Schönebeck l Eigentlich wollte Laura Mehrhoff als zweite Fremdsprache Latein lernen. „Aber der Kurs war schon voll, deswegen musste ich ab der siebten Klasse doch Russisch lernen“, sagt die 17-Jährige, die die elfte Klasse des Schönebecker Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums besucht. Inzwischen ist sie aber ganz froh, dass es anders gekommen ist. „Russisch macht Spaß“, hat die junge Schönebeckerin im Unterricht festgestellt.

Und zwar so viel Spaß, dass Laura Mehrhoff gemeinsam mit ihrem Schulkameraden Marvin Wagner jüngst den Sprachwettbewerb „Spielend Russisch lernen“ von Sachsen-Anhalt gewonnen hat. „Das ist ein Brettspiel, bei dem die Schüler Begriffe übersetzen müssen“, erklärt Russischlehrerin Andrea Baak, die das Spiel vor zehn Jahren am Gymnasium eingeführt hat.

„Wir wollten den Unterricht ein bisschen lebendiger machen und die russische Sprache von ihrem verstaubten Image befreien.“ Tatsächlich sei die Sprache wieder gefragt. Immerhin drei Lehrer unterrichten Russisch am Gymnasium, das zudem einen regen Schüleraustausch mit einer Schule in Sowjetsk in Kaliningrad pflegt.

Im Wettbewerb ohne Russischkenntnisse

Das Besondere an dem Sprachenwettbewerb, der mit dem Brettspiel „New Amici“, zu Deutsch „neue Freunde“, ausgetragen wird: Nur ein Mitglied des Zweierteams spricht überhaupt die Sprache. Der andere Teilnehmer muss ohne Sprachkenntnisse versuchen, sich die russischen Begriffe zu merken und zu wiederholen.

Nicht ganz einfach, aber Marvin Wagner hat an der Aufgabe Spaß. „Ich beschäftige mich gern mit neuen Sprachen und lerne neben der Schule noch Französisch und Italienisch im Internet“, erzählt der 16-Jährige. Auch in einem Sprachcamp in Irland war er schon in den Ferien zum Englisch lernen.

Und da Laura Mehrhoff polnische Wurzeln hat und gut polnisch spricht, hat sie allen Unterschieden zum Trotz auch im Russischen den einen oder anderen Vorteil. „Ich kann das Spiel auf der höchsten Stufe spielen“, sagt die Schülerin. Nur bei Begriffen wie „antikes Ägypten“ oder „Hürdenlauf“ ist sie bei der ersten Runde des Wettbewerbes in Landsberg bei Halle ins Straucheln gekommen.

Dennoch hat es für den Sieg gereicht. Nun geht es für die beiden Schüler Anfang November zum Finale des Russisch-Wettbewerbs in den Europa-Park in Baden Württemberg. Wobei auch etwas Zeit bleiben wird, um den Freizeitpark zu besuchen.

Die Sieger fahren nach Moskau

Laura Mehrhoff war schon mit ihrer Russischklasse beim Schüleraustausch in Sowjetsk. „Das war sehr schön, weil ich mich sehr gut mit meiner Austauschpartnerin verstanden habe und die Russen extrem gastfreundlich sind. Ich wurde richtig in die Familie aufgenommen“, erzählt die Schülerin, die gern andere Länder und Kulturen kennenlernt, wie sie sagt. Dank Internet hält der Kontakt nach Russland weiter. Im nächsten Jahr kommen russische Schüler nach Schönebeck.

Im Schönebecker Gymnasium hat der Wettbewerb „Spielend Russisch lernen“ nach zehn Jahren schon Tradition. Bereits im vergangenen Jahr konnten die Schülerinnen Linda Klingenstein und Jessica Kersten den Vorentscheid für sich entscheiden, der damals in Köthen ausgetragen worden war. Beim Finale reichte es immerhin noch für einen guten Platz.

In diesem Jahrmachen in 16 Vorrunden insgesamt 4500 Jugendliche von 226 Schulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei dem Turnier mit. Organisiert wird der Wettbewerb vom Deutsch-Russischen-Forum in Berlin.

Laura Mehrhoff und Marvin Wagner haben sich für das Finale des Wettbewerbes einiges vorgenommen. Denn immerhin winkt dem Siegerteam eine Reise nach Moskau und St. Petersburg. „Wir wollen gewinnen“, sagt Laura Mehrhoff zuversichtlich.