Plötzkau l Im Salzlandkreis bei Plötzkau ist ein Auto von der Straße abgekommen, hat sich überschlagen und blieb anschließend auf dem Dach liegen. An diesem Dienstag im Juni geht der Unfall tragisch aus. Die drei Insassen konnten den Wagen, der in Brand geraten war, nicht mehr verlassen. Die drei befreundeten Rentnerinnen verbrannten bis zur Unkenntlichkeit.

Ein Auto, das nach einem Überschlag in Brand gerät - was an Tragik nur schwer zu überbieten ist, kommt auch nicht oft vor, wie die Dekra in Stuttgart auf Nachfrage erklärt. Auf wenn es keine Zahlen dazu gibt: "Brände, die in Folge eines Verkehrsunfalls auftreten, sind wirklich etwas sehr seltenes", weiß Markus Egelhaaf, Teamleiter der Unfallforschung. Das Risiko für einen Fahrzeugbrand generell liegt laut ADAC, bezogen auf die Gesamtzahl aller Unfälle, bei unter einem Prozent. Aber was könnte dort passiert sein?

Zwei Gründe als Brandursache

Ein solcher Brand nach einem Unfall kann nur auf einen schweren Schaden zurückzuführen sein. Besonders im Motorraum können durch schwere Beschädigungen Einspritzleitungen oder ölführende Leitungen zerbersten. "Oder auch wenn die Ölwanne beschädigt wird, läuft entzündliche Flüssigkeit aus", erklärt Egelhaaf. Da das Auto in der Regel warm oder heiß gefahren sei, trifft/treffen der auslaufende Sprit und die Öle dann auf heiße Flächen und es kommt zur Entzündung. Bei elektronischen Teilen, die sich häufig im Motorraum befinden, könnten zudem Kürzschlüsse entstehen, die auch zum Brand führen können.

Dabei ist es egal, ob es sich um ein Diesel- und Benzinmotor handelt. Laut dem Dekra-Experten gibt es bei der Häufung keine Unterschiede. Nur die Entzündung ist eben eine andere. Beim Benzin brauche es einen Funken, beim Diesel reiche der Kontakt mit den heißen Flächen, so Markus Egelhaaf. Auffällige oder besonders anfällige Fahrzeugtypen gebe es nicht. "Was einen Brand angeht, kann man nicht sagen, dass der Kleinwagen jetzt unsicherer ist als das große Fahrzeug", erklärt er.

Grundlegend muss es also einen schweren Schaden geben - nur ein heiß gefahrenes Auto reicht nicht aus. Ob der Wagen im Salzlandkreis noch einen Baum touchierte und dabei schwer beschädigt oder er durch den Überschlag so heftig demoliert wurde, ist im Nachgang kaum klärbar. Wie ein Polizeisprecher vom Revier in Bernburg bestätigt, seien laut Gutachten beim Unfallauto keine technischen Probleme festgestellt worden. Wenn die Ursache nicht mehr genau zu klären ist, gehe man nach dem Ausschlussverfahren vor, so der Sprecher. "Und wenn er kein Problem am Auto war, kann es nur die andere Ursache gewesen sein." In diesem Fall geht die Polizei von einem gesundheitlichen Problem der Seniorin am Steuer aus.

Bilder im kopf

Als die ersten Einsatzkräfte der Feuerwehren am Unfallort eintrafen, konnten sie den drei Damen im Auto nicht mehr helfen. Sie hatten dennoch alle Hände voll zu tun, den Brand zu löschen und die Ausbreitung des Feuers einzudämmen. Das solche Einsätze nicht spurlos an den freiwilligen Helfern vorbeigehen, weiß der erfahrene Feuerwehrmann und Schönebecker Stadtwehrleiter Daniel Schürmann. Neben der eigenen Aufbereitung des Einsatzes unter den Feuerwehrleuten hilft bei besonders schweren Fällen das Kriseninterventionsteam, erklärt er im Gespräch. Solche tragischen Fälle wie dieser seien allerdings sehr selten. Er selbst hat bereits ein älteres Ehepaar nach einem Unfall in den Flammen zu Tode kommen sehen. Bilder, die wahrscheinlich nie mehr aus dem Kopf gehen. "Wir sprechen dann sehr offen darüber. Danach soll sich niemand in sein Kämmerlein zurückziehen", sagt Schürmann.

Mindern lässt sich die Gefahr eines Autobrandes nicht. Die schnell Ausbreitung eines Feuers birgt Probleme. "In zehn bis 15 Minuten stand mein Auto in Vollbrand", erinnert sich der Schönebecker Stadtwehrleiter an einen eigenen Autobrand. Der ADAC spricht sogar von acht Minuten bis zum Vollbrand. Nicht viel Zeit zum Agieren für Ersthelfer. Aber hier zählt der Versuch einer möglichen Retttung unter Abschätztung des Risikos. Zumindest explodieren kann eine Auto so schnell nicht, auch wenn es brennt.