Schönebeck l Der Sportplatz hinter der Schönebecker Franz-Vollbring-Sporthalle ist gelinde gesagt in einem verbesserungswürdigen Zustand. Die Umschreibung „Bolzplatz“ trifft wohl noch am ehesten auf das unebene Spielfeld zu. Für die Ausrichtung von Turnieren oder auch nur für die Trainingseinheiten der örtlichen Sportvereine ist der Platz nicht mehr zu gebrauchen. Darauf wies auch Frank Beschke, Projektmanager bei dem Schönebecker Sport- und Freizeitanlagenbauer Keller Tersch, in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses der Stadt hin. Gleichzeitig würden die Sporthallen der Stadt regelmäßig ausgelastet sein – das Sportler auf den Platz der Vollbring-Sporthalle ausweichen, sei aufgrund des schlechten Zustandes aber nicht möglich, so Frank Beschke.

Doch Beschke kam nicht, um darüber zu klagen, sondern um der Stadt eine Idee zu präsentieren. Nämlich den Umbau des bestehenden Naturbolzplatzes in ein Kunstrasen-Kleinspielfeld mit Flutlicht-Strahlern. „Als ich die Idee dem Oberbürgermeister vorgestellt habe, sagte er direkt, dass die Stadt kein Geld dafür habe“, so Beschke gegenüber den Ausschussmitgliedern. Daher sei es denkbar, den Umbau als Crowdfunding-Projekt umzusetzen – also auf Basis von Spenden. Als prominenten Partner habe Keller Tersch beispielsweise schon den SCM-Handballprofi Matthias Musche gewinnen können, der das Vorhaben begleiten würde.

Kosten von 127.000 Euro

Laut Beschke würden die Netto-Baukosten bei etwa 127.000 Euro liegen. Mit diesem Geld könne man ein wettkampftaugliches Handball-Normspielfeld errichten, das etwa 23 Meter mal 44 Meter misst. Die Oberfläche selbst ist aus Kunstrasen und inklusive Linierung und Zubehör wie neuer Handball Tore.

Die vorhandenen Ballfangzäune an den Kopfenden des Spielfeldes könnten übernommen und weiter genutzt werden. „Diese werden an den Längsseiten durch einen Stabgitterzaun, in der Höhe von circa drei Metern und mit einer Durchgangstür je Seite verbunden und dienen als Ballfangzaun und Schutz der Anlage vor einem unberechtigten Zutritt“, heißt es in der Projektvorstellung von Keller Tersch. Der neue Platz wäre also ringsum eingezäunt und somit gegen Vandalismus-Delikte gesichert.

Kein Selbstläufer

Und die Sozialausschussmitglieder? Die wirken im ersten Moment ein bisschen überrumpelt. Zu den ersten, die das Wort ergreifen, zählt Eric Grube, Vorsitzender des Kinder- und Jugendbeirates. „Haben Sie schon Erfahrungen mit Crowdfunding-Projekten gemacht?“, fragt er. Beschke antwortet: „Da gibt es verschiedene Modelle, die anwendbar wären und entsprechende Anleitungen dazu, wie man solche Crowdfunding-Projekte umsetzt. Ein Selbstläufer wird es aber sicher nicht, das muss klar sein.“ Denkbar wäre auch, örtliche Unternehmen mit ins Boot zu holen, um die Spendenaktion zu unterstützen, so Frank Beschke.

Stadtrat Enrico Grube (FDP/Grüne/Below/Kowolik) – selbst ein sportbegeisterter Mensch – beurteilte das Vorhaben zunächst als eindeutig „gute Idee“. Jedoch sei unklar, wie und ob anfallende Pflege- und Wartungskosten von der Stadt gedeckt werden sollen. „Vor allem mit Blick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie und anstehende Folgekosten“, so Grube.

Geringe Pflegeintensität

Laut Beschke falle die Pflegeintensität der Anlage nur gering aus. „Zwei Mal im Jahr mit der Kehrmaschine rüber, dann passt das. Pro Jahr sind das in etwa 800 Euro.“ Zudem würde das Unternehmen die Pflege für die ersten drei Jahre übernehmen.

Einen klaren Fahrplan dazu, wie und ob das Crowdfunding-Projekt startet, gibt es aber noch nicht. Im Sozialausschuss wurde das Vorhaben von den Mitgliedern zunächst „wohlwollend zur Kenntnis genommen“.