Spezielle Zweige für besondere Zwecke

Einst wurde das Schönebecker Gradierwerk zur Salzgewinnung errichtet. Heute dienen die verbliebenen 300 Meter Gradierwerk kurativen Zwecken, speziell der Produktion des feinen, salzhaltigen Inhalationsnebels, der entlang des Gradierwerks eingeatmet werden kann. Um diesen erzeugen zu können, tropft die Sole entlang des Schwarzdorns. Dieser wird auch Schlehe genannt und ist ein Strauch, der in großen Plantagen in Polen angebaut wird und dort vom Solepark gekauft wird.

Bad Salzelmen l Schon seit einigen Tagen stapeln sich unzählige Schwarzdornbündel entlang des Schönebecker Gradierwerks an der Eggersdorfer Straße. Grund dafür: Ein kleiner Teil des Schwarzdorns des Gradierwerks soll ausgetauscht werden. „Die Vorbereitungen für den Austausch des Schwarzdorns laufen derzeit. So wurde hierfür bereits ein Gerüst errichtet. Der Austausch erfolgt auf beiden Seiten und beginnt voraussichtlich ab der kommenden Woche mit der Entnahme des alten Schwarzdorns“, erklärt Solepark-Sprecherin Linda Pickert auf Volksstimme-Anfrage.

Aber nicht der komplette Schwarzdorn, den viele auch unter dem Begriff Schlehe kennen, soll ausgetauscht werden. Jährlich seien es rund 100 Quadratmeter Schwarzdorn, der getauscht würde. Ein kontinuierlicher Prozess also. „Dabei wird darauf geachtet, dass die Flächen getauscht werden, an denen sich viel Dornstein angelagert hat“, sagt die Sprecherin. Denn: Der sogenannte Dornstein verändert durch seine Anhaftung die Oberfläche des Schwarzdorns. Sie wird glatt und die herab rieselnde Sole kann nicht mehr an den Dornen des Schwarzdorns in feine Tröpfchen zerspringen. Der gewünschte feine Inhalationsnebel kann so nicht mehr erzielt werden. Und diesen zu erzeugen ist heutzutage schließlich Sinn und Zweck des Gradierwerks, das zum Schönebecker Kurpark gehört.

Gerade Schwarzdorn, sei besonders gut für das Betreiben von Freiluftinhalatorien, wie es das Gradierwerk eines ist, geeignet, erklärt Linda Pickert, da er eine äußerst widerstandsfähige Rinde besitze, die lange Zeit der Solebelastung standhält. Die für den Schwarzdorn charakteristischen, feinen Dornen ermöglichen nämlich eine besonders feine Zerstäubung der Sole und erzeugen so den gewünschten Aerosolnebel.

Eingebracht wird der Schwarzdorn von einer Fachfirma. Sobald der von Dornstein überzogene alte Schwarzdorn entfernt wurde, werden die frischen Bündel in sogenannte Fächer gestopft. Und das geht bis heute nur in Handarbeit, also nicht maschinell.

30.000 Euro werden investiert

Was die Kosten für diesen kontinuierlichen Austausch angeht berichtet Solepark-Sprecherin Linda Pickert: „Es werden jährlich etwa 30.000 Euro für die Beschaffung des Schwarzdorns investiert. Dazu kommen vor Ort noch die Kosten für den Aus- und Einbau des Schwarzdorns von ca. 25.000 Euro sowie Kosten für die Entsorgung des ausgebauten, verschlissenen Schwarzdorns in Höhe von ca. 4000 Euro. Allein für diese Arbeiten fallen also jährlich knapp 60.000 Euro an.“

Grundsätzlich koste der Erhalt und Unterhalt des Gradierwerks viel Geld, da es sich um ein Verschleißbauwerke handele. Das Holz ist stetig Witterungseinflüssen ausgesetzt und muss ständig instand gehalten werden, da alle Teile naturbelassen verbaut werden müssen, um den kurativen Zweck erfüllen zu können.