Schönebeck l Eigentlich ist es eine gute Nachricht: Die Kreisstraße durch Ranies soll nach monatelangen Bauarbeiten in den kommenden Wochen endlich fertiggestellt werden. Nach über einem Jahr kann der Verkehr nun zumindest wieder über die Hauptstraße durch Ranies rollen, nachdem der Ortsteil lange Zeit zumindest gefühlt eine einzige Baustelle war.

Doch mit der Fertigstellung der neuen Straße regen sich in Ranies auch die ersten Befürchtungen. „Wenn die Straße wieder freigegeben wird, brauchen wir eine Tempo-30-Zone in Ranies“, sagte Ortschaftsrat Christian Schlitzberger bei der Sitzung des Gremiums in der vorigen Woche. Denn das vormals alte Kopfsteinpflaster wurde bei den Bauarbeiten durch eine glatte Fahrbahn ersetzt, auf der höchstwahrscheinlich auch schneller fließen wird als bisher.

Tempo 30 in ganz Ranies?

„Eigentlich müsste in ganz Ranies Tempo 30 gelten“, sagte Schlitzberger. Denn: Nach der Kita kommt die Feuerwehr, dann die Kurve und schließlich der Ortskern. Demnach wäre es sinnvoll, wenn dort überall langsam gefahren wird, um Rücksicht auf die Anwohner, die Feuerwehr und vor allem die Kinder zu nehmen.

Schlitzberger befürchtet allerdings selbst, dass er sich mit seiner Forderung nicht durchsetzen wird. „Vermutlich ist es unrealistisch, dass ganz Ranies zur Tempo-30-Zone wird“, sagte er. „Aber wir brauchen zumindest eine Geschwindigkeitsbegrenzung vor der Kita.“ Da die Kindertagesstätte „Knud Sonnenschein“ vom Verein Nestwärme direkt am Ortseingang in Richtung Schönebeck liegt, würden die Fahrzeuge dort immer noch zu schnell fahren, wenn sie nach Ranies kommen. „Das muss dringend etwas passieren“, sagte Christian Schlitzberger.

In der Kita sieht man das ähnlich. Es stehe zu befürchten, dass die Autos viel zu schnell fahren werden, wenn keine Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt wird, sagte eine Kindergärtnerin aus Ranies, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Für die Eltern sei es wegen der Baustelle teilweise schwierig gewesen, ihren Nachwuchs in Kita zu bringen. Die Kinder hätten die Bauarbeiten allerdings sehr spannend gefunden und den Baggern vom Zaun aus gern bei der Arbeit zugeschaut.

Auch Ortsbürgermeister Rüdiger Kunze sprach sich für die Einrichtung einer Tempo-30-Zone aus. Ortschaftsrat Stephan Wesch schlug zudem vor, eine Geschwindigkeitsanzeigetafel vor der Kita zu installieren, die den Autofahrern ihr Tempo anzeigt und mit freundlichen oder traurigen Gesicht bewertet. Die Anschaffungskosten für eine solche Tafel könnten demnach zu größten Teil gefördert werden. Zudem würden auch noch einige Stromkosten anfallen. „Die Kosten dafür fallen aber so gering aus, dass die Mitglieder des Ortschaftsrates beschlossen, das zu übernehmen, wenn es gar nicht anders gehen sollte“, sagte Wesch.

Der Ortschaftsrat forderte die Stadtverwaltung nun auf, eine entsprechende Geschwindigkeitsbegrenzung für einen Bereich rund um die Kita an der fertiggestellten Kreisstraße zu beantragen.

Nicht abgeneigt

Bei der Schönebecker Stadtverwaltung steht man dem Vorschlag zumindest nicht abgeneigt gegenüber. „Eine Beantragung einer Geschwindigkeitsreduzierung vor der Kita wäre grundsätzlich möglich“, heißt es dazu aus dem Rathaus auf eine Anfrage der Volksstimme hin. Zunächst müsse allerdings ein offizieller Beschluss des Ortschaftsrates vorliegen. Das würde dann aber vermutlich auch nur für eine relativ kurze Strecke gelten.“ Die Rede ist von rund 100 Metern. Möglicherweise würde das Tempo-Limit auch nur zeitlich begrenzt gelten. „Die Entscheidung liegt aber dann beim Salzlandkreis“, heißt es.

Auch beim Salzlandkreis scheint man für den Vorschlag offen zu sein. „Seitens der Gemeinde sollte ein Antrag auf Tempo 30 an das Straßenverkehrsamt beim Salzlandkreis gestellt werden“, teilte Ralf Felgenträger auf Nachfrage der Volksstimme schriftlich mit.