Schönebeck l Zwei Schülerinnen am Carl-Hermann-Gymnasium in Schönebeck geht es um etwas selbstverständliches, was aber immer noch keine Selbstverständlichkeit ist: die gelebte Gleichberechtigung und Gleichbehandlung von Mann und Frau. Aus diesem Grund haben die 16-jährige Luisa Schuck und die 18-jährige Ljuba Bauer das Projekt „Power to the Girls“ initiiert. Dabei bringen sie den Achtklässlerinnen des Gymnasiums die Themenbereiche Sexismus und Feminismus näher, informieren über sexuelle Belästigung, zeigen mögliche Reaktionen in Alltagssituationen auf und vieles mehr. „Wir wollen dazu beitragen, dass die Welt ein kleines bisschen besser wird“, fasst es Luisa Schuck knapp zusammen.

Das Projekt selbst ist in zwei Komplexe unterteilt. In der ersten Hälfte des Workshops richtet Ljuba Bauer das Scheinwerferlicht auf die sozialen Medien und auf das Selbstbild von jungen Frauen. „Wir wollen dafür sorgen, dass sich die Schülerinnen nicht so sehr von den sozialen Medien wie Instagram beeinflussen lassen. Sie sollen sich bewusst machen, dass dort nur ein verzerrtes Bild der Realität wiedergegeben wird. Jeder zeigt sich nur von der besten Seite, zahlreiche Bilder sind bearbeitet “, so Ljuba Bauer.

Fotos vergleichen

Auf solche bearbeiteten Bilder gehen die beiden jungen Frauen auch noch einmal extra ein. Sie präsentieren den Schülerinnen Fotos – und zwar das Original und die bearbeitete Variante, um aufzuzeigen, wie viel durch Programme wie Photoshop am echten Bild verändert wurde. Die Nachricht ist klar. Ob im Internet oder in der Werbung: Echte Menschen mit Makeln werden dort nahezu nie gezeigt. Das kann am Selbstwertgefühl nagen und dazu führen, dass sich Menschen – komplett unabhängig vom Geschlecht – minderwertig oder hässlich finden. Darauf wollen Bauer und Schuck aufmerksam machen, die Mädchen sensibilisieren.

Bilder

Die zweite Hälfte von „Power to the Girls“ greift das Thema Sexismus auf. Was ist überhaupt Sexismus? Wie macht er sich bemerkbar, und wie kann man im Alltag darauf reagieren?

Reagieren im Rollenspiel

Um dies zu verdeutlichen wurden die Achtklässlerinnen in Gruppen aufgeteilt, die anschließend kleine Rollenspiele präsentierten. In denen wurden mögliche Verhaltensweisen bei Alltagssexismus aufgezeigt und durchgesprochen. Eine der wichtigsten Botschaften der Rollenspiele: Reagieren. Sexuelle Belästigungen, wie das unerlaubte berühren oder sexistische Aussagen, sollen nicht einfach stillschweigend hingenommen werden.

In einem der aufgeführten Szenarios begrapscht ein Mitarbeiter seine Kollegin. Direkt greift eine Schülern, die ebenfalls eine Mitarbeiterin mimt, ein. „Lassen Sie das!“, weist sie den Mann zurecht. Er darf die Frau nicht einfach anfassen, macht sie klar. Das gibt Lob von den Projektkoordinatorinnen Bauer und Schuck. „Gut so. Vielleicht sogar etwas lauter und bestimmter“, gibt Schuck als Tipp.

Teilnahme ist Pflicht

Trotz verpflichtender Teilnahme kommt der Workshop bei den Achtklässlerinnen gut an. Eine Schülerin sagt: „Es war schon krass, die Unterschiede bei den Fotos zu sehen. Eigentlich weiß ich ja, dass Bilder oft bearbeitet werden, aber dass so viel daran gemacht werden kann, habe ich nicht gewusst.“ Und auch die Rollenspiele findet sie hilfreich.

Eine Mitschülerin ergänzt: „Ich fand das Projekt cool und interessant. Vorher habe ich mich noch nicht so intensiv mit diesen Themen beschäftigt. Eigentlich sollte es ja auch selbstverständlich sein, dass alle Menschen gleich behandelt werden.“ Der Kern der Botschaft ist also bei den Mädchen angekommen.