die Kosten für eine Entsorgung von Tieren, die von dem sogenannten Duncker‘schen Muskelegel befallen sind, ebenso vom Landkreis übernommen werden.

Schutz der Hausschweinbestände

Die Dezimierung des Schwarzwildbestandes führe zur Reduzierung des Übertragungsrisikos, so die Begründung. „Früherkennung und die Verhinderung der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest sind wichtige Eckpunkte auch für den Schutz der Hausschweinbestände“, betont Dr. Marina Bradtke, sie ist die Fachdienstleiterin für Veterinärangelegenheiten und Gesundheitlichen Verbraucherschutz im Salzlandkreis und zugleich die Amtstierärztin.

Die mögliche Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest stelle eine starke Bedrohung für Haus- und Wildschweinbestände dar und hätte gravierende wirtschaftliche Konsequenzen, sind sich die Verantwortlichen im Landratsamt sicher. Deshalb soll die Wildschweinpopulation wesentlich reduziert werden, mit anderen Worten: Der Abschuss von Wildschweinen ist ausdrückliches Ziel. Die Gefahr, dass durch mehr und intensivere Kontakte zwischen den Tieren Seuchen wie die Schweinepest schneller übertragen werden, sei hoch. Eine starke Reduzierung der Population soll eine schnelle Ausbreitung der Krankheit verhindern.

Nachholbedarf

„Während die erwerbsmäßig Schweine haltenden Betriebe ihre Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Tierbestände erhöhen, besteht bei den privaten Schweinehaltungen zum Teil Nachholbedarf“, argumentiert die Amtstierärztin. Deshalb sind auf der Internetseite des Salzlandkreises Merkblätter mit Hinweisen einsehbar: www.salzlandkreis.de/verwaltung/fachdienste-plattform/31-vet-verbraucherschutz/.

Demnach dürfen tierische Speise- und Küchenabfälle nicht an Haus- und Wildschweine verfüttert werden. Der Hinweis, dass fremde Schweineställe nicht zu betreten sind, sollte ohne Ausnahme befolgt werden, das Betreten von Schweineställen ist für Unbefugte verboten. Zum konsequenten Hygienemanagement gehöre beispielsweise die Nutzung von Desinfektionsmatten beziehungsweise der Schuhwechsel, die Reinigung und Desinfektion des Transportfahrzeugs, die Abholung toter Tiere außerhalb der Schweinehaltung sowie die ordnungsgemäße Schädlings- und Schadnagerbekämpfung.

Kontakt unterbinden

Der direkte und indirekte Kontakt von Hausschweinen zu Wildschweinen ist zu unterbinden, fordert Dr. Marina Bradtke. Zur Vermeidung der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest sollten Betriebsgelände eine wildschweinsichere Umzäunung haben, die Lagerung von Futtermitteln und Einstreu für Wildschweine nicht zugänglich erfolgen.

Maßnahme "nicht hilfreich"

Mathias Cosic aus Förderstedt gehört zur Jägerschaft im Salzlandkreis. Er beurteilt das Agieren des Salzlandkreises als „nicht hilfreich“. Mit der Einsparung von acht Euro für eine Trichinenuntersuchung werde wohl kein Jäger animiert, öfter auf die Jagd nach Schwarzwild zu gehen. Viel besser wäre, wie in anderen Bundesländern bereits geschehen, das Erlauben von Schalldämpfern für Jagdgewehre und das Verteilen von Nachtsichtgeräten, denn: „Wildschweine sind bekanntlich nachtaktiv. Wir können sie nur in Mondnächten bejagen.“ Hilfreich wären auch Schussschneisen, die etwa von Landwirten vermehrt angelegt werden müssten. Laut Cosic gibt es im Salzlandkreis an mehreren Stellen hohe Wildschweinpopulationen, so in Pretzien, Barby, Nienburg und Egeln.

"Nicht einfach zuschauen"

Kreisjägermeister Jens Hennicke hingegen begrüßt ausdrücklich die Maßnahme des Landratsamtes. Die habe er kürzlich in einem Gespräch mit Verwaltungsmitarbeitern selbst vorgeschlagen. „Die Frage ist doch, wie können wir eine Ausbreitung der Krankheit verhindern? Wir können doch nicht einfach zusehen und abwarten“, zielt Hennicke auf den Handlungsbedarf ab. Genau deshalb sei ein Maßnahmepaket erarbeitet worden, wovon die Übernahme der Gebühr ein Punkt ist. Er sei auch mit dem Kreisbauernverband im Gespräch, denn das Mehr an „bestem Wildschweinbiofleisch“ müsse schließlich auch vermarktet werden.