Zahlen und Fakten zur Spende

Jedes Jahr erkranken in Deutschland circa 8000 Menschen an Leukämie oder anderen bösartigen Blutkrankheiten.

In regionalen Dateien in Deutschland sind momentan über sechs Millionen freiwillige Blutstammzell- beziehungsweise Knochenmarkspender registriert.

8 634 592 Deutsche sind derzeit im Zentralen Knochenmarkspender-Register erfasst (Stand 26. Juni 2019). Weltweit sind es 33 267 186 potenzielle Lebensretter (Stand 26. Juni 2019).

Für neun von zehn Patienten wird ein Spender gefunden. Für 60 Prozent aller Leukämiepatienten wird sogar innerhalb von drei Monaten ein Spender gefunden.

Nur ein Prozent der Registrierten spenden in ihrem Leben auch wirklich irgendwann Blutstammzellen.

Wussten Sie schon, dass ...

• alle 30 Minuten in Deutschland ein Mensch an Leukämie erkrankt?

• nach drei Monaten etwa dreiviertel aller Suchen erfolgreich sind?

• 80 Prozent der Suchen nach nicht verwandten Spendern für deutsche Patienten zum Erfolg führen

Quelle: Aktion Knochenmarkspende Sachsen-Anhalt e. V.

Barby/Schönebeck l Nahezu jeder Mensch auf der Welt hat einen genetischen Zwilling. Das weiß Michaela Hamel aus Barby. Diesen zu finden ist allerdings alles andere als einfach. Auch das ist der 41-Jährigen klar. Doch manche Menschen müssen ihn finden. Denn nur ihr genetischer Zwilling ist in der Lage, ihnen das Leben zu retten – durch eine Stammzellen- oder eine Knochenmarkspende.

Denn wer an Leukämie, also Blutkrebs, erkrankt ist, dem können oftmals nur noch die gesunden Stammzellen oder eben das Knochenmark des eigenen genetischen Zwillings helfen. Um diesen zu finden, können sich Menschen, die bereit sind Stammzellen oder Knochenmark zu spenden, in regionalen Spenderdateien wie beispielsweise der Aktion Knochenmarkspende Sachsen-Anhalt e. V. in Magdeburg oder bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (kurz: DKMS), der wohl bekanntesten Spenderdatei in Deutschland, registrieren.

Aktion für Spenden

Das hat auch Michaela Hamel schon vor Jahren getan. Doch nur potenzielle Spenderin sein reicht der gebürtigen Schönebeckerin, die 1999 nach Barby gezogen ist, einfach nicht. „Ich wollte mehr machen“, berichtet sie. Und genau deshalb hat sie in der vergangenen Woche anlässlich des Internationalen Kinderkrebstages (15. Februar) eine Spendenseite zugunsten der DKMS eingerichtet– um Typisierungen zu finanzieren und Empfänger und Spender zusammenzuführen. Um Spendern eine Gegenleistung zu bieten, häkelt sie. Und zwar Mützen.

Ein Handarbeitshobby, dem die Barbyerin erst seit kurzem nachgeht. Die erste Mützen für die eigene Familie sind fertig „und ganz gut geworden“, findet Michaela Hamel. Und genau deshalb wird jetzt auch für Geldspender und Leute, die sich typisieren lassen, gehäkelt.

Mützen in Wunschfarben

Natürlich in den Wunschfarben. So arbeitet die Barbyerin derzeit an einer Mütze in den Farben blau und weiß für den Sohn einer Geldspenderin. Der ist Fan des 1. FC Magdeburg, spielt zugleich beim örtlichen Verein SSV Blau-Weiß Barby Fußball. „Da passen die Farben also doppelt“, schmunzelt die Michaela Hamel. Insgesamt konnte sie durch ihre Aktion bislang rund 200 Euro, die direkt an die DKMS gehen, sammeln.

Zunächst hatte die Barbyerin ihren Aufruf auf ihrer privaten Facebook-Seite geteilt, dann in einer Gruppe, der viele Barbyer angehören. Und dann hat sei eine eigene Instagramseite ins Leben gerufen: „krebs_ist_ein_arschloch“. Denn genau das denkt sie.

Persönliche Schicksale

Schließlich kennt die 41-Jährige viele Krebsschicksale – sowohl in der Familie als auch im Bekannten- und Freundeskreis. Auslöser für ihre Aktion war die vor einigen Wochen bekannt gewordene Leukämie-Erkrankung des dreijährigen Sohnes einer Freundin. „Sie war eigentlich wegen einer Augenentzündung des Kleinen mit ihm beim Kinderarzt. Als die Ärztin dann aber erfahren hatte, dass der Junge übermäßig viel schläft, schrillten bei ihr die Alarmglocken“, berichtet Michaela Hamel.

Mittlerweile muss der Junge eine Chemotherapie in Magdeburg über sich ergehen lassen, kämpft zudem mit Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes. Ob er auf eine Stammzellen- oder gar Knochenmarkspende angewiesen sein wird, stehe noch nicht fest. Fest steht für Michaela Hamel aber, dass sie sofort bereit wäre Stammzellen oder Knochenmark zu spenden – ganz gleich für wen.

Unterstützung von Spenderin

Bei ihrem Engagement wird sie unter anderem von Freundin Silvana Feest unterstützt. Sie wurde 2006 nur wenige Woche nach ihrer Typisierung zur Spenderin. Die Empfängerin ihrer Stammzellenspende hatte sie einige Jahre nach dieser persönlich kennengelernt. „Ihr geht es bis heute gut“, freut sich die Barbyerin.

Und nun hilft Silvana Feest wieder. Sie näht bunte Täschchen für beispielsweise die Katheder der erkrankten Kinder.

Spenden kommen auch ohne Gegenleistung

Auch andere Barbyer sind auf die Aktion von Michaela Hamel aufmerksam geworden, wollen bei den Handarbeiten oder einfach nur finanziell helfen. Neben dem Auftrag für die FCM-Mütze ist bereits ein weiterer eingegangen – gegen eine monatliche Spende von zehn Euro an die DKMS.

„Die Leute spenden einfach so“, freut sich die Barbyerin, will aber natürlich gern weiter häkeln und mit ihrem neuen Hobby gleichzeitig etwas Gutes tun – auch weit über den heutigen Internationalen Kinderkrebstag hinaus.