Schönebeck l Voller Farbenpracht sprühen die Fontänen Funken, bunte Blitze zucken am Himmel, es knallt und donnert auf den Straßen, die dunstigen Nebelschwaden riechen nach Schwefel – Silvester ist ein Fest für alle Sinne. Doch was wir Menschen meist noch gut vertragen, was uns mitunter erfreut, das ist für die Tierwelt vor allem eines: blanker Stress.

„Wenn um Mitternacht, und leider auch Stunden zuvor, Raketen, Knallfrösche und Böller gezündet werden, steigt auch das Stesslevel vieler Tiere explosionsartig an“, sagt Michael Wunschik, Vorsitzender der Schönebecker Gruppe des Naturschutzbundes (Nabu). Hunde- und Katzenbesitzer wüssten nur zu gut, wie schwer es ist, die verängstigten Tiere in der Silvesternacht zu beruhigen, so Wunschik.

Drastische Auswirkungen

Die Auswirkungen auf Wildtiere sind sogar besonders drastisch. Durch Explosionen aus der Nachtruhe gerissen, flüchten die Tiere und verlieren dabei viel Energie. Energie, die sie in der kalten Jahreszeit eigentlich einsparen müssen, erklärt der Nabu-Vorsitzende. „Vögel flüchten in die Luft, finden stundenlang keinen Schlafplatz und fliegen teilweise bis zur Erschöpfung umher. Manche Vögel verlieren die Orientierung und erleiden ein Anflugtrauma“, erklärt Wunschik.

Daher begrüßt der Nabu-Mann, dass einige Händler auf den Verkauf von Silvesterraketen, Böller und Co. verzichten wollen. So hat beispielsweise die Baumarktkette Hornbach angekündigt, ab 2020 kein Feuerwerk mehr ins Sortiment zu nehmen. Dieses Jahr verkaufen die Baumärkte aber noch die Feuerwerksartikel, da die Ware schon geliefert ist.

Feinstaub durch Feuerwerk

Einzelne Rewe- und Edekahändler wollen aber bereits in diesem Jahr auf den Verkauf der Pyrotechnik verzichten. Böller und anderes Feuerwerk stehen nämlich in der Kritik, Feinstaub zu verursachen, der die Gesundheit beeinträchtigt und gefährdet. „Die Wirkungen reichen von vorübergehenden Beeinträchtigungen der Atemwege über einen erhöhten Medikamentenbedarf bei Asthmatikern bis zu Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen“, informiert das Umweltbundesamt. Rund zwei Prozent der jährlich freigesetzten Feinstaubmenge in Deutschland wird allein in der Silvesternacht ausgestoßen.

Darüber hinaus bergen die Feuerwerkskörper noch weitere Gefahren. Jedes Jahr werden Menschen durch Feuerwerkskörper verletzt und landen in der Notaufnahme – mit Verbrennungen oder Augenverletzungen bis hin zu dauerhaften Hörschäden. Laut Umweltbundesamt erleiden in Deutschland jährlich 8 000 Menschen zu Silvester Verletzungen des Innenohrs durch Feuerwerkskörper. Etwa ein Drittel dieser Menschen leidet unter bleibenden Schäden.

Keine Vorgaben

Die Rewe-Märkte in Schönebeck und auch das E-Center halten aber an dem Geschäft mit den Feuerwerksartikeln fest. So sagt Alexandra Pikulla, Leiterin des Schönebecker E-Centers, dass sie keine Vorgaben bekommen habe, auf die Artikel zu verzichten. „Wir verkaufen weiterhin Feuerwerk“, sagt sie. Eine Vorgabe ist auch gar nicht nötig, wie Julia Katharina Simon aus der Presseabteilung der Edeka Minden-Hannover Stiftung & Co. KG mitteilt. „Unsere Kaufleute entscheiden eigenständig über die Sortimentsgestaltung in ihren Märkten. Auch die Entscheidung über das Angebot von Feuerwerken liegt im Ermessen der Marktinhaber“, informiert Simon.

Den selbstständigen Rewe-Kaufleuten ist es laut Rewe-Pressesprecher Thomas Bonrath freigestellt, selbst zu entscheiden, ob sie Böller und Raketen verkaufen wollen oder nicht. Die beiden Märkte in Schönebeck bieten die Knaller an. Simone Nieß, Leiterin des Marktes an der Schillerstraße, sagt: „Ich persönlich mache mir nichts aus der Knallerei, aber der Verkauf ist fest eingeplant.“

Verkauf eingeplant

Und auch der Rewe-Markt, Schwarzer Weg, wird Feuerwerk verkaufen, Marktleiterin Birgitt Ziems sagt: „Das ist so eingeplant, die Artikel sind schon lange bestellt. Und wenn ich es nicht verkaufe, dann kaufen die Kunden es halt woanders – es wäre also einfach ein Verzicht auf Umsatz.“

Stichwort: „Verzicht“. Die Nabu Gruppe Schönebeck legt den Tierfreunden ans Herz, an Silvester auf die Knallerei zu verzichten. Wenn das Feuerwerk trotzdem sein muss, sollte man es unbedingt auf betonierten und asphaltierten, baumfreien Plätzen veranstalten, um Rückzugsgebiete der Tierwelt zu respektieren. Das Aufsammeln und Entsorgen der Reste und Verpackungen danach sollte eine Selbstverständlichkeit sein, so Michael Wunschik.