Schönebeck/Bernburg l Auf die jährliche Pressekonferenz zur Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik in Bernburg hat das Revier des Salzlandkreis in diesem Jahr verzichtet. Nicht, dass es nichts zu berichten gäbe. Doch in Zeiten des Coronavirus wollte man aus Sicherheitsgründen auf eine öffentliche Veranstaltung mit mehreren Beamten und Medienvertretern lieber verzichten. Und so würde die Präsentation mit den relevanten Zahlen für das Jahr 2019 vom Pressesprecher der Polizeirevier im Salzlandkreis, Marko Kopitz, nun per E-Mail an die Medien verschickt.

Laut dieser aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik ist die Zahl der Straftaten 2019 um 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen (2019: 11 293, 2018: 11 787 Straftaten). Dieser Rückgang wird bei der Polizei im Allgemeinen auf den dauerhaften Ermittlungsdruck zurückgeführt, aber auch verschiedene Präventions- und Aufklärungsprogramme. Diese Zahlen beziehen sich jedoch ausschließlich auf Verdächtige. Die Daten sagen noch nichts darüber aus, ob die ermittelten Personen auch schuldig waren oder von einem Gericht schuldig gesprochen wurden.

Bei weniger Straftaten ist jedoch auch die Aufklärungsquote von 54,4 Prozent auf 52,7 Prozent gesunken. In ganz Sachsen-Anhalt konnten hingegen durchschnittlich rund 55 Prozent aller Verbrechen aufgeklärt werden. Ursachen dafür wurden zunächst nicht mitgeteilt.

Weniger Verbrechen und weniger Verdächtige

Auch die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen sank dabei minimal von 4371 im Jahr 2018 auf 4334 im Jahr 2019. Das entspricht einem Rückgang von unter einem Prozent. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen, wie es im Polizeijargon heißt, lag dabei bei 11,2 Prozent, im Vergleich zu 9,3 Prozent im Vorjahr.

Die Verdächtigen waren in rund zwei Drittel aller Fälle männlich. So wurden im Vorjahr 3159 Männer ermittelt, aber nur 1175 Frauen. Der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren ist leicht auf 21,7 Prozent oder 942 Personen gestiegen. Darunter waren 243 Kinder bis 14 Jahre, 409 Jugendlichen im Alter von 14 bis 19 Jahre und 290 Heranwachsende im Alter von 18 bis 20 Jahre. Der größte Anteil der ermittelten Personen, insgesamt 3392, waren allerdings älter als 20 Jahre.

Bei der Polizei gilt der Salzlandkreis nicht als besonderer Kriminalitätsschwerpunkt, auch nicht für einzelne Deliktarten. So bleibt die größte Deliktgruppe mit einem Anteil von 22,7 Prozent in der Rubrik „sonstige Straftaten“ relativ vage. Darunter werden einzelne Straftaten wie Erpressung, Hausfriedensbruch oder Beleidigungen zusammengefasst, die nicht unter die anderen größeren Deliktgruppen fallen.

Diebstähle sind am häufigsten

Am häufigsten sind laut der Kriminalstatistik Diebstähle, darunter besonders schwere Diebstähle mit einem Anteil 21,8 Prozent aller Verbrechen und einfacher Diebstahl (18 Prozent). Es folgen Betrug und Fälschungen (15,5 Prozent) und so genannte Roheitsdelikte wie Körperverletzung (15,3 Prozent.

Sehr unterschiedlich fällt allerdings die Aufklärungsquote bei den unterschiedlichen Verbrechensarten aus. Sie liegt bei Roheitsdelikten bei 91,9 Prozent, bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung bei 88,6 Prozent, bei Vermögensdelikten bei 58,8 Prozent und bei Straftaten gegen das Leben bei 50 Prozent.

Auch wenn der Salzlandkreis grundsätzlich kein Schwerpunkt für Drogenkriminalität ist, haben die Rauschgiftdelikte im vergangenen Jahr nach vorherigen Erfolgen wieder zugenommen. Stieg die Zahl der Fälle im Zusammenhang mit Betäubungsmittelkriminalität von 470 auf 577 im Jahr 2019 an. Konsumiert wurden vor allem Cannabisprodukte (189 Fälle), Methamphetamin (103 Fälle), Ecstasy (66 Fälle), Kokain (15 Fälle) und Heroin (15 Fälle).

Mehr Widerstand gegen Polizeibeamte

Im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln erwähnt die Polizei auch die Beschaffungskriminalität der Konsumenten. Dazu wird nicht zuletzt der Diebstahl von Fahrrädern gezählt. Zwar ist deren Zahl zuletzt um 45 Fälle auf 607 gesunken. Das sei allerdings immer noch eine recht hohe Fallzahl, bewertete Polizeisprecher Marko Kopitz vom Revier aus Bernburg das Ergebnis.

Ein Rückgang wurde auch bei den Diebstählen verzeichnen (-9,7 Prozent auf 4448 Fälle) bei den Vermögensdelikten (Minus 19,7 Prozent auf 1737 Fälle), die generell die größte Deliktgruppe ausmachen. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist hingegen leicht um fünf Prozent auf 187 Vorfälle gestiegen. Das entspricht etwa einem Einbruch alle zwei Tage im Salzlandkreis.

Wie bereits im Vorjahr waren die Polizisten hierzulande wieder verstärkt mit Gegenwehr konfrontiert. So stieg die Zahl der angezeigten Widerstandshandlungen gegen Polizeibeamten von 38 auf 42 Fälle oder um 9,5 Prozent. „Der einzige positive Aspekt in diesem Deliktbereich ist die Aufklärungsquote von 100 Prozent“, teilte Polizeisprecher Marko Kopitz mit. Dies ermögliche Zumindest auch eine schnelle Bestrafung der Täter.