Cokturhof-Areal

So kann es werden

Der Stadtrat Schönebeck hat den Weg geebnet: Die Wegehaupt Gruppe kann mit weiteren Investoren das Cokturhof-Areal beleben.

Von Heike Liensdorf

Schönebeck/Eggersdorf l Das Cokturhof-Areal hat Potenzial. Davon sind Wegehaupts überzeugt. Die Immobilienmakler und Architekten aus Eggersdorf sind ein Familienunternehmen – mit Andrea und Jürgen Wegehaupt und die Töchter Anke und Katja sowie weiteren Mitarbeitern. Alle sind in das Projekt involviert und Feuer und Flamme dafür. Seit langem haben sie ein Auge darauf geworfen, „das Gelände ist schon immer schön gewesen und liegt toll an der Elbe“, sagt Jürgen Wegehaupt. Fast zwei Jahre habe es gedauert, bis der Bebauungsplan geändert wurde – aus der reinen Verwaltungsnutzung ist ein Mischgebiet mit touristischem Hintergrund geworden. Denn einige Jahre nach der Kreisfusion ist auf dem Gelände des ehemaligen Landratsamtes Altkreis Schönebeck noch ein Teil der Verwaltung untergebracht gewesen.

Nun ist ein Meilenstein geschafft. Der Stadtrat hat Baurecht geschaffen. Die Investoren atmen durch und freuen sich aufs Umsetzen ihrer Ideen. Sie rechnen damit, insgesamt bis zu 15 Millionen Euro in das Areal zu investieren. Einige Mitstreiter sind bereits im Boot, weitere werden noch gesucht. Ihr Ziel ist definiert: „Das Areal soll ein lebendiger Ort werden“, betont Anke Wegehaupt. „Wir wollen den Bogen schlagen zur Salineinsel. Die ganze Ecke dort soll davon profitieren.“ Da das Cokturgebäude (einst Sitz der Hauptverwaltung) und das Fachwerkhaus (ehemals Zulassungsstelle) unter Denkmalschutz stehen, sei es Wunsch und Pflicht zugleich, dass sich alle Gebäude einfügen, alles stimmig wirkt. Wegehaupts haben klare Vorstellungen, wie das Gelände in Zukunft aussehen soll: Wohnen und Gewerbe im Einklang miteinander.

Für einen Teil des Cokturgebäudes gibt es bereits einen Investor. In dem zur Elbe gerichteten Bereich plant dieser in der unteren Etage ein Restaurant, in der Mitte ein Hotel und im Dachgeschoss Wohnungen. Vor allem Familien mit Kindern sollen angesprochen werden, erzählt Anke Wegehaupt. So soll sich der Gastrobereich auch über einen Vorplatz erstrecken, in unmittelbarer Nähe soll es einen Spielplatz geben. „So, dass die Eltern auf der Terrasse sitzen und dennoch ihren Kindern beim Spielen zusehen können“, so die Architektin. Und es ist eine Veranstaltungsbühne geplant für Konzerte im Freien. Dass im einstigen Verwaltungshaus auch Platz zum Wohnen sein wird, ist bereits abgestimmt, betont sie. Fünf Wohnungen sollen entstehen, 80 bis 130 Quadratmeter groß, Glasfronten, Blick zur Elbe, erreichbar durch einen Aufzug auf der Rückseite des Hauses. Alles zurückgesetzt, um dem denkmalgeschützten Objekt „die Show nicht zu stehlen“. Jürgen Wegehaupt sagt, zwei Interessenten hätten sich schon vor anderthalb Jahren für eine solche Wohnung angemeldet.

Investoren gibt es auch schon für den Block, in dem einst das Kreis-Bauordnungsamt untergebracht war: Anke und Katja Wegehaupt selbst. Dort sollen 20 Wohnungen entstehen, zwischen 60 und 140 Quadratmeter groß. „Wohnen ist unser Steckenpferd“, sagt Anke Wegehaupt und freut sich schon jetzt aufs Gestalten. Schmunzelnd sagt sie: „Wir planen immer so, dass wir am Ende gern selbst einziehen möchten.“ So wolle man nicht nur mit dem Architekturbüro auf das Gelände ziehen, sondern auch mit einem eigenen Projekt verankert sein.

Einen persönlichen Wunsch haben die Eggersdorfer für die zwei Gebäude entlang der Barbyer Straße (früher Lagerhaus, zuletzt Archiv des Altkreises Schönebeck). „Wir ernähren uns gesund, finden vor Ort aber kaum Einkaufsmöglichkeiten. Wir wissen, dass der Bedarf auch bei anderen da ist“, versichert Anke Wegehaupt. Deshalb suchen sie Investoren, die ihre Visionen nach einem Bio-Frischmarkt, einer Bioteria und einer Bio-Kita mit Herzblut mittragen und umsetzen. „Wir können das Vorhaben nicht selbst realisieren“, räumt sie ein, „würden uns aber gern mit engagieren.“

Wie das Fachwerkhaus genutzt werden kann, sei noch unklar. Jede Idee ist willkommen.

Und wie geht es nun weiter? Mit der Stadt müsse noch ein Erschließungsplan für den Radweg geschlossen werden. Dieser soll von „Weltrad“ kommend entlang des Hochwasserschutzes bis zur Barbyer Straße führen. Wie Jürgen Wegehaupt erklärt, bezahlt diesen öffentlich nutzbaren Weg die Stadt, der Eigentümer stellt die Fläche zur Verfügung. Die Eggersdorfer werden eine öffentliche Straße vom Eingang Barbyer Straße bis zum Wendehammer bauen. „Das ist alles schon abgestimmt und nur noch eine Formalie.“ Dann werden die Bauanträge für die einzelnen Vorhaben eingereicht. Denn: Im Frühjahr 2019 wollen sie mit Bauen anfangen. Als Architekten sind sie bis zur Fertigstellung dabei. „Wenn ich 2020 auf der Terrasse ein Bier trinken kann, wäre das perfekt“, sagt Jürgen Wegehaupt. Ihm ist bewusst, dass es aufgrund der niedrigen Zinsen derzeit überall viele Investitionen gibt. Die Auftragsbücher der Firmen sind übervoll. Doch er ist optimistisch. „Vieles können wir mit unseren Mitarbeitern selbst machen oder wir haben gute Kontakte. Ich denke, das Projekt ist für Firmen interessant“, blickt er zuversichtlich auf die kommende Zeit.