Schönebeck l Kleine Babyschühchen, Strampler, Nuckel und Fläschchen – es ist leicht zu erkennen, an wen das kleine, aber gut gefüllte Köfferchen adressiert ist. Bestückt wurde das Päckchen von den Sozialpädagoginnen Katja Lammel und Ivonne Gräffner. Gedacht ist es für Neugeborene in Flüchtlingsfamilien.

„Die meisten Familien, die nach Deutschland kommen, haben kaum etwas bis gar nichts bei sich“, sagt Katja Lammel. Und die werdenden Mütter „sind meist hochschwanger“, ergänzt ihre Kollegin Ivonne Gräffner. Beide arbeiten in der Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung der Gemeinnützigen Paritätischen Netzwerke (Pin) GmbH in Schönebeck. Aus ihrer täglichen Arbeit wissen sie um die Probleme, die werdende Eltern haben, deren Aufenthaltsstatus noch nicht geklärt ist. Es fehlt am Geld.

„Zwar erhalten die Asylbewerber finanzielle Mittel“, erklärt Katja Lammel. „Jedoch weiß jeder, was all die Dinge für eine Baby-Erstausstattung zusammen kosten können“, sagt sie. So gehöre ein Kinderbett zur Wohnungseinrichtung dazu, aber Mützchen, Windeln und Hygienemittel stehen auf der eigenen Einkaufsliste. Sozialschwache können bei der Bundesstiftung „Familie in Not“ einen Zuschuss für die Baby-Erstausstattung in Höhe von rund 600 Euro beantragen. Auch für Asylbewerber besteht diese Möglichkeit. Sie können so 200 Euro erhalten.

Das ist eine wesentliche Hilfe. Sie wird nur gestellt, wenn zuvor die staatlichen Hilfen nach dem Asylbewerbergesetz beantragt wurden. Ivonne Gräffner skizziert ein Szenario: „Die Familie kommt beispielsweise aus Calbe mit Bus oder Bahn zu uns nach Schönebeck. Wir schicken sie dann nach Bernburg, wo sie den Antrag für die staatliche Hilfe ausfüllt. Dann kommt die Familie wieder zu uns, um mit uns den Antrag für die Bundesstiftung auszufüllen.“ Die Wege seien mit Aufwand verbunden und die Bearbeitung der Anträge koste Zeit.

„Zwei Dinge, die einer hochschwangeren Frau zugemutet werden, weil sie selbst die Anträge unterschreiben muss“, ergänzt Katja Lammel. Deshalb haben die Sozialpädagoginnen die Idee der Willkommenspakete geboren. Neben den handfesten Dingen sollen darin auch Flyer mit diversen Angeboten der Region enthalten sein – am besten durch Dolmetscher in die entsprechenden Sprachen übersetzt. Für ein solches Erste-Hilfe-Köfferchen rechnen sie mit einem Finanzbedarf von circa 100 Euro. Das ist Geld, das die Beratungsstelle selbst nicht aufbringen kann.

Wie groß der Bedarf letztlich sein wird? Gute Frage, winken die beiden ab. Das sei gar nicht abzuschätzen, sind sie sich einig. Allein in diesem Jahr seien um die zehn schwangere Flüchtlinge in ihre Beratung gekommen. „Vielleicht sind es im nächsten Jahr mehr, vielleicht auch weniger“, sagt Katja Lammel. Fest steht: Der Bedarf ist längst da.

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