Schönebeck l Schönebeck verliert demnächst zwei seiner größten Jugendclubs. Das Jugendfreizeitzentrum Rainbow der Arbeiterwohlfahrt an der Otto-Kohle-Straße soll bereits zum Ende Juni 2019 zugemacht werden. Das Kinder- und Jugendbüro Piranha des Vereins Rückenwind an der Bahnhofstraße wird nach derzeitigen Plänen zum Ende 2020 schließen.

Grund für die Schließungen ist der Wegfall von Fördergeldern. Durch die Umstellungen von EU-Förderprogrammen hat der Jugendclub Rainbow bis heute keine Zusage über einen notwendigen fünfstelligen Zuschuss. Damit fehlen für das laufende Jahr immer noch die Hälfte der Personalkosten. Die Folge: „Wir werden den Jugendclub Rainbow in Schönebeck schließen müssen, um den Teen Club in Barby erhalten zu können“, sagte Ines Grimm-Hübner, Geschäftsführerin der Awo im Salzlandkreis.

Barby statt Schönebeck

Die Entscheidung sei schwer gefallen. Allerdings sei es weder den Jugendlichen noch der Mitarbeiterin zuzumuten, eine Stelle auf zwei Standorte aufzuteilen und beide Clubs jeweils nur zwei Tage in der Woche zu öffnen. „Eine angemessene Jugendarbeit ist so nicht zu leisten“, sagte Ines Grimm-Hübner. Vielmehr sei es notwendig, die Einrichtungen täglich zu öffnen, damit die Jugendlichen ein Vertrauensverhältnis zu den Sozialarbeitern aufbauen können. Die Arbeiterwohlfahrt habe sich daher schweren Herzens entschieden, die vorhandenen Gelder für die offene Jugendarbeit auf den Teen Club zu konzentrieren, um den einzigen Jugendclub in Barby zu erhalten. Für den Jugendclub Rainbow bedeutet dies das Aus.

Bilder

Der Salzlandkreis hat dieser neuen Situation bereits Rechnung getragen. In einer Sondersitzung am Dienstag beschloss der Jugendhilfeausschuss des Salzlandkreises einstimmig, die Zuschüsse des Kreises für die beiden Einrichtung umzuverteilen. Demnach erhält das Jugendzentrum für das laufende Jahr nur noch rund 13.700 Euro vom Salzlandkreis. Der Teen Club bekommt nun knapp 42.200 Euro. Eine Förderung von der Stadt Schönebeck hat die Arbeiterwohlfahrt für ihre Jugendarbeit nicht erhalten.

Wenn es nach Awo-Geschäftsführerin Ines-Grimm Hübner geht, soll der Jugendclub Rainbow allerdings bereits im kommenden Jahr wieder aufmachen. „Wir werden Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um die notwendigen Gelder zusammenzubekommen“, sagte sie. Bei der EU, beim Bund, beim Land und beim Kreis werde man nun nach Möglichkeiten zur Finanzierung suchen. Auch Unternehmen wolle man um Hilfe bitten.

Galgenfirst bis 2021

Problematisch ist die Situation auch beim Kinder- und Jugendbüro Piranha des Vereins Rückenwind. Im Gegensatz zum Rainbow profitierte die Einrichtung bisher von der Unterstützung der Stadt Schönebeck. So hatte der Stadtrat am 7. Dezember 2017 beschlossen, dass das Piranha folgende Zuschüsse erhält: 73.750 Euro für 2018, 73.350 Euro für 2019 und 77.000 Euro für 2020. Für die Zeit danach sieht das Haushaltskonsolidierungskonzept nach Angaben der Stadtverwaltung vor, dass das Kinder- und Jugendbüro zwischen 2021 und 2027 überhaupt keine Zuschüsse mehr bekommt.

Welche Konsequenzen diese Streichung haben wird, ist aus Sicht der Stadtverwaltung allerdings noch nicht absehbar. Vom Verein Rückenwind ist jedoch bereits zu erfahren, dass ohne die Zuschüsse kein Weg an der Schließung des Kinder- und Jugendbüros vorbeiführt.

Erste Gespräche über die Zukunft der Jugendarbeit im Salzlandkreis sollen bereits am heutigen Donnerstag in Schönebeck geführt werden. So werden beim Konsultationstag des Bündnisses für Familie verschiedene Träger mit Landrat Markus Bauer (SPD) über das Thema diskutieren. „Wir wollen wissen, wie es mit der Jugendarbeit in der Region weitergehen soll“, sagte Awo-Geschäftsführerin Ines Grimm-Hübner. Zudem werde man deutlich machen, dass man die Schließung der Jugendclubs im Salzlandkreis nicht hinnehmen werde.

Eine für Mitte Mai angesetzte Klausurtagung mit allen Beteiligten in Bernburg zu dem Thema war zuletzt kurzfristig abgesagt worden. Wie ein Mitarbeiter des Salzlandkreises mitteilte, hatten sich zu wenig Teilnehmer gemeldet. Die Träger hatten wiederum kritisiert, dass die offizielle Einladung zu der Veranstaltung erst zwei Wochen vorher verschickt worden war. Dadurch sei eine Teilnahme nicht möglich gewesen. Die Klausurtagung soll noch in diesem Jahr nachgeholt werden.