Schönebeck l Für Schönebeck soll ein „umfassendes und nachhaltiges“ Tourismus- und Naherholungskonzept her. Das ist das Ansinnen des SPD-Antrages „Ja zum Tourismus als Wirtschaftsfaktor“, über den die Stadträte am Donnerstagabend abstimmen.

Das aktuelle Tourismuskonzept der Stadt wurde laut Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz 1997 erarbeitet. Die Fortschreibung dieses Konzeptes sei im neu zu beschließenden Haushalt bereits berücksichtigt. Stadt und Solepark würden dabei eng zusammenarbeiten, teilt Wannewitz mit. Im Hauptausschuss hatte Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) bereits angekündigt, dass 45 000 Euro dafür eingeplant sind.

Potenziale einbeziehen

Der SPD-Antrag sieht vor, dass das Konzept von der Stadtverwaltung erstellt und vom Wirtschaftsausschuss begleitet wird. Dabei sollen sich langfristige Ziele gesetzt werden, die für die Entwicklung der Stadt im Hinblick auf Tourismus und Naherholung förderlich sind. Außerdem wird gefordert, bereits vorhandene kulturelle Angebote, Sehenswürdigkeiten und andere Potenziale mit einzubeziehen.

Überdies schlägt die SPD-Stadtratsfraktion vor, Studierende aus dem Bereich der Tourismuswirtschaft der Hochschule Harz mit ins Boot zu holen, um das Projekt wissenschaftlich zu begleiten. „Diese Zusammenarbeit ist aber kein zwingender Punkt, der zur Umsetzung unseres Antrages nötig ist“, teilt Fraktionsvorsitzender Frank Schiwek mit.

Relevanter Wirtschaftszweig

In der Begründung des Antrags geht die SPD davon aus, dass der Tourismus für die Stadt ein relevanter Wirtschaftszweig ist und dass Naherholung ein wichtiges Element der Lebensqualität für die Einwohner der Stadt darstellt. Zwar habe Schönebeck schon verschiedene Angebote und Attraktionen, doch diese würden kaum koordiniert und mögliche Synergien nicht genutzt, so die Begründung. Für Einwohner und für Beobachter von außen würde ein „farbloser Eindruck“ entstehen. Daher sei es wichtig, dass sich alle relevanten Akteure zusammensetzen und gemeinsam an dem Konzept feilen.

Sabine Dirlich, Vorsitzende der Linken-Stadtratsfraktion, sagt dazu: „Der Antrag ist so allgemein, dass darin nichts Falsches vorkommt. Ein Schaufensterantrag eben. Die SPD-Fraktion hätte sich auch mit einigen Vorschlägen äußern können.“

Ideen einbringen

Auf Nachfrage sagt Frank Schiwek, dass die SPD eigene Vorstellungen und Ideen habe, die sie in den Gestaltungsprozess mit einbringen werde. „Allerdings müssen wir in Schönebeck nichts grundlegend neu erfinden“, sagt er.

Der Vorsitzende der Schönebecker CDU, Torsten Pillat, sagt: „Persönlich finde ich es gut, ein solches Konzept zu entwickeln, insbesondere im Bezug auf den Kurstandort. Jedoch sollte der Haushalt dabei im Blick behalten werden. Solch ein Konzept kostet sehr viel Geld.“ Aufgrund der finanziellen Auswirkungen hält Torsten Pillat auch eine vorherige Beteiligung des Stadtrates für sinnvoll.

Ausschüsse beteiligen

Bei der FDP/Grüne/Below/Kowolik-Fraktion sieht man das ähnlich. Fraktionsvorsitzender Thoralf Winkler teilt mit: „Das vom Antrag umfasste Themenfeld ist viel zu wichtig, als es nur dem Fachausschuss Wirtschaft zu überlassen. Da spielen auch soziale Fragen eine Rolle, es geht um Stadtentwicklung und letztlich geht es auch ums Geld. Deshalb muss der gesamte Stadtrat mit allen seinen Ausschüssen die Erarbeitung des Konzeptes aktiv begleiten.“

Darüber hinaus hält die FDP/Grüne/Below/Kowolik-Fraktion den Antrag aber für richtig. Dass sich die Stadträte mit dem Thema Tourismus beschäftigen sei „längst überfällig“, so Winkler weiter.

Kein Statement

Die AfD-Stadtratsfraktion möchte sich nicht zum Antrag der SPD äußern, teilt Olaf Ziem, Vorsitzender der Schönebecker AfD, mit.

Ein Blick ins Statistikheft der Stadt offenbart, wie es um den Tourismus in Schönebeck bestellt ist. Unter der Rubrik „Fremdenverkehr“ sind die Ankünfte in der Stadt aufgeführt. Diese Zahl ist seit dem Jahr 2016 von rund 2900 Ankünften auf rund 3200 Ankünfte im Jahr 2018 gestiegen – das ist positiv. Dafür hat sich jedoch die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Stadtbesucher verringert. Waren es 2016 noch 5,5 Tage, die die Gäste in Schönebeck verbracht haben, so verringerte sich dieser Wert im Jahr 2018 auf durchschnittlich 5,0 Tage.

Arbeitsgruppe möglich

Wenn sich die Stadträte in der Abstimmung mehrheitlich für den Antrag aussprechen sollten, dann ist es laut Frank Schiwek dem Oberbürgermeister überlassen, wie der Antrag umgesetzt wird. „Die etwaige Bildung einer Arbeitsgruppe ist durch unseren Antrag ja nicht ausgeschlossen“, gibt der Vorsitzende der Schönebecker SPD zu bedenken.